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Simulation als Computerspiel: Vom Müllmann zum Weltraumpiloten

Kinderträume werden wahr: Endlich dürfen Spieler in die Rolle eines Baggerführers schlüpfen und anschließend als Raumfahrer das Weltalle erobern. Nischenspiele, in denen Alltagsberufe nachempfunden werden, entpuppen sich als Verkaufsschlager.

Von Sebastian Wieschowski

Ronny Gohr ist Bauer aus Leidenschaft. Stundenlang steuert er seinen Trecker über weite Felder, wirft den Mähdrescher an, muss die Saat ausfahren und die Ernte abtransportieren - denn am Hafen wartet bereits ein Schiff. Und Hobby-Bauer Ronny Gohr macht sich bei seiner Arbeit keinen einzigen Finger schmutzig. Denn Gohr ist Fan des Computerspiels "Landwirtschaftssimulator 2008".

Wenn man den großen Computerspiele-Zeitschriften glauben darf, sind Spieler wie Ronny Gohr die absoluten Außenseiter: Als "Schrott des Monats" bezeichnete das Spielemagazin "PC Action" die Bagger-Simulation aus der Spielereihe, in der auch der Landwirtschaftssimulator erschienen ist. "Wir haben lange nicht mehr so eine Zeitverschwendung erlebt", schreiben die Tester. "Normale Spieler bekommen bereits im ersten Level spontanen Brechdurchfall", heißt es in der Oktoberausgabe des Magazins. Das Fazit: "Spiel gewordene Katastrophe", eine Wertung von nur 22 Prozent. Nicht minder heftig traf es den "Müllabfuhr-Simulator" aus derselben Reihe: "Für die Tonne" titelten die Autoren der "PC Games" und verpassten dem Spiel eine "Mangelhaft"-Wertung.

"Elend gibt es genug auf der Welt"

Pixel-Bauer Ronny Gohr lassen diese Urteile kalt: "Das sind Leute, die vor dem PC sitzen und nichts anderes machen als wild durch die Gegend zu schießen." An seiner Spielewahl zweifelt Gohr nicht: "Ich denke, das es viele Leute satt haben, in einem Spiel nur rumzulaufen und sinnlos rumzuballern", meint Gohr. "Nee, sorry, Elend gibt es genug auf der Welt, das muss ich nicht am PC nachmachen. Da steige ich lieber in meinen virtuellen Traktor und zieh durch die Lande", sagt der Hobby-Bauer.

Die Spielekritiken sprechen dagegen, doch Spieler wie Ronny Gohr liegen im Trend. Der "Landwirtschaftssimulator 2008", vertrieben von der Mönchengladbacher Softwareschmiede "Astragon", konnte sich 20 Wochen lang in den "Top 20" der meistverkauften PC-Spiele bis 28 Euro halten. "Ich spiele den Landwirtschaftssimulator schon seit der Veröffentlichung im April 2008", berichtet Ronny Gohr. "Mir gefällt besonders, dass mit dem Spiel endlich mal etwas umgesetzt wurde, was ich jeden Tag im realen Leben sehe", erklärt der Spieler, der nach eigenen Angaben selbst in der Landwirtschaft groß geworden ist und immer wieder auf Suche nach einen Simulator für die Landwirtschaft war. Und seitdem mag Gohr die Computermaus nicht mehr aus der Hand legen: "Die Fazination des Games liegt darin das es unzählige Möglichkeiten gibt, das Spiel mit ein wenig Geschick selbst so zu gestalten, wie man es haben möchte - sei es eine eigene Map zu bauen oder auch Mods und diverse andere Erweiterungen."

"Eine stetig wachsende Nische"

Auch der Hersteller nimmt die vernichtenden Kritiken gelassen: "Dies sehen wir nicht weiter dramatisch. Es ist doch positiv, wenn über ein zum "Schrott des Monats" erklärtes Produkt in den Foren dieser Magazine wild diskutiert wird und es Anfragen nach T-Shirts und Baseballcaps zum Spiel gibt, weil die Jungs es einfach 'freaky' finden", sagt Felix Buschbaum, Sprecher des Spieleherstellers Astragon. Der Marktführer hat von seinem Schiffssimulator nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Stück verkauft, der Bus-Simulator ist weit mehr als 100.000 mal ausgeliefert worden. Der Titel "Der Bauernhof" rückte bis auf Platz 3 in den Edutainment-Charts vor. Auch die Simulatoren für Müllabfuhr, Bus und Bagger erreichten Top-20-Platzierungen. "Die Simulationsspiele an sich sind sicher eine Nische, wenn auch eine derzeit stetig wachsende Nische", sagt Astragon-Sprecher Felix Buschbaum.

Und tatsächlich hat sich um die simplen Simulationen eine regelrechte Fangemeinde gebildet: Allein 31.000 Mitglieder hat das Forum "landwirtschaftssimulator-mods.de" - auf der Seite können neue Fahrzeuge und Geräte für den virtuellen Bauernhof herunter geladen werden. "Wir versuchen aber auch, unerfahrenen Usern die Landwirtschaft ein wenig näher zu bringen", berichtet Administrator Ronny Gohr. Und damit nicht genug: "Was mich am Meisten fasziniert, ist das mich in letzter Zeit mehrere Mails von Eltern erreichen die sich bei mir als Betreiber und bei dem Team bedanken das wir soviel für das Spiel machen. Sie sind froh, das ihre Kinder gerade jüngere nicht mehr nur rumballern sondern sich an diesem Spiel erfreuen", erzählt der Forumsbetreiber.

Eine Art Pseudorealismus

Besonders beliebt bei den Bagger-Fans ist die angeblich detailgenaue Umsetzung der Landmaschinen: "Im Gegensatz zu manch anderem Genre, bei dem versucht wird, mit Highend-Grafiken und hochgeschraubtem Schwierigkeitsgrad eine Art Pseudorealismus zu schaffen, kommt es bei Simulationen auf die Genauigkeit der Realitätsabbildung im Gameplay selbst an", erklärt Astragon-Sprecher Felix Buschbaum. Sein Unternehmen arbeitet deshalb bei jeder Simulation mit anderen Entwicklerteams zusammen: "So wurde unser Kran-Simulator 2009 von Stoll von Gáti entwickelt, einer Firma, die Schulungssoftware für Kranfahrer entwickelt und das Entwicklerteam unseres Space-Shuttle-Simulators zeichnet für die Mondlande-Simulation verantwortlich, mit der die Nasa die Thematik ihren Besuchern im Johnson Space Center in Houston Texas näher bringt", berichtet Buschbaum. Wichtig sei zudem die Kooperation mit einem Unternehmen, das im realen Leben mit der Thematik betraut ist. "Der Realismus einer Simulation profitiert sehr davon, wenn beispielsweise ein Kran-Hersteller wie Liebherr oder ein Landmaschinenbauer wie Fendt am der Entwicklung beteiligt werden", meint Buschbaum.

Deshalb werkelt die Mönchengladbacher Softwareschmiede bereits an neuen Titeln. "Anregungen für neue Simulationen erreichen uns sehr häufig", berichtet Astragon-Sprecher Felix Buschbaum. Seine Ankündigung dürfte zumindest für die einen wie eine Drohung wirken, während sich andere erwartungsvoll die Hände reiben dürften: "Für uns steht jedoch in jedem Fall fest: Hochseefischen, Space Shuttle und Angeln 2009 sind sicher noch lange nicht das Ende der Fahnenstange."

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.