HOME

Computeranimation: Klaus Kinskis Auferstehung

Das Enfant terrible unter den deutschen Schauspielern ist zurück. Deutsche Filmschaffende haben Klaus Kinski eine digitale Identität verpasst. Beim Digitalkongress FMX in Stuttgart zeigten sie erstmals den Trailer von Kinskis neuestem - und vorläufig letztem - Film.

Von Jörg Isert

Es sind Worte, die Klaus Kinski nie gesprochen hat: "Was sollen diese ganzen Fragen? Ich verstehe gar nicht, was Sie wollen." Dann meint der Schauspielstar, der ganz schön alt aussieht: "Mein Geheimnis, wie ich es immer wieder schaffe, die Menschen in meinen Bann zu ziehen, das werde ich jetzt nicht ausbreiten hier. Dass die Medien auch immer Lügen über mich verbreiten, ich sei schon tot. Ich tu' es für mich, für sie, für alle. Ich werde nie aufhören." Am Ende des 45-sekündigen Trailers erscheint der Schriftzug "Kinski revisited".

Ist Kinski womöglich noch am Leben? Nein. Der unbekannte Auftritt des 1991 verstorbenen Schauspielers ist eine Re-Animation. Und das ist wörtlich zu nehmen: Der Rentner-Kinski ist computer-animiert, im Werbespot für einen nicht existenten Langfilm. Enstanden ist das kurze, aber umso beeindruckendere Filmchen am Institut für Animation der Filmakademie Baden-Württemberg.

"Kinski war ein sehr ausdrucksstarker und emotionaler Schauspieler. Wir wollten es schaffen, sein Gesicht und Schauspiel digital zu reproduzieren", erzählt Volker Helzle. "Außerdem ging es uns um die Erprobung neuer Software-Tools." Der 34-jährige Projektleiter ist einer von fünf jungen Filmschaffenden, die das Unmögliche möglich machten - im Rahmen der Forschungsprojekte "Künstliche Darsteller" und "Dynamische Echtzeit-Animation". Helzle: "Die Idee war, Klaus Kinski in dem Alter zu erschaffen, in dem er inzwischen wäre - und dann in Filme einzubauen, in denen er mitgespielt hat." Ein ambitioniertes Vorhaben: 81 Jahre wäre die Schauspiellegende heute alt.

Eine Büste altert

Die Arbeiten für die digitale Wiederbelebung begannen im Frühjahr 2006. Die Vorgehensweise: Ein Künstler stellte aus Urethan eine lebensgroße Büste von Kinski her. Als Vorlage dienten Fotos und Filmausschnitte. Mit einer Nadel und Zahnarztwerkzeug kratzte Jan Ptassek dem kantigen Kinski-Kopf Falten ein. Für ein noch echteres Aussehen der Hautoberfläche sorgten Zitronen und ein Sesambrötchen: Mit ihnen wurden den Wangen und der Nase des Modells Poren aufgestempelt. Danach wurde der Urethan-Kopf eingescannt: Dabei tastet ein Laser die Vorlage rundherum ab. Mit den erfassten Informationen wird ein Gitternetz-Modell im Computer erstellt.

Ein Schauspieler sprach die Sätze ein, die Kinski im Trailer an sein Publikum richtet. Nun konnte eine Computeranimatorin mit der Animation des digitalen Gesichts beginnen. Volker Helzle: "Das Problem an Computercharakteren ist, dass sie beim Sprechen den Mund ganz oder gar nicht öffnen." Tatsächlich ist die Bewegung des Mundes beim Menschen aber weitaus komplexer. Manchmal öffnen sie die Lippen nur leicht, manchmal haben sie sie zu zwei Dritteln offen. "Deshalb haben wir ein Programm namens 'Sticky Lips' entwickelt. Auf deutsch bedeutet das 'feuchte Lippen'", so Helzle. "Damit ist sind weitaus genauere Bewegungsabläufe des Mundes möglich." Genauso mussten die Computer-Wizards die Auswirkungen von Mundbewegungen auf andere Bereiche des Gesichts beachten. So kann es beim Lachen zu Falten um die Augen kommen. Auch hier wurde spezielle Software entwickelt, um ein möglich realistisches Ergebnis zu erzielen.

Schichten aus Schweiß und Schatten

Die Farbe und die diversen Schattierungen im menschlichen Gesicht waren schließlich eine besondere Herausforderung. "Wir haben Schweiß auf der Haut, die Reflektionen der Umgebung, Schatten, helle Stellen, dunkle Stellen oder die Hautfarbe", erklärt Regisseur Andreas Krein. "Das alles wird einzeln am Computer gemacht und am Ende übereinander gelegt. Alles in allem hatten wir zwei Dutzend Schichten."

Krein suchte Szenen aus verschiedenen Werner-Herzog-Filmen aus, in denen Klaus Kinski mitgespielt hatte: "Woyzeck", "Fitzcarraldo" oder "Cobra Verde". Über die Ausschnitte mit dem ursprünglichen Gesicht des Schauspielers wurde zuletzt das Computer-Face gelegt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Insgesamt ist der digitale Kinski erstaunlich life-like. Auch wenn die Mundbewegung an wenigen Stellen einen Tick mechanisch ist und die Augen die Herkunft des virtuellen Charakters noch ein wenig verraten. Da sind die deutschen Tüftler aber in bester Gesellschaft: Augen sind auch für die großen US-Effekthäuser oft ein Problem. "Das liegt daran, dass sie sehr komplex sind - und dadurch entsprechend schwer umzusetzen", so Volker Helzle."Es gibt ein paar Sachen, mit denen wir noch nicht hundertprozentig glücklich sind. Aber insgesamt sind wir schon zufrieden - und haben auch ein tolles Feedback."

Darf Kinski nicht in Frieden ruhen

Etwa 100.000 Euro hat das Forschungsprojekt gekostet, das vom Land Baden-Württemberg gefördert wurde. Das "Kinski revisited"-Team hat nun bei Werner Herzog angefragt, ob der Film auch bei anderen - nicht kommerziellen - Anlässen gezeigt werden kann. Die Antwort steht noch aus. Was aber denken die jungen Filmemacher über die ethischen Auswirkungen ihrer Arbeit? "Es kommt immer drauf an, wie man solche Möglichkeiten einsetzt", meint Regisseur Krein. "Für uns war es vor allem ein Technologietest. Solche Versuche können allerdings schon abstoßend wirken. Wir haben aber nicht versucht, Kinski auszubeuten. Ich denke aber, dass die meisten es nicht gut finden würden, wenn man jetzt einen Spielfilm mit einem digitalen Klaus Kinski machen würde."

Zumindest im Filmtrailer ist davon die Rede. Am Ende heißt es: "Klaus Kinski drehte noch viele weitere Filme. Bis zum Jahr 2098. Da wurden seine Daten von einem Computervirus zerstört."

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.