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Scheibes Kolumne: Todesanzeige fürs ZIP-Format

stern.de-Mitarbeiter Scheibe nimmt die virtuelle Mütze ab und macht ein trauriges Gesicht. Es ist an der Zeit, dem ZIP-Format zu gedenken, das niemand mehr braucht und das im Alltag nur noch für Nervereien sorgt.

Ach ja, das gute alte ZIP-Format. Was habe ich es geliebt, damals vor 15 Jahren. Auf Disketten habe ich meine ersten Shareware-Disketten bezogen - von CDV Software, vom PD-Profi Gerd Zöttlein und von der Firma JDS Jens Driese. Damit die ersten Shareware-Programme aller Zeiten überhaupt auf die Floppy-Disketten passten, wurden sie gepackt - mit dem damals frisch erfundenen ZIP-Format.

Damals musste man den Inhalt der Disketten auf die Festplatte umkopieren, um dann mit einem DOS-Programm namens PKUNZIP.EXE das ZIP auszupacken. Den Befehl werde ich wohl nie vergessen: PKUNZIP *.*. Dann kam eine Nachfrage, ob man das Archiv wirklich entpacken will. Nachdem ich auf die Taste J für Ja gedrückt hab, wurden die Dateien dekomprimiert und ich konnte mit meiner Arbeit fortfahren.

Nichts ging mehr ohne ZIPs

In den kommenden Jahren ging nichts mehr ohne ZIPs. Die Archive im von Microsoft völlig ignorierten Packerformat waren aus keiner PC-Sachlage mehr wegzudenken. Auf hunderten von Heft-CDs für Computerzeitungen verwendeten wir ZIPs, um auf diese Weise Programme Platz sparend auf den Silberlingen unterzubekommen. Die Leser der Magazine konnten die ZIPs dann auf die Festplatte entpacken, um dann die Software zu installieren.

Auch im Internet ging ohne ZIPs gar nichts. Die Archive hielten die Download-Zeiten kurz und sorgten außerdem dafür, dass bei einem Transfer rein gar nichts mehr schiefgehen konnte, weil alle Dateien einer Software immer eng beisammen blieben.

Dateien flutschen durch die Leitung

Aber: Das war einmal. Ich bemerke das bereits bei mir, wenn ich Dateien als Anhang einer Mail versende. Ich komprimiere sie nicht mehr, sondern packe Bilder, Texte und andere Dateien einfach 1:1 in den Anhang. Mein Gott, wir haben eh alle DSL und da flutschen die Dateien so schnell durch die Leitung, dass es auf ein Megabyte mehr oder weniger nicht ankommt. Also packe ich nicht, sondern schaue, dass ich nicht eine riesige Wave-Datei versende, sondern eine kleine MP3-Datei. Und kein BMP-Bild, sondern ein winziges JPG. Dann passt das schon.

Auch online merkt man, dass sich da etwas tut. Immer mehr Programme werden im EXE-Format zum Download angeboten, sodass es ausreicht, sie aufzurufen, um sie zu installieren. Wer braucht also noch das ZIP-Format? Niemand. Nur eine Hand voll Anwender, deren E-Mail-Programme sich aus Sicherheitsgründen weigern, das EXE-Format zu empfangen, bekommen Probleme. Aber ich merke schon beim Empfang von ZIP-Archiven im Mail-Anhang, wie ich mich ärgere. Extra wieder dieses doofe ZIP-Programm öffnen, um an den Inhalt heranzukommen, das nervt.

Also, liebes ZIP-Format: Du wirst nicht mehr gebraucht. Ruhe in Frieden.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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