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Ego-Shooter: "Deus Ex: Invisible War"

Ego-Shooter haben nicht den besten Ruf. Computerspiele in der Machart von Quake und Halflife bewegen sich hart an der Grenze zur Verherrlichung von Gewalt. Dass es auch anders geht, zeigt "Deus Ex: Invisible War".

Ego-Shooter haben nicht den besten Ruf. Computerspiele in der Machart von Quake und Halflife bewegen sich hart an der Grenze zur Verherrlichung von Gewalt. Dass es auch anders geht, zeigt "Deus Ex: Invisible War". Das am Freitag dieser Woche erscheinende Spiel, freigegeben ab 16 Jahren, ist ein Ego-Shooter, bei dem man auch ohne wüste Ballerei ans Ziel gelangt.

Der amerikanische Spiel-Designer Warren Spector hat es sich schon beim viel gelobten Vorgänger "Deus Ex" (2000) zur Aufgabe gemacht, den gewohnten linearen Spielablauf immer wieder zu durchbrechen. Auf den Wegen durch eine beklemmende Science-Fiction-Welt im Jahr 2052 kann man als Spieler immer wieder zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen. Dies beschränkt sich nicht auf die auch aus anderen Spielen bekannten Antwort-Alternativen in Dialogen, sondern umfasst auch Entscheidungen zwischen ganz unterschiedlichen Zielvorgaben.

"Die WTO hat die Situation unter Kontrolle"

Soll man im Zentrum von "Upper Seattle", einer auf Pfeilern errichteten Oberstadt, dem Rat der Ordens-Augurin Lin-May Chen folgen, und sich zu einer Turbinenfabrik in "Lower Seattle" begeben? Oder gehorcht man besser den Anweisungen des Kontrollpunkts und vertraut auf dessen Zusicherung: "Die WTO hat die Situation unter Kontrolle"? Diese Anspielung auf die Welthandelsorganisation und ihre gescheiterte Konferenz in Seattle ist nicht der einzige Bezug des Computerspiels zu aktuellen politischen Debatten. Als drittes Ziel fordert die kritische Begleiterin Billie Adams dazu auf, in die Wohnung von Leila Nassif einzudringen, aus deren Sicherheitsakademie "Tarsus" man gerade glücklich entkommen ist.

Bei so vielen Möglichkeiten stimmt es wenigstens zuversichtlich, dass eine der en passant vermittelten Erklärungen zur Spielsteuerung versichert, dass es keinen "falschen Weg" gibt. Es gibt kein Gut und Böse, sondern nur verschiedene Gruppen, die man sich zum Gegner macht oder mit denen man sich verbündet. Der Gang der Handlung wird damit entscheidend vom Spieler bestimmt.

Die eigene Spielgestalt namens Alex D. - wahlweise mit männlicher oder weiblicher Erscheinung - sammelt unterwegs nicht nur zahlreiche Gegenstände und Waffen auf, sondern erwirbt auch die Fähigkeit zu "Biomodifikationen" mit bestimmten Fähigkeiten wie einem lautlosen Schleichen oder der Tarnung vor Kameras. Diese haben nämlich die unangenehme Eigenschaft, automatische Geschütze auszulösen - und wenn man das eigene Blut fließen sieht, dauert es nicht mehr lange bis zur finalen Meldung: "Lebenszeichen erloschen".

"Hightech-Game für Hightech-Spieler"

Da sich das Spiel an jeder Stelle speichern lässt, kann man immer wieder neu versuchen, den feindseligen Roboter doch noch zu überwinden - und sei es dadurch, dass man seine Steuerung neu programmiert. Trotz der aufwendigen Gestaltung als "Hightech-Game für Hightech-Spieler" (Eidos) ist "Deus Ex" relativ schnell gestartet und noch schneller wieder beendet. Damit eignet sich das Action-Spiel auch für alle, die nicht so einfach mal zwei Stunden am Stück am Computer wegtauchen können. Bei kürzeren Spielzeiten dauert es allerdings einige Tage, bis man Seattle den Rücken kehren kann und an andere Orte wie Kairo, London, Trier oder in die Antarktis gelangt. Erfahrene Spieler schätzen die gesamte Spieldauer auf 20 bis 40 Stunden - je nach der persönlichen Gestaltung des Spielverlaufs.

Die detailreiche Grafik liefert mit präzisen Licht-Schatten-Verhältnissen einen realistischen Eindruck. Auch Geräusche beeinflussen das Spiel, das auf einer DVD gespeichert ist. Die Hardware-Voraussetzungen sind nicht zu unterschätzen: Die Grafikkarte sollte mindestens eine GeForce 3TI oder eine ATI Radeon 8500 sein. Beim Prozessor ist eine Taktrate von 1,5 Gigahertz gefordert, der Arbeitsspeicher sollte 512 MB groß sein, und auf der Festplatte werden zwei Gigabyte an Daten abgelegt. Die deutsche Ausgabe trägt schon die Versionsnummer 1.2 - zwei seit Erscheinen der US-Fassung fällige Patches sind da bereits mit enthalten. Das vom Entwicklerstudio Ion Storm erstellte "Deus Ex: Invisible War" ist bei Eidos erschienen und kostet rund 50 Euro. Neben der PC-Fassung gibt es das Spiel auch für die Xbox.

Peter Zschunke/AP

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