Scheibes Kolumne Frauen-PCs müssen glitzern!


stern.de-Kolumnist Scheibe berauscht sich an der kühlen Eleganz technischer Geräte. Kabelloser Datenaustausch, Klavierlack-Politur und Understatement im Design: das macht ihn an. Für Frauen ist das langweilig. Sie ziehen ihren Handys Pullover an und kleben Funkelsteine auf das Notebook. Nur mit Glitzer macht ihnen Technik Spaß.

Darf man ein MacBook von Apple verschandeln? Aber klar, meint meine Freundin Susanne und klebt glitzernde Strasssteine auf den Deckel des Notebooks. Hier formen sie schon von weitem ein neckisches Motiv und zeigen so: Dieses Rechengerät gehört einer Frau.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass hier nicht auch noch Lametta aus den Laufwerken hängt und kleine Lämpchen aufblinken, sobald eine neue E-Mail eingeht. Susannes Handy sieht nämlich inzwischen gar nicht mehr aus wie ein Handy. Unzählige Aufkleber sind auf das Gehäuse gebeppt worden. Darüber kleben inzwischen mehrere Lagen Glitzersteine und am Rand hängt auch noch allerlei Gebamsel herunter: Handy-Schnickschnack, der auf Weihnachtsmärkten und auf der Kirmes zu Kilopreisen verramscht wird. Damit das ganze Glitzerzeug nicht vom Handy abfällt, gibt's auch noch ein Pullöverchen, das dem Handy angezogen wird.

"Kannst du denn damit noch telefonieren?", frage ich.

"Das lass mal meine Sorge sein", kriege ich eine schnippische Antwort. Vielleicht bastelt Susanne ja auch nur an einer ganz besonders tückischen Mordwaffe. Durch die vielen Steinchen ist das Handy nämlich so schwer geworden, dass es als tödliches Wurfinstrument zu verwenden ist. Ich sehe die Ermittler von CSI Berlin förmlich vor mir, wie sie mit spitzer Pinzette Glitzersteine aus der Kopfwunde eines Verstorbenen holen und sich fragend ansehen.

Kein Respekt vorm MP3-Player

Auch vor ihrem MP3-Player zeigt sie keinen Respekt. Auf dem Gerät ist das Display ebenfalls mit Glitzersteinen eingefasst. Außerdem steckt der kleine Krachmacher immer in einer flauschigen grünen Fusselsocke, die man sich an einer Kette um den Hals hängen kann. Damit es der Player immer schön warm hat, sagt Susanne. Ich sage, sie hat einen echten Knall.

"Wenn der Designer-Herrgott gewollt hätte, dass Handys, Notebooks und MP3-Player glitzern, dann hätte er die Geräte doch gleich so erfunden. Ich dachte, extra für euch Frauen ist der Klavierlack entwickelt wurden. Auf dem kann man doch ständig herumputzen, damit er schön glänzt."

Susanne streckt mir die Zunge heraus und deutet einen Tritt an. Sie ist anscheinend gut gelaunt, denn sonst landet der Trick eigentlich immer in meinem Hintern. Sie meint: "Ihr Männer seid echt beschränkt. Wie kann man sich denn so mit den Dingen zufriedengeben, wie sie seelenlos die Fabrik verlassen? Erst durch persönliche Verzierung gehen sie doch wirklich und endgültig in meinen Besitz über. Das ist wie mit dem Auto. Ohne bunte Aufkleber auf der Rückseite und vielen bunten Stofftieren auf dem Armaturenbrett ist das doch gar nicht vollständig."

Ich verdrehe die Augen. Da geht der Unfug ja gleich weiter. Susanne verschwindet in der Küche, um Gläser und Getränke zu holen. Ich nutze die Zeit, um einen kleinen Funkelstein von ihrem MacBook zu kratzen. Gleich fühle ich mich viel besser. Steve Jobs, das hab' ich nur für dich getan. Wenn du gewollt hättest, dass Kristalle auf dem Notebook-Deckel glitzern, dann wären sie ab Werk dabei.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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