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Scheibes Kolumne: Verbote für die Artigen!

stern.de-Kolumnist Scheibe ist mal wieder sauer. Als ehrlicher Konsument zahlt er für Musik, für Filme und für Computerspiele. Und was hat er davon? Nur Ärger, Beschränkungen und Scherereien. Am Ende ist der Ehrliche mal wieder der Dumme.

Da rastet ein Schüler aus, schießt in seiner alten Schule um sich und zeigt mal wieder, dass anscheinend jeder Dorfdepp in Deutschland in der Lage ist, sich mit Waffen aller Art einzudecken. In den Medien wird das Waffenproblem aber kaum thematisiert. Die Fernsehstationen beschränken sich darauf, den Namen des Online-Portals zu nennen, in dem sich Waffen aller Art legal oder illegal besorgen lassen. Stattdessen schießen sie sich lieber einmal mehr auf die Tatsache ein, dass auf dem Rechner des Amokläufers das Ballerspiel Counterstrike zu finden war. Schnell wird ebenso lautstark wie vehement ein Verbot der blutrünstigen Killerspiele gefordert, da diese Programme ja ganz bestimmt Schuld daran seien, dass der Schüler auch im wirklichen Leben zur Waffe gegriffen hat.

Dass die ganze Diskussion nichts bringt, wissen nur die Eingeweihten. Denn im Grunde genommen ist es völlig egal, ob in Deutschland Killerspiele verboten werden oder nicht. Schon lange werden blutrünstige Games aus Übersee von den Software-Firmen entschärft, bevor sie auf den deutschen Markt losgelassen werden. Rotes Blut verwandelt sich dabei in grünes, zahlreiche Splattereffekte werden entfernt, und auch sonst wird alles getan, um Gewaltspielen ihren Schrecken zu nehmen. Deutschland hat schon jetzt eins der schärfsten Jugendschutzgesetze der Welt. Und das merkt man, wenn man im Laden versucht, ein echtes Killerspiel zu kaufen. Als ehrlicher Kunde mit Geld in der Tasche und noch dazu als volljähriger Erwachsener gelingt es mir nicht, ein so genanntes Killerspiel in der Version legal zu kaufen, in der es von den Entwicklern geschaffen wurde. Stattdessen bekomme ich nur die entschärfte Fassung.

Die Quellen sind ganz woanders

Was Politiker und entrüstete Eltern nicht wahrnehmen: Die Kids und Jugendlichen gehen doch gar nicht in das Fachgeschäft, um sich hier ein Killerspiel zu kaufen. Sie nutzen stattdessen das Internet, um sich von Warez-Seiten oder von den Tauschbörsen kostenlos mit den Originalen, also unverfälschten und hierzulande indizierten Spielen zu versorgen. Hat erst einmal einer aus der Clique das raubkopierte Originalspiel, so wird es schnell reihum kopiert, bis alle das Spiel haben. So werden sämtliche Verbote ausgehebelt. Gibt es ein blutrünstiges Spiel, macht es die Runde. Das ist fast schon ein Naturgesetz. Notfalls lassen sich auch Crackz im Internet downloaden, die ein entschäftes Spiel in ein blutiges zurückverwandeln.

Was für Gewalt gilt, gilt erst recht für Sex. Deutschland zwingt deutsche Internetseiten hinter Schloss und Riegel, sie dürfen nur nach Passage eines strengen Altersnachweises in den Browser geladen werden. Doch auch in diesem Bereich zeigt sich schnell, dass die eigenen Gesetze nicht viel wert sind. Denn gibt ein Teenager statt einer .de-Adresse eine .com-Adresse in den Browser ein, so kann er sich sofort und ungefiltert am Rechner aufklären lassen. Gangbang, Bukkake und SheMale-Sex stehen in keinem Sexualunterricht an deutschen Schulen auf dem Plan, lassen sich auf ausländischen Seiten aber ungefiltert und im Closeup bestaunen. Was nützt ein Sexverbot in Deutschland, wenn es im Internet keine Grenzen gibt?

Wer ist denn hier der Böse?

Es gibt viele Beispiele dafür, dass gesetzliche Reglementierungen in Deutschland nie die anvisierte Zielgruppe erreichen, sondern stattdessen den braven Konsumenten treffen. Warum ist meine bei iTunes gekaufte Musik mit zahlreichen Einschränkungen versehen, während die Raubkopierer mit ihren Songs aus den Tauschbörsen machen können, was sie wollen? Und warum zeigt mir jede legal gekaufte Video-DVD vor dem Film einen Du-kommst-ins-Gefängnis-Film mit einer Warnung, nur ja keine Raubkopie anzufertigen. Bei jeder echten Raubkopie ist dieser Hinweis herausgeschnitten.

Manchmal fehlen mir die Worte!

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.