"SingStar '90s" Sir Sing A Lot


Zeitreise à la Sony: Die "SingStar"-Reihe macht einen Abstecher in die 90-er. Der Trip für erfahrene Karaoke-Sänger kostet 30 Euro, Neulinge legen 30 weitere für die Mikros drauf.

Ein durchwachsenes und bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium, das Sony da für 30 Euro anbietet. Die meisten der Songs kennt man, allerdings möchte man nur die wenigsten davon wiederhören, geschweige denn selbst nachträllern. Ganz ehrlich: Keiner hätte den grellen Plastik-Techno von Aqua und ihrem "Barbie Girl" vermisst. Oder Technotronics Nonsens-Wummerei "Pump Up The Jam". Oder die ersten Schritte der New Kids on the Block ("Step By Step") ...

Es gibt allerdings großartige Ausnahmen bei "'90s": "Creep" von Radiohead etwa. Den furchtbar deprimierenden, aber dennoch erfolgreichen Song verbannte die britische Band einst für längere Zeit aus ihrem Live-Programm. Erst in den letzten Jahren wurde er hin und wieder bei Konzerten gespielt, wobei Sänger Thom Yorke ihn stets zynisch mit dem Satz "It's time for some karaoke" ankündigte. Ebenfalls unverwüstlich, aber als Zuhörer nur besoffen zu ertragen: "Zombie" von The Cranberries. Ehrlich, dieses Lied sollte ausschließlich von Dolores O'Riordan intoniert werden. Alles andere klingt einfach unglaublich mies. Wer indes bei einem Mädel punkten willl, sollte sie vielleicht mit "Where The Wild Roses Grow" zum Duett auffordern - eine wunderbar melancholische Ballade von Nick Cave und Kylie Minogue, die sich bestens für tiefe Stimmen eignet.

Der Rest der Trackliste ist nur halbwegs brauchbares Beiwerk: Die Spice Girls sind mit "Wannabe" vertreten - und wer noch mehr Girlpower will, sollte vielleicht gleich Meredith Brooks' "Bitch" auswählen. Mädels mit gebrochenem Herzen intonieren qualvoll Natalie Imbruglias "Torn", Jungs wimmern REMs "Everybody Hurts" oder versuchen sich an Seals "Kiss from a Rose". Ebenfalls für Weichspüler geeignet: "Love Is All Arround" (Wet Wet Wet). Aber auch Rap- und HipHop-Fans kommen auf ihre Kosten und dürfen MC Hammer ("U Can't Touch This") und Sir Mix A Lot ("Baby Got Back") nacheifern.

Am eigentlichen Spielprinzip hat sich wieder einmal nichts geändert. Man steckt die mitgelieferten Mikrophone in die heimische PlayStation2 und schon kann's losgehen. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad bewertet eine virtuelle Jury das stimmliche Ergebnis mal mehr, mal weniger gnädig. Wer Töne trifft, den Takt und Höhe hält und die Einsätze gut timt, darf sich über Lob und ein dickes Punktekonto freuen. Letzteres ist vor allem bei Duellen im Mehrspielermodus entscheidend. Bei den Party-Varianten wird gleichzeitig geträllert oder das Mikro innerhalb eines Teams wild umhergereicht. Die Modi sind zwar allesamt kurzweilig und sinnvoll, aber nach zig Vorgängern erwartet man zu Recht Erweiterungen bei der Spiel-Idee - Sony jedoch hält die nicht für notwendig und setzt stattdessen auf Altbewährtes.

SingStar '90s

Hersteller/Vertrieb

Sony/Sony

Genre

Sonstiges / Besonderes

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Apropos: Verstimmung herrscht derzeit auch bei PlayStation3-Besitzern, die auf 13. November vertröstet wurden. Währenddessen wird die PS2-Cashcow weiterhin fleißig gemolken. Ende August erscheint "SingStar: Die Toten Hosen" - eine Weltpremiere, wenn man so will. Als erste Band überhaupt bekommen die Düsseldorfer Altrocker einen eigenen Ableger des Karaoke-Games. Mit Punk hat das zwar wenig zu tun, aber Gruppen, die sich besser zum Mitgrölen eignen als Campino und Co., gibt es wenige. Anfang Oktober folgt "SingStar Deutsch Rock Pop Vol II", für den Winter ist eine "Apres-Ski"-Editon angekündigt.

Bernd Fetsch/Teleschau TELESCHAU

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