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SCHEIBE: Fromme Wünsche an den Weihnachtsmann

Letztens erzählte mir jemand etwas vom Computer-Weihnachtsmann, der sich nur um uns Nerds kümmert. Ich hätte da einige feine Wünsche an den Weihnachtsmann.

Bald ist Weihnachten. Wir Erwachsenen schenken uns eigentlich nichts mehr und schauen dafür lieber in leuchtende Kinderaugen. Letztens erzählte mir jemand etwas vom Computer-Weihnachtsmann, der sich nur um uns Nerds kümmert. Natürlich weiß ich, dass es sich dabei nur um Bill Gates handeln kann. Trotzdem hätte ich einige feine Wünsche an den Weihnachtsmann.

Weg mit der Eurobox

Noch immer werden die meisten Computerprogramme in der Eurobox ausgeliefert. Jawohl, das ist der riesige Karton in den Ausmaßen eines Brockhaus-Lexikons. Das Kuriose ist, dass diese riesige Schachtel eigentlich nur Luft enthält – und eine kleine CD-ROM, die so in ein zusätzliches Pappgeflecht gestopft ist, dass sie im leeren Raum nicht herumschlackert. Das würde ein wenig verkaufsförderliches Geräusch machen. Zuhause im Büro reichen wenige Kartons bereits aus, um das Software-Regal zu füllen. Also wirft man die Kartons weg und hebt nur noch die Silberlinge auf. Was für eine Verschwendung. Es wird Zeit, dass sich die DVD-Schachtel endgültig durchsetzt.

Wo bleibt die »Gala« für Nerds?

Ich bin klatschsüchtig und immer auf der Suche nach dem neuesten Tratsch. Doch wo bleiben die »Bunte« oder »Gala« der Computerbranche? Ich will endlich Woche für Woche wissen, welchen Typ Unterhosen Bill Gates trägt, ob Steve Jobs eine heiße Affäre hat oder ob der Chef von Nokia eigentlich Skifahren geht. Ein wenig Glamour und Paparazzi würden der gebeutelten Branche ganz gut tun. Und Skandale gibt es doch sicherlich genug...

Oft muss ich bei Recherchen Texte aus einer Help-Datei kopieren. Dabei geht mir tierisch auf die Nerven, dass fast jeder Programmierer automatisch den folgenden Text mit in die Zwischenablage stellt: »Diese Passage stammt aus der Hilfedatei von XXX. Das Copyright liegt bei YYY. Jede illegale Verwendung ist strafbar.« Natürlich ist der Text der Hilfedatei oft das einzige Epos von Wert, das viele Entwickler in ihrem gesamten Leben schreiben werden. Trotzdem stört es mich, wenn ich derart überflüssige Warntexte gleich im Dutzend löschen muss.

Warum ist der Rechner nie gut genug?

Gerade habe ich Word XP auf meinem Rechner installiert. Das ist ein Pentium III mit 4-Gigabyte-Festplatte und über hundert Megabyte Arbeitsspeicher. Trotzdem rödelt das Programm endlos auf der Festplatte herum und benötigt quälend lange Minuten für den Start. Ist es denn so schwer, Software zu programmieren, die auf einem modernen Computer nicht wie ein asthmatischer Rentner auftritt, sondern sofort präsent ist und mit der Performance ackert, die man von einem so teuren Programm eigentlich fordern kann? Das ständige Warten auf Godot würde ich gerne abstellen.

Wenn doch alle ein bisschen PC-Wissen hätten...

Mein Vorschlag: Wir bauen eine kleine Berufsarmee auf. Dann werden die Heranwachsenden nicht mehr zur Grundausbildung an der Waffe eingezogen, sondern wandern gleich ins waffenlose Basiscamp PC. Hier bekommen sie stattdessen beigebracht, wie herum man CDs ins Laufwerk legt, was ein Bildschirmschoner ist und wie sich Programme im Internet registrieren lassen. Der Erfolg dieser Bemühungen wäre, dass alle Menschen computertechnisch auf einem gemeinsamen Minimal-Level stehen, auf dem man dann aufbauen kann. Wie sonst soll man einem PC-Anwender die Bedienung von Word XP erklären, wenn der bereits nach dem ersten Satz nachfragt, was denn eigentlich ein Mauscursor ist.

Ein frommer Wunsch: Die Kabel müssen weg. Von meinem PC aus wandern graue, schwarze und weiße Kabel in alle Richtungen. Sie verbinden den Drucker, die Boxen, den PDA, die Tastatur und die Maus mit dem Rechner. Nach ein paar Monaten haben sich die Kabel so sehr gegenseitig durchdrungen, dass es unmöglich ist, einzelne Stecker zu ziehen. Wie schön wäre es, wenn sich alle Peripheriegeräte kabellos über Funk oder Infrarot ansprechen ließen. Alle Kabel könnten in den Müll wandern. Wenn nicht das, dann dieses: Wir fordern das allgemeingültige Universalkabel mit einem genormten Klinkenstecker für alle Geräte. Denn nichts ist in Deutschland teurer als ein Kabel mit Spezialsteckern an beiden Seiten.

Ästhetik und PC-Gehäuse müssen kein Widerspruch sein

Mein Computer sieht echt doof aus. Eine riesige Kiste auf dem Tisch, in rauchgraues Plastik gehüllt. Mein Gott: Jeder HiFi-Anlagen-Hersteller beauftragt ein Design-Team, um die Geräte chic aussehen zu lassen. Warum ist das nicht auch am PC möglich? Die hässlichen Röhrenmonitore werden ja auch gerade gegen die hübschen Flachbildschirme eingetauscht, die zunehmend preiswerter werden. Warum macht man nicht aus den Tower-Gehäusen schöne schwarze Boxen, die mit blinkenden LCD-Anzeigen und dicken Knöpfen und Drehrädchen auffallen. Die könnte man unter den Monitor stellen – fertig. Einen Kabelsalat darf es dann natürlich nicht mehr geben.

Micropay-System gibt's schon längst

Im Internet ist das große Heulen angesagt. Die schiere Masse der Besucher zählt nichts mehr, weil es für Werbeeinblendungen kaum noch Geld gibt. In der Folge sterben die großen Web-Portale schneller, als man sie noch einmal besuchen kann. Die armen Konzerne und Investoren! Was wir brauchen, sind Micropay-Systeme. Optimal ist das von der Telekom inzwischen beerdigte BTX-Konzept. Jeder Besucher einer Web-Seite zahlt dafür zwischen 1 und 10 Pfennig Gebühren, die ganz bequem und automatisch über die Telefonleitung eingezogen werden. Die paar Pfennige zahlt man für brandaktuelle Nachrichten, heiße Erotikbilder oder den Zugriff auf ein Download-System sicherlich ganz gerne.

Neulich war es wieder einmal so weit. Meine Maus wanderte nach einem halben Jahr der Benutzung in den Müll. Auf den Andruckrollen der Gummikugel hatte sich so viel Dreck abgelagert, dass die Kugel ständig hakte. In der Folge musste ich die absonderlichsten akrobatischen Übungen vollführen, um den Mauszeiger doch noch irgendwie von A nach B über den Schirm zu bewegen. Langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Mäusereinigung zeigen, dass alle Rettungsversuche das quälende Ende nur herauszögern. Nach nunmehr zehn Jahren des regelmäßigen Mäusetodes habe ich jetzt eine optische Maus eingekauft, die keine Kugel mehr aufweist. Ätsch.

Carsten Scheibe

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