HOME

Laptop-Vorfahr "Osborne 1": Elf Kilo geballte Rechen-Schwäche

Er wog elf Kilo, und das ohne Akkus: Mit dem "Osborne 1" kam vor 30 Jahren der erste tragbare Rechner auf den Markt. Der Erfolg des Rechen-Koffers währte nur kurz - und hatte dennoch Rieseneinfluss auf die Computergeschichte.

Er sieht aus wie eine aufklappbarer Plastik-Koffer, hat einen winzigen Fünf-Zoll-Bildschirm und wiegt knapp elf Kilogramm. Was in Zeiten internetfähiger Handys und hauchdünner Hochleistungs-Notebooks eher zum Schmunzeln einlädt, war vor 30 Jahren eine Sensation: Als der "Osborne 1" als erster halbwegs gebrauchsfähiger transportabler Computer im April 1981 in den USA vorgestellt wurde, fand er reißenden Absatz. Es war die Geburtstunde jener Generation tragbarer Rechner, die in den folgenden Jahren allmählich den Alltag eroberten.

Benannt wurde der Osborne 1 nach seinem Entwickler Adam Osborne, einem damals etwa 40-jährigen Elektronikexperten und Buchautoren aus dem US-Bundesstaat Kalifornien. Im März 1980 tat dieser sich mit dem Computerkonstrukteur Lee Felsenstein zusammen und gründete eine eigene Firma. Das Ziel: den ersten bezahlbaren transportablen Rechner bauen und damit den Markt revolutionieren.

"Mobile" Computer gab es zu diesem Zeitpunkt schon, aber die Bezeichnung war bestenfalls theoretisch zutreffend. Die Modelle wogen an die 25 Kilogramm und waren zudem extrem teuer. Erst der Osborne 1 hatte mit seinen nicht einmal halb so hohen Gewicht und einem Preis von 1795 US-Dollar, was nach damaligem Umrechnungskurs 4056 D-Mark entsprach, realistische Absatzchancen. Gedacht war er vor allem für Geschäftsleute - eine besonders zahlungskräftige Zielgruppe.

"Mobil" ist relativ

Wirklich mobil im heutigen Sinn war auch der Osborne 1 noch nicht. Außer seinem noch immer stattlichen Gewicht hatte er das Manko, zur Stromversorgung auf einen Netzstecker oder auf ein externes Batteriepaket angewiesen zu sein. Kräftige Mini-Akkus, wie sie heute üblich sind, gab es noch nicht. Auch die Leistung des Urahns war, rückblickend betrachtet, bescheiden. Sein Prozessor hatte eine Taktfrequenz von vier Megahertz - selbst Standardrechner arbeiten heute mit Bauteilen, deren Rechenleistung locker um das 1000-fache höher ist.

Das klobige Gerät von Osborne und Felsenstein aber leitete eine Entwicklung ein, die nicht mehr zu bremsen war. Bald darauf brachten auch andere Firmen ähnliche Modelle auf den Markt. Seit einigen Jahren ist sogar der überwiegende Teil der neu verkauften Computer tragbar: Zwei Drittel des deutschen PC-Markts (69 Prozent) entfielen nach Angaben des Branchenverbands Bitkom 2010 auf mobile Modelle.

Bildschirm noch mit Röhre

Diesen Durchbruch ermöglichten technischer Fortschritt und sinkende Preise, sagt Jörg Wirtgen, Ressortleiter Mobil bei der Computerzeitschrift "c't". Einen wichtigen Schritt machte die Industrie etwa, als sie die Flachbildschirm-Technik perfektionierte. Das Display von Osborne 1 war noch ein Röhrenbildschirm wie bei alten Fernsehern und Monitoren. Diese Modelle nahmen aber einfach viel zu viel Platz weg, um wirklich kompakte Computer für unterwegs zu entwickeln. Aber auch andere Bauteile wie Festplatten wurden über die Jahre für den Einsatz in tragbaren PC optimiert und gleichzeitig immer billiger.

Insbesondere seit der Jahrtausendwende beschleunigte sich die Entwicklung rasant. 1999 habe "c't" noch Billig-Notebooks "zum Preis von bis zu 3000 D-Mark" getestet, also etwa 1500 Euro, erinnert sich Wirtgen. So viel Geld würde heutzutage niemand mehr für ein Einsteigermodell zahlen. Kleine kompakte Computer für unterwegs, sogenannte Netbooks, gibt es schon für 300 Euro.

Noch heute gibt es den "Osborne"-Effekt

Den Pionieren hinter dem Osborne 1 allerdings blieb der geschäftliche Durchbruch versagt. Nachdem die Verkaufszahlen der Firma zunächst explodierten, folgte der Absturz: 1983 musste Osborne Konkurs anmelden. Der Grund ging als "Osborne-Effekt" in die Wirtschaftsgeschichte ein und hat das Denken in den Chefetagen der Computerindustrie wohl ebenso nachhaltig beeinflusst wie die Technik des ersten tragbaren Computers. Osborne kündigte bald Nachfolgemodelle an, deren Entwicklung sich aber verzögerte. Weil Händler und Verbraucher auf die neue Version warteten, blieb die Firma auf ihren älteren Modellen sitzen. Schließlich ging ihr das Geld aus.

Sebastian Bronst, AFP / AFP
Themen in diesem Artikel