"Total Overdose" Scharf wie eine Habanero-Chilischote


Mega-Action, unglaubliche Special Moves und abgedrehte Story - "Total Overdose" ist brutal, irrwitzig und cool. Allerdings hat das nicht jugendfreie Game auch seine Schattenseiten.

Irgendwann in Mexiko: Ein Desperado gibt sich für seinen Zwillingsbruder aus, der sein Geld als Angestellter der Drug Enforcement Administration, kurz DEA, verdient. Wenig zimperlich bei der Wahl seiner Mittel, haftet Ramiro Cruz schon nach kurzer Zeit der Titel "El Gringo Loco" an. Und dass sich der verrückte Fremde diesen Spitznamen wahrlich verdient, dafür sorgen nicht zuletzt seine Special Moves, die nicht von dieser Welt sind.

Auf welche Art von Spielen und Movies die Entwickler von Deadline Games stehen, ist offensichtlich: "Max Payne", "Grand Theft Auto", die "Desperados"-Trilogie plus "Matrix". Doch der Versuch, diese absoluten Klassiker unter einen Sombrero zu bringen, scheitert. Denn "Total Overdose" kann nicht vollends überzeugen. Die größten Schwächen offenbart das Game beim Handling der diversen Fahrzeuge sowie bei der Künstlichen Intelligenz der CPU-gesteuerten Feinde. Das Fahrverhalten der Autos lediglich als eigenwillig zu bezeichnen, wäre eine grobe Untertreibung. Vielmehr ist das Ansprechverhalten der Lenkung so "loco", dass sich dem Spieler der Eindruck aufdrängt, der zuständige Programmierer habe den Pfefferminztee mit braunem Tequila verwechselt. Bloß gut, dass der Gamer - abgesehen von den wenigen Checkpoint-Rennen - nur selten in so eine Karre steigen muss.

Die nicht vorhandene Intelligenz der schießwütigen Gegner kann der Spieler zu seinem Vorteil ausnutzen. Bleibt ein Bandit etwa an einem Objekt hängen, gibt er ein willkommenes Ziel ab. Ballern die Gringos wild durch die Gegend, behält der Protagonist einen kühlen Kopf und schaltet sie uno per uno aus. Überhaupt droht von den Gegnern nur dann Gefahr, wenn sie in Massen auftauchen. In solchen Situationen kann es dem Helden auch passieren, dass er mit heruntergelassener Hose, sprich ohne Munition, erwischt wird. Ansonsten hält sich der Anspruch in Grenzen, sodass sich selbst größere Brocken relativ leicht in die ewigen Jagdgründe schicken lassen. Darüber hinaus kann der Protagonist auch die Uhr zurückdrehen, wodurch sich das eigene Ableben revidieren lässt. Dementsprechend schnell dürften erfahrene Gamer den Abspann zu sehen bekommen.

Allerdings hat das Game auch eine Reihe positiver, teils sogar überragender Aspekte. An erster Stelle steht die Action. In bester "GTA"-Manier durchstreift der Spieler rund 20 Schauplätze und quatscht mit allerlei Non-Player-Charakteren. Wie im großen Vorbild ist die Interaktion aber nicht nur auf das Verbale beschränkt … Wo Worte nicht mehr weiterhelfen, setzt der Anti-Held sein Waffenarsenal ein. Angefangen bei Pistole, Maschinengewehr und Pump-Gun bis hin zum allseits beliebten Raketenwerfer - El Gringo Loco greift auf rund 20 Waffentypen zurück. Im späteren Spielverlauf ballert er sogar beidhändig. Die Krönung ist aber das Special-Move-System. Bei "Total Overdose" genügt es nicht, die Feinde einfach nur zu erledigen. Auch Style ist gefragt. Je cooler ein so genannter Loco-Move ist, desto mehr Punkte gibt es.

Total Overdose

Hersteller/Vertrieb

Deadline Games/Eidos

Genre

Action

Plattform

PlayStation2, PC, XBox

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Dass es sich bei "Total Overdose" um einen Multiplattformtitel handelt, ist nicht zu übersehen. Die Texturen wirken nicht immer knackig, einige Animationen hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck und die Optik der Spielcharaktere könnte besser sein. Dennoch: Eidos' Action-Feuerwerk macht richtig Spaß. Schlicht genial ist der Soundtrack, der unter anderem Songs von Delinquent Habits, Molotov und Control Machete umfasst. Ab und an kommt der Spieler sogar in den Genuss echter Mariachi-Klänge …

Artur Hoffmann/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker