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SCHEIBE: Big Mama Microsoft

Das frisch installierte Windows XP erweckt ein ganz neues Gefühl in mir: Ich fühl' mich so mütterlich umsorgt. Endlich ist jemand da, der meine Probleme ernst nimmt und versucht, Lösungen zu finden. Ich wäre allerdings gerne gefragt worden, ob mir das auch recht ist.

Das frisch installierte Windows XP erweckt ein ganz neues Gefühl in mir: Ich fühl' mich so mütterlich umsorgt. Endlich ist jemand da, der meine Probleme ernst nimmt und versucht, Lösungen zu finden. Noch schöner wäre es allerdings, wenn man mich vorher gefragt hätte, ob mir das auch recht ist.

Dann kommt Tante Bill...

Ständige Abstürze, veraltete Treiber, eine überlastete Registry: Das ist dem Rechner doch alles ganz egal. Bislang war der Computer stets der Feind. Der schien insgeheim noch zu grinsen, wenn der wertvolle Text ungesichert im Absturz verdampfte oder das System einfach das neue ZIP-Laufwerk nicht akzeptieren wollte. Wie sagte Buchautor Dieter Grönling ebenso passend wie resigniert auf irgendeiner CeBIT-Party: »Ich habe aufgehört, an das Gute in der Maschine zu glauben.« Recht hat er. Doch kaum haben wir uns mit dem Gedanken abgefunden, dass der Computer eine kaltherzige Maschine ist, die keinen Fehler verzeiht und nur dem auf Dauer beisteht, der das Wort »Backup« richtig buchstabieren kann, da kommt plötzlich Tante Bill Gates vorbei, kneift uns freundlich in die Wange und schenkt uns Windows XP. Natürlich nicht wirklich, denn wir müssen ja auch noch viel Geld dafür bezahlen.

Windows XP verbreitet so ein warmes, mütterliches Gefühl auf der Festplatte. Es ist ja alles nur zum Besten des Anwenders. Ehrlich. Auch die Registrierung gleich nach der Installation des neuen Betriebssystems ist nur im Sinne des Benutzers. Endlich weiß Microsoft ganz genau um die Existenz all seiner Schäfchen. Jeden einzelnen Anwender kennt die große Firma beim Namen. Das ist nicht Big Brother, sondern Big Mama. Endlich gibt es auch prompte Hilfe bei kleinen Problemen im täglichen Leben. Stürzt ein Programm ab oder versagt irgendeine Funktion den Dienst, dann möchte Windows XP den Sachverhalt am liebsten gleich an Microsoft weiterfunken. Eine Dialogbox fragt auch noch: Oh bitte, darf ich? Aber natürlich können wir uns diesem Wunsch nicht auf Dauer verweigern. Schon gehen alle unsere Fehler und Problemchen über die Leitung nach Redmond. Lange warten wir auf Antwort, aber die kommt leider nicht. Microsoft sammelt die Probleme nämlich nur, löst sie aber nicht. Vielleicht in der nächsten Version. Vielleicht sollte ich das mit dem Probleme-weitersenden auch besser ganz sein lassen. Irgendwie komme ich mir vor wie ein Pennäler auf dem Pausenhof: »Ene-mene-mätze, du bist ne alte Petze.«

Datenerhebung - natürlich im Sinne des Nutzers

Doch Big Mama Microsoft passt auf ihre Lieben auf wie die vorsichtige Mutter, die observiert, was ihre Kleinen so auf dem Spielplatz treiben. Ärgern sie etwa die anderen Kinder auf dem Hof, die Söhne und Töchter der großen Plattenfirmenmanager? Wie anders ist der Umstand zu verstehen, dass Microsofts Windows Media Player 8 heimlich Listen der vom Anwender abgespielten Songs und Videos speichert und diese via Internet an die Zentrale übermittelt. Natürlich geschieht diese Datenerhebung auch wieder nur im Dienste des Anwender: So soll verhindert werden, dass der Benutzer sich aus Versehen einen Titel doppelt aus dem Internet herunterlädt. Ach, es ist so schön, dass sich jemand darum sorgt, dass ich vielleicht einen Arbeitsschritt völlig vergeblich ausführe. Bald steht Big Mama Bill wohl auch in meiner Tür und wischt mir mit Spucke die Marmeladenreste des Frühstücks von der Backe.

Wo soll das hinführen? Ich muss an meine Kolumnen denken. Wird sich Windows XP wohl bald einmischen mit dem Wunsch, einen hämischen Kommentar über Word XP gleich an das Beschwerdebüro in Redmond weiterzuleiten? Und was passiert beim nächsten Handkantenschlag gegen das Rechnergehäuse – im Bestreben, das DVD-Laufwerke zu leiseren Umdrehungen zu verleiten? Dann erscheint sicherlich die Meldung: »Sie haben soeben ihren Rechner geschlagen. Ich muss das leider melden.« Immerhin: Eine Mutter kann auch verzeihen. Was ist aber, wenn sie mir virtuellen Stubenarrest erteilt und ich zwei Wochen gezwungen werde, mit dem miserablen Original-Dateimanager von Windows zu arbeiten anstatt mit meinem WinAce Archiver? Ich beginne zu bibbern und zu zittern und lade damit eine neue Fehlermeldung: »Die Maus wackelt unkontrolliert. Soll das Microsoft gemeldet werden?«

Alter Trick: Kaugummi ins Schlüsselloch

Ich werde panisch und befürchte, das Microsoft bald auch »netterweise« meine Mails Korrektur liest, meine Erotikbilder zensiert und darauf achtet, dass ich keine Raubkopien aus einer Tauschbörse beziehe. Wie schütze ich mich aber vor der digitalen Glucke? Klarer Fall: Ziehen wir doch einfach den Stecker aus der Leitung und verzichten fortan auf das Internet. Ohne seine Kabel kann auch Microsoft nicht mehr in meine Wohnung hineinspionieren. Das ist keine andere Methode als der dicke Kaugummi, den wir als Kinder immer ins Türschloss unseres Zimmers geklebt haben, um einmal wirklich unsere Ruhe vor den Erwachsenen zu haben. Big Mamas können nämlich auch ganz schön nerven.

Carsten Scheibe

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.