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"Nintendogs"-Produzent Hideki Konno: Der Herr der Hunde spricht

Schon mehr als 1,5 Millionen Nintendo-DS-Besitzer trainieren weltweit begeistert digitale Welpen. Im stern.de-Interview spricht Produzent Hideki Konno über das Erfolgsrezept von "Nintendogs" und über seine Visionen.

Konno-San, haben Sie selbst einen Hund?

Ja, es ist ein Shetland-Schäferhund; einer der schönsten Hunde der Welt. Er heißt Koro, das ist ein typischer Hundename in Japan.

Wieviel von ihm steckt in dem Spiel?

Es steckt von vielen Hunden etwas darin. Wir haben uns an vielen Orten umgesehen, waren in Tierhandlungen und in Hundeshows und haben überall gefilmt. Ein Hund kam als Welpe zu uns, er war so klein und so süß, und wir haben viel von ihm gelernt. Außerdem hat auch mein Chef Shigeru Miyamoto, der Erfinder von Mario, einen Hund, einen Shetland Schäferhund wie ich. Miyamoto züchtet sogar selbst ein wenig. Den beiden haben wir oft zugeschaut: wie sie sich bewegen, wie sie sich benehmen, wie sie auf uns reagieren.

In Japan ist „Nintendogs“ ein großer Erfolg. Warum?

Es gibt viele Gründe: Es ist ein besonderes Spiel. Und noch dazu einfach zu spielen und einfach zu bedienen. Bei diesem Spiel geht es uns besonders um Menschen, die nie ein Videospiel in der Hand hatten, die aber ein Haustier haben. Um Menschen, die Tiere lieben. Diese Leute wollen wir gewinnen, das stand immer im Zentrum unserer Überlegungen. Und: Jeder findet Babyhunde süß – und das überall auf der Welt, nicht nur in Japan.

Deswegen müssen die Hunde im Spiel immer süße Welpen bleiben?

Hunde wachsen unglaublich schnell. Als ich einmal nach Wochen von einer Geschäftsreise zurückkam, war der Hund in unserem Team riesig geworden. Da kam mir der Gedanke, dass es besser wäre, wenn die Hunde in „Nintendogs“ immer Welpen bleiben. Aber es ist nicht so, dass sie innerlich klein bleiben. Sie wachsen, nur nicht physisch: Ihr Welpe wird nie zu einem großen Hund werden, aber er wächst mit ihnen. Am Anfang haben Sie einen unschuldigen, kleinen Hund, der nicht weiß, was er mit sich anfangen soll. Aber Sie können ihn trainieren Sitz! Gib' Pfötchen! Sie können ihm Kunststücke beibringen, und Ihr Hund wird das alles lernen, wenn Sie geduldig sind. Er hört dann auf Sie und Ihre Stimme. Es entsteht eine tiefe Bindung zwischen ihnen. Das ist eine ungewöhnliche Erfahrung.

Gibt es ein Ziel in dem Spiel?

Nein. Keines. "Nintendogs" ist für uns auch kein "virtueller Hundesimulator", wir nennen es "Kommunikations-Software": Sie kommunizieren mit ihrem Hund, indem Sie ihn mit dem Finger auf unserem Touchscreen berühren, ihn streicheln oder kraulen. Das ist ein fast physischer Kontakt. Wir wollten, dass sie ihn berühren und mit ihm reden können über das eingebaute Mikrofon. Wenn es also ein Ziel gibt, dann ist das Kommunikation. Und das nicht nur zwischen Herrchen und Hund: Wenn Sie Ihr Spiel in der Stadt dabeihaben, merkt es, wenn jemand anderes in ihrer Nähe vorbeiläuft, der auch das Spiel in der Tasche hat. Ihr Hund bellt dann, und die Hunde können sich gegenseitig besuchen und beschnuppern. Und schon haben Sie einen Fremden kennengelernt, an dem Sie sonst vorbeigelaufen wären.

Sind „Nintendogs“ also Hunde für Leute, die keinen richtigen Hund haben können? Traumhunde für die Hosentasche?

Besonders in Japan gibt es Probleme mit Wohnraum. Die Wohnungen sind oft sehr klein. Viele wollten gerne einen Hund haben, aber sie können es sich nicht leisten. So sind die "Nintendogs" für manche auch ein Ersatz für einen richtigen Hund – ohne die echte Verantwortung natürlich. Wir wollten den Spieler nicht mit Verantwortung erdrücken. Niemand sollte gezwungen sein, seinem Hund alle vier Stunden etwas zu Essen zu geben.

Können denn Leute, die keinen Hund haben, etwas aus dem Spiel lernen?

Ich weiß nicht, ob "Nintendogs" helfen kann, einen echten Hund zu erziehen. Aber ich glaube, das Spiel kann ihnen zeigen, wie schön es sein kann, mit Hunden zu kommunizieren und sie zu berühren. Und wie wichtig es ist, Tiere mit Respekt zu behandeln.

Wenn "Nintendogs" weltweit ein Erfolg wird, was kommt als nächstes? Nintencats? Oder gar Nintenbirds? Da wäre ja eine Menge möglich?

Als wir "Nintendogs" geplant haben, haben wir über viele Möglichkeiten nachgedacht, über Vögel, Katzen – und sogar über Pferde. Ich denke, es ist wahrscheinlich, dass es irgendwann etwas in dieser Richtung geben wird, aber dazu mag ich zurzeit noch nichts sagen.*

* Inzwischen hat Hideki Konno gegenüber Eurogamer bestätigt, dass Nintendo an einer Katzen-Version des Spiels arbeitet: www.eurogamer.net

Interview: Sven Stillich / print
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