Natascha Ochsenknecht ist bekannt für Klartext. Nun greift sie zum Podcast-Mikrofon und spricht zum Start überraschend intim mit Ricarda Lang über weibliche Klischees.
Man könnte behaupten, auf dem deutschen Podcast-Markt sei nun wirklich alles gesagt. Doch ausgerechnet unsere heimischen Kardashians, die Ochsenknechts – sonst omnipräsent – hatten bislang keinen eigenen Podcast. Bis jetzt.
Natascha Ochsenknecht oder die "Mutter der Nation", wie ihr Manager Binh Nguyen sie nennt, hat am Donnerstagabend ihren Podcast "Wondermom" in Berlin gelauncht. Zu diesem Anlass versammelten sich Schauspieler wie Isabell Horn, Reality-TV-Stars wie Gina Beckmann, Models wie Klaudia Giez, Modedesignerin Marina Hoermanseder, die ehemalige Box-Weltmeisterin Regina Halmich sowie zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter der Medienbranche in einem Berliner Hinterhof.
Eva Bloss, David Tomaszewski und Marina Hoermanseder genießen sichtlich das Launch-Event
Der Weg dorthin führt über zentimeterdicke Eisschichten – die Gehwege der Hauptstadt gleichen derzeit eher einer Schlittschuhbahn. Durch einen dunklen, grafittibeschmierten Gang gelangt man in einen Hinterhof: roh, dunkel – typischer Berlin-Vibe. Am Ende eines weiteren Durchgangs leuchtet ein roter Neonkreis, wie der Eintritt in eine andere Welt. An die Wand gesprayt steht eine Botschaft: "Jeder weiß, wie er heißt, wie viele wissen, wer sie sind?"
Natascha Ochsenknecht baute sich ihr eigenes Imperium auf
Natascha Ochsenknecht weiß, wer sie ist. Einst Model, wurde sie deutschlandweit bekannt durch ihre Ehe mit Schauspieler Uwe Ochsenknecht. Drei Kinder, Hausfrau, Ehe-Aus im Jahr 2009. Viele wären danach vermutlich in der Versenkung verschwunden. Nicht Natascha. In den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten baute sie sich ihr eigenes Imperium auf, war allgegenwärtig im Fernsehen, schuf mit "Diese Ochsenknechts" ein eigenes Reality-TV-Format – und nun also einen Podcast.
Im abgerockten Treppenhaus der Location weht ein eisiger Wind, der Bass dröhnt, ein Hauch Apokalypse liegt in der Luft. Je höher man steigt, desto lauter werden die Stimmen. Dann öffnet sich eine Tür – und ein großes Plakat der Gastgeberin in chromeglänzendem Korsett springt einem entgegen, kurz bevor sie es selbst tut und die Gäste auf herzliche Art begrüßt.
Regina Halmich (r.) übernimmt die Anmorderation für Gastgeberin Natascha Ochsenknecht
Auf dem Event wird Ochsenknecht gefragt, was man in ihrem Podcast Neues erwarten könne. Ihre Antwort: "Ganz ehrlich, es geht um nichts. Der Podcast hat keinen roten Faden, ich rede frei Schnauze, stelle meine Fragen, bin gut vorbereitet."
Am nächsten Tag habe sie einen Pathologen zu Gast, erzählt sie, und sich bereits tagelang vorbereitet. Die Bandbreite ihrer Gesprächspartner ist groß: vom besagten Pathologen, der sich mit Verstorbenen befasst, über Ricarda Lang, die sich mit sterbender Politik auseinandersetzt, bis hin zu leichteren Themen – ein Gespräch über das Reden mit Hunden mit Model Betty Taube oder eine intensive Unterhaltung über Fußfetischisten. Bunt und mitten aus dem Leben. "Ich habe keine Angst vor Menschen." Doch was erwartet die Zuhörer? "Seriös, witzig, schlampig, peinlich, ordinär", sagt sie – Ochsenknecht-Style eben.
Von diesem Style bleibt nicht einmal der Bundeskanzler verschont. Kürzlich traf Natascha Ochsenknecht im Bundestag zufällig Friedrich Merz. Auf der Treppe rief sie ihm hinterher: "Hey, wir sind uns schon mal begegnet", worauf er entgegnete: "Das stimmt." Sie beschreibt die Szene schmunzelnd mit den Worten: "Der hatte Charme da auf der Treppe."
An der Treppe des fabrikähnlichen Event-Gebäudes oben angekommen, hängen ausgestopfte Vögel an den Wänden und beobachten die bunte Mischung der Gäste beim Socializen. Natascha fliegt umher, will allen gerecht werden, zeigt keine Berührungsängste.
Nach der Begrüßung werden Ausschnitte aus dem neuen Podcast vorgespielt. In der Debütfolge trifft Natascha Ochsenknecht auf Ricarda Lang. Zusammengebracht hat die beiden eine nahezu identische Frisur – darauf von der Social-Media-Welt aufmerksam gemacht, kamen sie ins Gespräch. Wie in einer typischen Frauenunterhaltung wechseln die Themen rasant: vom Haarpony zur politischen Motivation. Mit 18 Jahren begann demnach Langs Interesse an Politik, als ihre Mutter durch die Schließung eines Frauenhauses ihren Job verlor. Sie sei wütend gewesen, erzählt die Grünen-Politikerin. Ihre Tante habe damals zu ihr gesagt: "Vielleicht musst du ja nicht bei der Wut stehen bleiben." Ein Schlüsselmoment, der sie in die Politik geführt habe.
Die ähnliche Frisur brachte Natascha Ochsenknecht (l.) und Ricarda Lang zusammen
Ein wilder Ritt mit Ricarda Lang von Mode bis zur Politik
Ebenso schnell geht es zurück zu weiblichen Themen – Mode und Politik. Natascha Ochsenknecht spricht ein Klischee an: "In der Politik gibt es keinen Geschmack, die sind nicht gut angezogen, wie laufen die rum?" Lang vermutet, dass Frauen so neu in der Politik waren, dass sie nicht mit ihrer Weiblichkeit auffallen wollten. Die neue Generation von Politikerinnen halte damit ihrer Meinung nach nicht mehr "hinter dem Berg".
Lang spricht auch über die Vorurteile, mit denen Frauen im politischen Umfeld häufig konfrontiert seien: "Ist die nur da, weil irgendein Mann sie gut findet?" Ihr Fazit bricht förmlich aus ihr heraus: "Du kannst es als Frau ja niemandem recht machen." Sie ergänzt: "Also wenn du dich etwas zurückhaltender, konservativer anziehst, dann bist du ein Mauerblümchen, wenn du dich eher weiblicher anziehst, dann nutzt du deine Weiblichkeit aus, wenn du eher knallige Farben anhast, dann bist du eher aufmerksamkeitsgeil, wenn du das nicht hast, dann bist du ein Mütterchen und das ist ja nicht nur bei den Outfits so."
Doch die Analyse von Ricarda Lang geht über die Optik von Frauen hinaus: "Wenn du meinungsstark bist, dann bist du eine Zicke, wenn zu zurückhaltend bist, dann bist du nicht durchsetzungsstark, wenn du lustig bist, dann kann man dich nicht ernst nehmen, aber wenn du keine Witze machst, dann regen sich die Leute auf, dass Frauen ja auch gar keinen Humor haben. Wenn du ein eher lockerer Typ bist, dann wirst du nicht ernst genug, wenn du ein ernster Typ bist, dann bist du zu unentspannt und wenn du mal eine starke Meinung vertrittst, dann bist du im Zweifelsfall hysterisch, wohingegen ein Mann durchsetzungsstark und stark wäre. Da hab ich mir irgendwann gedacht: Wenn ich es eh niemandem recht machen kann, muss ich es auch gar nicht probieren."
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Kaum zu glauben, dass selbst Natascha Ochsenknecht hier minutenlang nicht zu Wort kommt. Zum Launch-Event erscheint Lang trotz vorheriger Ankündigung leider nicht – ihr Outfit und ihre Art hätten nach dieser Rede durchaus interessiert. Nach ihrem Rücktritt als Grünen-Chefin, verrät sie im Podcast, habe sie sich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich verändert. Sie zeige mehr Humor, mehr Persönlichkeit, sei schlagfertiger und ehrlicher geworden. Gleichzeitig werde sie seit ihrem Gewichtsverlust im Alltag, etwa in der U-Bahn, freundlicher behandelt und begegne dem ungerechten Klischee "dicke Menschen sind faul" nicht mehr.
Die erste Staffel des Podcast verspricht viel: ein bunter Blumenstrauß aus prominenten Gästen, Freunden, medial bislang unbekannten Menschen – und einer Gastgeberin, die sagt: "Ich rede auch mit Schafen. Wenn ich in den Stall gehe, die gucken mich an, ich kann ja dann nicht schweigen." Schweigen konnte Natascha Ochsenknecht noch nie. Jetzt hat sie dafür auch eine Plattform: "Wondermom".