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"Gruselig!" Neues Tool erweckt Mona Lisa zum Leben - geht das auch mit meiner Ur-Oma?

Sehen Sie im Video: Neues Tool erweckt Mona Lisa zum Leben - geht das auch mit meiner Ur-Oma?




So sah es also aus – das Lächeln der Mona Lisa. Zumindest wenn man dem neuen Tool DeepNostalgia eines israelischen Genealogie-Anbieters glaubt.
"MyHeritage wirbt gerade mit einem neuen Dienst: Fotos können über die Plattform DeepNostalgia hochgeladen und binnen einiger Sekunden in bewegte Bilder verwandelt werden. Es soll Nutzern dabei helfen, ihre Vorfahren besser kennenzulernen. Das probiere ich jetzt aus."
Das ist ein Bild von meiner Urururoma: Jule Hofmann. Sie starb etwa 80 Jahre bevor ich auf die Welt kam, hatte zehn Kinder und schaut auf diesem Foto so, als könnten sie nur noch wenige Dinge beeindrucken. Sonst weiß ich sehr wenig von ihr. Aber ihr Bild, eines der ältesten unserem Familienalbum, hat mich immer fasziniert. Ich bin gespannt, wie Jule in einem Video wohl aussehen würde.
Ich lade das Bild auf die Plattform. Mit einer sogenannten Deep-Learning-Technik, einer künstlichen Intelligenz, wird aus Jules Gesicht eine Animation. Dafür greift das lizenzierte Verfahren auf eine Datenbank von gesammelten Videoaufnahmen zurück. Sie wählt aus verschiedenen Voreinstellungen die für das Bild am besten passende Bewegung aus –und voila.
„Es ist schon fast etwas gruselig – sie wirkt wirklich wie lebendig.“
Als ich das Video mit meiner Familie teile, sind meine Verwandten beeindruckt.
„Wow,  fast wie Harry Potter“
„Das ist echt unglaublich.“
„Sensationell.“
So wie mir und meiner Familie geht es vielen. Auf Twitter und Instagram teilen Nutzer die Bilder ihrer verstorbenen Angehörigen – schnell geht das neue Tool viral.
Manche wie Jennifer Jones, aus Victoria in Australien, berührt das Ergebnis der KI tief:
"Das ist mein Sohn, der 1995 starb. Das Foto hat mich zum Weinen gebracht, nachdem ich es in das neue Animations-Tool gegeben habe."
Neben persönlichen Bildern können aber auch Personen der Zeitgeschichte scheinbar  zum Leben erweckt werden. Der Forscher Alexander von Humboldt zum Beispiel, Karl Marx oder die Physikerin Marie Curie. Sogar Kunstwerke werden plötzlich dreidimensional und beweglich ,
Um eine Animationen erstellen zu können, muss man sich bei der Plattform anmelden. Das kostet zunächst nichts. Fünf Bilder sind frei, danach kann man ein Abo abschließen. Eine geschickte Werbestrategie der Plattform, die Genealogien und DNA-Tests verkauft.


Aber wie sieht es mit dem Datenschutz aus?  MyHeritage sitzt in Israel, ein Land das nach EU-Angaben über angemessene Datenschutzrichtlinien verfügt. Das Unternehmen schreibt, dass es Bilder nicht an dritte weitergebe, sondern nur auf den eigenen Servern verarbeitete.
Also kein Grund zur Sorge um die eigenen Daten? Ich frage beim Hamburger Datenschutzbeauftragten. Prof. Dr. Johannes Caspar, nach. Er antwortet mir per Mail:
„Das Unternehmen MyHeritage verarbeitet seine Daten in den USA. In der Datenschutzerklärung wird als Ort der Aufbewahrung der DNA-Proben sowie für die anderen zur Verfügung gestellten nicht genetischen Daten die USA genannt. Es wird eine allgemeine Einwilligung des Nutzers in der Privacy Policy angenommen, dass dieser mit einem Datentransfer in die USA einverstanden ist.“
Nach der EU-Datenschutzverordnung ist das Versenden der Daten in die USA fragwürdig. Die sensiblen DNA-Daten, die MyHeritage mit seinen Gen-Analysen ermittelt, bedürfen außerdem besonderen Schutzes. Mit den Daten können nicht nur entfernte Verwandte gefunden werden. Sie enthalten auch Informationen über genetische Dispositionen für Krankheiten.  
So sicher, wie es MyHeritage scheinen lässt, sind die eigenen Daten also nicht.
"Software, mit der man Gesichter verändern kann, wird außerdem von IT-Sicherheitsexperten kritisiert. Denn diese Programme ermöglichen es auch, dass immer mehr Fake-Videos in Umlauf kommen.
Im Fall von DeepNostalgia zeigt sich aber auch eine positive Seite der AI-Technologie: Wir können die Erinnerung an schmerzlich vermisste Menschen neu beleben oder verstorbene Ahnen im Video neu kennenlernen."

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Keiner weiß, wie es aussah, als die echte Mona Lisa ihren Maler Da Vinci anlächelte. Auf der Online-Plattform "Deep Nostalgia" kann man dem Geheimnis nun näherkommen. Hier können angemeldete Nutzer Fotos animieren lassen. stern-Reporterin Linda Richter macht den Test.  

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