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"Wildlife Park 2": Animalische Wünsche

In Deep Silvers "Wildlife Park 2" wollen Tiere und Menschen das volle Spaßprogramm - wie in einem Ferienclub. Ganz schön stressig, wenn man alle zufrieden stellen und dabei noch ein wenig Geld verdienen soll.

Tierische Probleme warten: "Dieser Boden ist mir zu weich", meckert die Schneeziege, während im Gehege nebenan der Panda den ausbleibenden Bambus-Nachschub bemängelt. Das Flusspferd würde jetzt gern etwas schwimmen und der Schimpanse einen Ast zum Klettern haben. Dem Puma ist langweilig - wo bleibt der Tiertrainer für das tägliche Animationsprogramm? Also pflügt der geneigte PC-Spieler den Boden um, legt kleine Seen an, baut Gewächshäuser für die Grünfutterproduktion, stellt Kratzbäume auf und Personal ein, damit die anspruchsvollen Parkbewohner zufrieden sind.

Doch damit nicht genug: Parkbesucherin A hätte gern eine Aussichtsplattform mit Fernrohr. Besucher B wünscht mehr stimmungsvolle Deko zwischen den Gehegen. C möchte nach dem Besuch der Würstchenbude sein kleines Geschäft an einem gut erreichbaren stillen Örtchen verrichten. Und ganz nebenbei stellt man sich die Frage: "Ist mein Park eigentlich noch rentabel? Wie kann ich noch mehr Kohle einfahren, ohne die Besucher zu vergraulen?"

Virtuelle Zoodirektoren in "Wildlife Park 2" haben keine Ruhe. Sie sind ständig unterwegs, um hier ein Gehege zu optimieren, da für besseren Pflanzenwuchs zu sorgen, mit gezielten Marketing-Aktionen mehr Besucher in den Park zu locken, kaufkräftigen Tierfreunden mit überteuerten Imbissbuden das Geld aus der Tasche zu ziehen oder kranken Kreaturen mit dem Tierarzt wieder auf die Sprünge zu helfen.

Die Aufgaben sind einfach, aber vielfältig, doch die Abläufe wiederholen sich zu sehr in den einzelnen Missionen. Und je weitläufiger der Park, desto größer die Hektik, immer überall rechtzeitig zur Stelle zu sein, wo es gerade "brennt". "Wildlife Park 2" bietet einen abwechslungsreichen Missions-Modus mit einem gelungenen Tutorial und ein "freies Spiel", in dem sich der eigene Tierpark ganz nach Herzenslust zusammengeklickt werden kann.

Dem Auge wird viel geboten im "Wildlife Park". Auf den frei drehbaren Karten darf ganz nah ans Geschehen rangezoomt und sogar hautnah miterlebt werden, wie der Tierpfleger mit der Schaufel die Häufchen aus dem Gehege entfernt. Leider reagiert die Steuerung etwas zäh, was besonders beim Platzieren von Gebäuden auffällt. Der Übersicht nicht gerade zuträglich ist das klobige Interface, das mit Textfenstern zur Sprachausgabe und einer Icon-Flut sondergleichen zeitweise knapp ein Drittel des Bildschirms bedeckt. "Wildlife Park 2" lässt sich zwar trotzdem recht intuitiv bedienen, doch weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.

Auf den ersten Blick sieht "Wildlife Park 2" aus wie das optimale Familienspiel, bei dem man getrost auch mal die lieben Kleinen an den Rechner lassen kann. Die Aufgaben an sich sind auch kindgerecht gestaltet, trotzdem werden sich jüngere Spieler mit der Vielzahl an gleichzeitig zu erledigenden Dingen leicht überfordert fühlen. Frust wird sich spätestens dann breit machen, wenn das große Tier-Sterben einsetzt - etwa weil die Kalmare im Magen von Schwertwalen landen oder man dummerweise vergessen hat, das Löwengehege abzusperren.

Wildlife Park 2

Hersteller/Vertrieb

B-Alive/Deep Silver/Koch Media

Genre

Management

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o. A.

"Wildlife Park 2" zeigt sich hier in Sachen Zielgruppe recht unentschlossen: Für Kinder ist es zu schwer, für Simulations-Freaks dank integriertem Lexikon zu leicht. Sowohl von den spielerischen Möglichkeiten her als auch grafisch ist "Wildlife Park 2" dem Microsoft-Konkurrenten "Zoo Tycoon 2" haushoch überlegen. Zudem hat Hersteller Deep Silver für Ende des Jahres bereits das erste Add-on mit neuen Zusatzfeatures angekündigt. Einer langfristigen Karriere als Zoodirektor dürfte also nichts mehr im Wege stehen.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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