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Regina Halmich: "Niemand soll meine Schuhe anziehen"

Seit Juni 1995 Weltmeisterin, 40 Titelverteidigungen: Regina Halmich lebt für den Boxsport. In der Freizeit schaltet sie vor dem PC ab. Im stern.de-Interview spricht sie über ihre Lieblingsspiele, das Comeback von Henry Maske und über ihre Ziele.

Frau Halmich, spielen Sie Videogames?

Ja klar. Ich bin eine Spielerin. Ich mache das gerne in meiner Freizeit, nicht zu viel. Aber gelegentlich finde ich das ganz entspannend.

Und welche Art von Spielen mögen Sie am liebsten?

Ich spiele ganz verschiedene Games. So zum Beispiel das "Wer wird Millionär"-Spiel. Gerne spiele ich aber auch Strategie- oder Denkspiele. Typische PC-Spiele. Eine Spielkonsole besitze ich dagegen nicht.

Was fasziniert Sie an Ihren Lieblingsspielen?

Das ganz genau zu definieren, fällt mir nicht leicht. Es hängt in erster Linie von meiner Laune ab, was mich an einem Spiel gerade am meisten fasziniert. Es gibt Tage, da mag ich es lieber ruhiger und nachdenklicher vor dem PC. An anderen Tagen spiele ich dann auch gerne mal ein actionreiches Spiel, in dem es ausschließlich auf Reaktion ankommt. Solche Spiele mag ich auch sehr gerne.

Ihre Figur taucht in verschiedenen Computerspielen auf. Beispielsweise in einigen Teilen der "Knockout Kings"-Reihe von Electronic Arts oder aktuell in "Regina Halmichs Boxmanager". Waren Sie in irgendeiner Form an der Entwicklung der Spiele beteiligt?

Das war eine super interessante Zeit für mich. Und ja - zu gewissen Teilen war ich sogar involviert in die Entwicklung. Bei der konzeptionellen Erstellung der Managersimulation beispielsweise haben sich die Entwickler mit mir abgestimmt. Einzelne Programmteile habe ich mir im Verlauf der Entwicklung immer mal wieder angeschaut und diese sozusagen abgesegnet. Die grundsätzlichen Ideen stammen aber alle von den Spiel-Designern.

Was fühlen Sie, wenn sie Ihren digitalen Charakter auf dem Bildschirm sehen beziehungsweise ihn sogar in einigen Spiel steuern?

Das finde ich lustig. Habe immer mal wieder gerne meinen eigenen virtuelle Figur gesteuert. Das mir schon sehr gut gefallen. (lacht)

Sportwettkämpfe werden bereits seit einiger Zeit auch virtuell am PC oder an der Konsole ausgetragen. Glauben Sie, dass solche Turniere einmal einen ähnlichen Stellenwert haben werden wie der reale Wettstreit?

Ja, klar. Das ist mit Sicherheit sehr interessant und könnte in Zukunft auch ein größeres Medieninteresse hervorrufen. Vor allem, wenn es um höhere Geldbeträge geht.

Boxen ist ein harter Sport. Wie sind Sie dazu gekommen, diesen Sport professionell auszuüben?

Ich musste schon immer etwas Power im Alltag haben. Als Kind habe ich daher Judo, Karate, Kickboxen und viele weitere Kampfsportarten trainiert. Irgendwie bin ich dann beim Boxen hängen geblieben. Darin hatte ich das größte Talent. Und das war letztlich keine schlechte Sache. (lacht)

Sie haben Ihren Abschied angekündigt, Sie werden noch etwa ein Jahr boxen. Könnten Sie sich auch einen Rücktritt vom Rücktritt vorstellen? Beispielsweise in zehn Jahren?

Ich würde niemals nie sagen. Aber vom momentanen Standpunkt aus gesehen, würde ich mir wünschen, dass ich das nicht machen werde. Es müsste wirklich schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass ich nach meinem Rücktritt noch mal in den Ring steige. Nein, nein. Wenn ich länger darüber nachdenke - ich kann es mir wirklich nicht vorstellen. Zumal mir nach sechs, acht oder zehn Jahren auch der Mut dazu fehlen würde, glaube ich.

Also halten Sie es auch für keine gute Entscheidung, dass Henry Maske im Frühjahr nach zehn Jahren Pause wieder in den Ring steigt?

Ich wünsche ihm wirklich sehr viel Glück für sein Comeback. Aber ich bin offen gesprochen skeptisch und sehe die Geschichte im Großen und Ganzen sehr kritisch. Er hat wirklich viel zu verlieren. Aber ich verurteile das nicht, wie dies so viele Fachleute derzeit tun. Das finde ich nicht richtig.

Was waren für Sie die größten Momente in Ihrer Laufbahn?

Der Gewinn der Weltmeisterschaft war der allergrößte Moment in meinem Sportlerleben. Wenn man diesen Erfolg zum ersten Mal in seiner Karriere erreicht, ist das wirklich ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Daran denke ich oft zurück. Aber im Prinzip schreibt jeder Kampf seine eigene Geschichte. Ich kann mich wirklich noch an jede Szene erinnern.

Und nahezu alle Erinnerungen werden positiv sein, oder? Schließlich haben Sie erst einmal in Ihrer Laufbahn verloren. Haben Sie eigentlich noch Angst vor einer Niederlage?

Oh ja, die habe ich. Man sieht, dass ich nicht unantastbar bin, denn vor gut anderthalb Jahre hätte ich gegen Elena Reid fast verloren. Der Kampf ging letztlich unentschieden aus. Den Rückkampf habe ich dann klar für mich entscheiden können.

Ich bereite mich noch immer so intensiv auf einen Kampf vor, als wäre es mein erster Weltmeisterschafts-Fight. Ich glaube, dass dies auch das Geheimnis meines Erfolges ist. Bei mir gibt's keine freie Zeit. Kein Weihnachten, kein Neujahr. Und keine Wochenenden. Man muss wirklich dafür leben, hart malochen und viel entbehren. Die meisten Leute sehen dies alles nicht. Sie sehen nur das tolle Endergebnis. Den Glitzer und den Glanz. Die Arbeit, die dahinter steckt, jedoch nicht.

Was passiert im deutschen Frauenboxen nach der Ära Halmich?

Es wird weitergehen. Da kommt beispielsweise eine Ina Menzer oder eine Alesia Graf. Aber niemand soll meine Schuhe anziehen. Meine Schuhe werden vermutlich am Anfang ohnehin zu groß sein für jede andere. Aber sie werden eigene Schuhe tragen. Und das ist auch gut so. Ich bin mir sicher, dass da was Vernünftiges nachwächst.

Was sind Ihre Ziele für die Zeit nach Beendigung Ihrer Karriere?

Kurzfristig ist es mein Ziel, ungeschlagen abzutreten. Dafür arbeite ich wirklich sehr hart. Und nach meiner aktiven Laufbahn würde ich sehr gerne moderieren. Boxkämpfe beispielsweise. Oder in den Bereichen Lifestyle und Mode. Da bin ich ganz offen. Ich interessiere mich für viele Dinge.

Interview: Udo Lewalter



Audiodatei: Auszug aus dem Interview mit Regina Halmich