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Apple: Neue Notebooks für Macianer

Nach der Vorstellung des überarbeiteten iPhones und aktualisierten iPods präsentiert Steve Jobs auf einem Event neue Notebooks. Wird Apple nun ebenfalls das boomende Segment der Netbooks bedienen oder verzichtet das Unternehmen auf winzige Computer und bleibt seinem Image des Edel-Herstellers treu?

Von Gerd Blank

Am Dienstagabend wird Apple-Chef Steve Jobs neue Produkte vorstellen. Die Veranstaltung steht diesmal unter dem Motto Notebooks. Doch während noch vor einiger Zeit kaum eine Information über neue Hardware an die Öffentlichkeit drang und Apple sogar gerichtlich gegen die Petzen verschiedener Blogs vorging, gelangen inzwischen vor den Events immer mehr Details an die Öffentlichkeit.

Vor gut einem Monat stellte Apple neue iPod-Modelle vor. Die gut informierten Kreise kannten schon vor der Präsentation fast jedes Detail, selbst Bilder des überarbeiteten Nanos tauchten bereits im Vorwege im Internet auf. Apple scheint nichts mehr gegen die Plauderer unternehmen zu wollen. Schließlich sorgen gerade die unzähligen Spekulationen für einen Hype, der unbezahlbar ist. Wo andere Hardware-Hersteller Millionen zahlen müssen, um so viel Aufsehen zu bekommen, braucht Apple lediglich ein paar Gadget-Blogs zu befeuern.

Dass es neue Notebooks geben wird, ist klar. Die derzeit aktuellen Modelle sind bereits seit etwa zwei Jahren fast unverändert im Handel. Die beiden Produktlinien Macbook und Macbook Pro werden angeblich überarbeitet und mit einem besseren und Energie sparenden Display ausgestattet. Eine neue Fertigungsmethode soll zudem ein Gehäuse aus einem Stück Aluminium ermöglichen. Auch gibt es Spekulationen, dass Nvidia den Grafikchip beisteuert - in den Pro-Modellen sollen sogar zwei dieser Chips verbaut sein.

Preis geht runter

Auch über Preise gibt es bereits erste Gerüchte - so soll der Einstiegspreis bei den Apple-Notebooks künftig bei 900 Dollar liegen, etwa 200 Dollar weniger als bisher. Ist dies ein Indiz dafür, dass Apple künftig auch bei den Netbooks mitspielen will? Die beliebten Mini-Notebooks anderer Hersteller mit einer Bilddiagonale von bis zu zehn Zoll haben sich als Verkaufsschlager entpuppt. Und seit Jahren hat Apple keinen eigenen Winzling mehr im Programm.

Ein anderes Gerücht besagt allerdings, dass es sich bei dem 900-Dollar-Gerät nicht um ein Notebook, sondern um ein neues Cinema-Display handelt. Dieses soll dann aussehen wie ein iMac und über eine Diagonale von 22 Zoll verfügen. Außerdem soll dieses Display über einen speziellen Anschluss für die neuen Apple-Notebooks verfügen.

Studentinnen würden Apple kaufen

Also doch kein Billignotebook von Apple? Ein niedriger Einstiegspreis würde den Absatz der Macbooks sicher beflügeln. Eine Umfrage an amerikanischen Universitäten ergab, dass rund 42 Prozent aller Studentinnen sich gerne ein Apple-Notebook kaufen würden. Schon jetzt ist der Anteil der Apple-Nutzer gestiegen. Inzwischen ist auf rund acht Prozent der Rechner, mit denen US-Webseiten angesurft wurden, OSX - also das Apple-Betriebssystem - installiert. Noch vor wenigen Jahren lag der Marktanteil bei höchstens drei Prozent.

Apple hat mit seinen Produkten die normalen Haushalte erreicht und will nun auch den Massenmarkt erobern. Die Ansprache richtet sich nicht mehr nur an die Kreativen in der Werbeindustrie, sondern will die Kreativität in allen Nutzern hervorlocken. Dafür verschenkt das Unternehmen mit jedem verkauften Rechner ein paar Software-Tools, um Bilder, Videos und Musik mit wenig Klicks zu bearbeiten und zu verwalten.

Doch um die Massen zu erreichen, genügt es nicht, gute Produkte zu verkaufen - der Preis muss stimmen. Beim iPhone hat es bereits funktioniert. Während die erste Version des Apple-Handys trotz Vertragsabschluß noch einige Hundert Euro kostete, bekommen Kunden das Nachfolgegerät inzwischen bei Neuverträgen teilweise sogar ohne Zuzahlung. Innerhalb einer Woche konnte Apple durch diese Strategie über eine Million Geräte absetzen. Nun sollen auch Notebooks zum Verkaufsschlager werden. Auch Einsteiger und Gelegenheitsnutzer sollen sich ein Macbook kaufen können und wollen. Natürlich wird Apple aber auch Produkte im Highend-Segment präsentieren, denn das Image der teuren Computer färbt auch auf die günstigen Modelle ab. Doch wenn das günstigste Apple-Notebook etwa zwei bis dreimal so teuer wie ein EeePC ist, dann wird auch weiterhin ein Großteil potenzieller Kunden wohl auch weiterhin vor einem Wechsel von Windows zu OSX zurückschrecken.

Gewollte Info-Lecks

Die Frage bleibt, warum plötzlich so viele Informationen über bevorstehende Apple-Produkte an die Öffentlichkeit gelangen. Apple hat es über Jahre geschafft, Fans bei Laune zu halten. Die im Vergleich zu Mitbewerbern kleine Gruppe von Nutzern hatte ihren Spaß daran, jeden Apple-Event zu verfolgen und jedes neue Produkt zu feiern. Doch der Massenmarkt funktioniert anders als ein paar Nerds. Der Kauf eines neuen Computers ist eine Investition in die Zukunft und wird reiflich überlegt. So viele Informationen wie möglich über die Objekte der Begierde helfen bei der Kaufentscheidung - und das so früh wie möglich. Um auch die neuen Käuferschichten bei Laune zu halten, muss Apple das vermeintliche Info-Leck im Unternehmen akzeptieren - wenn diese nicht sogar von Apple initiiert wurden.

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