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Fälschungssichere EC-Karten: Der Magnetstreifen stirbt langsam

Die vom BKA geforderte Abschaffung der Magnetstreifen auf EC-Karten braucht Zeit. Zwar sind alle 93 Millionen EC-Karten hierzulande mit einem fälschungssicheren Chip ausgerüstet, doch der übernimmt erst nach und nach alle Funktionen des Magnetstreifens.

Im Kampf gegen den Datenklau an Geldautomaten wollen die Sparkassen den Magnetstreifen von EC-Karten (Girocards) nach und nach verbannen. Ab 01. Juli 2011 werden alle EC-Zahlungen etwa im Handel nur noch über den Chip mit Eingabe der persönlichen Geheimzahl abgewickelt. Beim Bezahlen mit Karte und Unterschrift wird der Magnetstreifen allerdings zunächst weiterhin benötigt. Ab 2012 werden dann alle Abhebungen am Geldautomat mittels Girocard ausschließlich per Chip und PIN folgen, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mitteilte. Später sollen auch Geschäfte wie etwa der Ausdruck des Kontoauszugs umgestellt werden.

Der Verband reagierte auf einen Vorstoß des Bundeskriminalamtes (BKA), das wiederholt das Aus der unsicheren Magnetstreifen gefordert hatte. Nur so könne das Ausspähen von Kundendaten am Automaten verhindert werden.

Die Geschäftsbanken legen sich noch nicht auf einen Zeitplan für das Ende der Magnetstreifen fest: Das sei die Entscheidung der einzelnen Institute, sagte ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). "Wir werden beobachten, wie sich das Skimming durch den Chip entwickelt." Derzeit sprächen der Auslandseinsatz und der Einsatz am Auszugsdrucker dafür, an den Streifen auf den Girocards festzuhalten.

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) erklärte, dass seit Jahresbeginn alle 93 Millionen Girocards in Deutschland mit einem Chip ausgestattet sind. "Europaweit gilt damit ein einheitliches technisches System, welches die höchsten Sicherheitsanforderungen erfüllt", teilte der ZKA mit, in dem die fünf Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft zusammengeschlossen sind. Bei betrügerischen Manipulationen erstatte die Kreditwirtschaft den Kunden die Schäden.

Fürs Ausland müssen die Magnetstreifen bleiben

Damit die Karten nach der Umstellung auf die Chiptechnologie weiterhin außerhalb des europäischen Sepa-Raumes ("Single European Payment Area") einsetzbar sind, können die Magnetstreifen aber noch nicht verschwinden, wie der DSGV erklärte: "Im Ausland wird der Magnetstreifen noch häufiger eingesetzt."

Der Chip ist im Gegensatz zum Magnetstreifen nicht kopierbar. Dadurch werde der Missbrauch deutlich erschwert: "Auch für das Bezahlen an den Kassen des Handels in Verbindung mit der Geheimzahl (PIN) wird im Girocard-System nicht mehr der auf der Karte befindliche Magnetstreifen verwendet, sondern Zugriff auf den Chip genommen."

Starke Zunahme von Skimming

Nach früheren Angaben war die Zahl der sogenannten Skimming-Fälle im ersten Halbjahr 2010 dramatisch gestiegen. Das BKA zählte von Januar bis Juni 1927 Attacken an 1073 Geldautomaten - fast so viele im Gesamtjahr 2009. Der Schaden wurde 2009 auf 40 Millionen Euro geschätzt. Beim Skimming manipulieren Kriminelle die Geldautomaten, um an Kartendaten (Magnetstreifendaten) und die Geheimzahl zu kommen.

Bereits im Juli hatte BKA-Präsident Jörg Ziercke gefordert: "Neben dem flächendeckenden Einbau von Anti-Skimming-Modulen in Geldautomaten zeigt sich, dass die Umrüstung der Debitkarten von der Magnetstreifen- auf die fälschungssichere Chiptechnologie alternativlos ist."

Eine Sprecherin sagte, das BKA fordere die Kreditinstitute auf, nur noch Karten mit einem deaktivierten Magnetstreifen auszugeben. Dieser könne auf den ausdrücklichen Wunsch einzelner Kunden im Ausnahmefall für Auslandseinsätze aktiviert werden. Mehrere Banken setzten dieses Verfahren schon in der Praxis ein. Hingegen hätten die Institute einen anderen BKA-Vorschlag abgelehnt: Die Behörde hatte angeregt, Karten ohne Streifen auszugeben. Kunden, die ihre Debitkarten außerhalb Europas einsetzen wollen, hätten dafür eine zweite Karte bekommen.

san/DPA/AFP / DPA
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