Offener Brief vom Apple-Chef Jobs poltert gegen Adobe

In einem bemerkenswerten Beitrag hat Apple-Chef Jobs erneut gegen die Flash-Technik von Softwarehersteller Adobe gewettert. In sechs Punkten legt Jobs dar, warum Apple die Software ablehnt, über die im Internet die meisten Multimedia-Inhalte abgespielt werden.
Von Andrea Rungg

Nächste Runde im Streit Apple gegen Adobe: In einem offenen Brief hat Apple-Chef Jobs gegen die Flash-Technik von Softwarehersteller Adobe gewettert. Die ersten Zeilen sind noch freundlich. Apple und Adobe hätten eine lange Beziehung gehabt. Der iPhone-Hersteller sei schließlich einer der ersten Kunden von Adobe gewesen. Apple habe sogar in den Softwarehersteller investiert. Einen rund 20prozentigen Anteil habe das Unternehmen viele Jahre an Adobe gehalten. "Es gab viele gute Jahre", schreibt Steve Jobs. "Aber seit dieser goldenen Zeit haben sich die Unternehmen auseinandergelebt". Steve Jobs Worte lesen sich, als beende er gerade eine Ehe wegen unüberbrückbarer Differenzen, wie es häufig heißt.

Und tatsächlich, was dann in seinem Beitrag ("Thoughts on Flash") folgt ist eine Abrechnung mit einem Partner, der den Apple-Chef zutiefst enttäuscht hat. Zuletzt hatte Steve Jobs im Februar 2007 einen ähnlichen Beitrag ("Thoughts on Music") veröffentlicht und darin die Musikbosse harsch für ihr digitales Rechte-Management attackiert.

Nun richtet sich die Abrechnung gegen Adobe. "Adobe behauptet, dass wir ein geschlossenes System haben und das Flash offen ist, aber tatsächlich ist es genau umgekehrt so", verteidigt sich Jobs. Nicht nur Adobe hatte sich zuletzt über Jobs Schimpftiraden und den vehementen Ausschluss der Flashtechnik auf alle mobilen Apple Geräten mokiert. Auch Softwareentwickler und Apple-Anhänger schüttelten zunehmend den Kopf über Jobs Sturheit.

Als Jobs Ende Januar das iPad vorstellte, begann die Diskussion um Apples Schritt von neuem. Viele Websites nutzen Flash, um multimediale Inhalte anzuzeigen. Stützt sich eine Website auf diese Technik, erscheint auf Apples iPhone, dem iPod Touch oder dem iPad ein kleiner blauer Legostein. Der wichtigste Grund für den Verzicht auf Flash sei, dass damit kein Mittler zwischen Apple und Programmentwickler kommen würde, so Jobs. "Wir wissen aus schmerzhafter Erfahrung, dass es die Entwicklung und Verbesserung einer Plattform behindert, wenn sich ein Dritter zwischen Apple und Programmentwickler drängt", schreibt Jobs.

Quälend langsam

Die App-Entwickler seien dann immer von der Technik Dritter abhängig und könnten den Verbesserungen einer Plattform nur folgen, wenn sich auch der Dritte in diese Richtung bewege. "Wir können nicht auf die Gnade der Entscheidung Dritter warten, wann sie unsere Verbesserungen Entwicklern zugänglich machen", ätzt Jobs. Adobe sei in der Vergangenheit quälend langsam gewesen, wenn es darum gegangen sei, Apples Plattform voranzubringen. Der Softwarehersteller sei etwa der letzte große Softwareentwickler gewesen, der Apples Betriebssystem Mac OS X angenommen hätte.

Zugleich wirft Jobs Adobe ein geschlossenes System vor. Ein Vorwurf, der sich zuletzt allerdings häufig gegen Apple richtete. Flash sei ein proprietäres System und würde ausschließlich von Adobe kontrolliert und vertrieben. "Nach fast jeder Definition ist Flash ein geschlossenes System", poltert Jobs. Apple wie Google und andere Unternehmen auch hätten sich stattdessen für offene Standards wie HTML5 entschieden. HTML5 ist ein neuer Programmierstandard.

Dafür gibt es eine App

Jobs verwirft auch den Vorwurf, bei Apple bekämen die Kunden nur das "halbe Internet" zu sehen. "Adobe hat wiederholt gesagt, Apple-Geräte könnten nicht auf das 'vollständige Internet' zugreifen, weil 75 Prozent der Videos im Netz Flash sind", schreibt Jobs. "Was sie nicht sagen ist, dass fast alle diese Videos auch in dem moderneren Format H.264 erhältlich sind, und damit auf iPhones, iPods und iPads angesehen werden können." Und für YouTube gebe es eine eigenen App.

Und der Vorwürfe gegen Adobe noch nicht genug, teilt der Apple-Chef munter weiter aus. Adobes Flash sei schlicht zu unsicher. Die Technik sei Grund Nummer eins, warum die Apple-Laptops Mac abstürzten. Für mobile Geräte habe sich Flash als gänzlich ungeeignet erwiesen und Adobe habe bisher nicht das Gegenteil beweisen können und Apple immer wieder vertröstet. "Wir sind froh, dass wir nicht gewartet haben", frohlockt Jobs.

Wer glaubt Jobs hätte jetzt sein Pulver verschossen, irrt. Schließlich würde Adobes Flashtechnik die Akkuleistung verschlechtern und sie sei nicht für berührungsempfindliche Bildschirme geeignet - sogenannte Touchscreens. Flash sei für die PC-Maus entwickelt worden. Es gebe viele Effekte auf Websites, die erst mit Hilfe der Maus sichtbar würden. Auf Geräten mit Touchscreen seien diese Effekte nicht zugänglich. Viele Flash-Seiten müssten zunächst komplett neu programmiert werden.

Finaler Tiefschlag

Und dann setzt Jobs zum Tiefschlag an. "Vielleicht sollte sich Adobe künftig mehr darauf konzentrieren HTML5 Anwendungen zu programmieren, anstatt Apple dafür zu kritisieren, dass es die Vergangenheit hinter sich lässt", rät Jobs.

Im Klartext: Adobe soll vom Kriech- in den Turbogang schalten. Apples mittlerweile 200.000 Anwendungen im App-Store würden beweisen, dass Flash für zehntausende Entwickler nicht notwendig sei, um aufwendige graphische Programme wie Spiele zu programmieren.

FTD

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