VG-Wort Pixel

Geleakte Zahlen Datendiebstahl bei Twitch zeigt, wie viel Top-Streamer verdienen – und war selbst verursacht

Twitch
Über zwei Millionen Dollar sollen Größen der Streaming-Branche seit Sommer 2019 verdient haben.
© Lionel Bonaventure / AFP
Ein umfangreiches Datenleck stellt die Streaming-Plattform Twitch vor Probleme. Unbekannte veröffentlichten Zahlen über den Verdienst der Streaming-Profis. Aber der Leak weist auf ein viel gravierenderes Problem.

Die Streaming-Plattform Twitch ist Opfer eines großen Datendiebstahls geworden. Ein Unbekannter veröffentlichte im Netz ein Datenpaket, das nach seinen Angaben den gesamten Programmiercode des Dienstes enthält. "Die Community ist eine giftige Jauchegrube, daher wollen wir den Betrieb stören und die Konkurrenz im Online-Streaming-Markt fördern", wird er auf dem Online-Portal Heise zitiert.

Die Amazon-Tochterfirma hat das große Leck bei ihrer Daten selbst verursacht. Einige Informationen seien durch einen Konfigurations-Fehler aus dem Internet frei zugänglich gewesen, teilte Twitch in einem Blogeintrag am Donnerstag mit. Das Unternehmen betonte zugleich, man habe aktuell keine Hinweise darauf, dass auch Login-Daten der Nutzer betroffen seien. Auch würden von der Plattform generell nicht die kompletten Kreditkarten-Nummer gespeichert und könnten damit auch nicht abgegriffen worden sein.

Twitch wird vor allem von Gamern dafür genutzt, den Verlauf von Videospielen live zu übertragen. Die Plattform brachte eigene Stars hervor, die viele Zuschauer haben.

Die veröffentlichten Daten zeigten unter anderem ein großes Einkommensgefälle zwischen den prominentesten Twitch-Streamern, die demnach zum Teil Hunderttausende Dollar verdienen, und weniger populären Nutzern. Mehrere Streamer bestätigten bei Twitter, dass die geleakten Informationen zu ihren Einkünften korrekt seien. MontanaBlack und Knossi zählen zu den erfolgreichsten Streamern aus Deutschland. Dass die beiden damit zu den Topverdienern in der Branche gehören, ist nicht überraschend. Die geleakten Zahlen liefern nun aber einen handfesten Beleg. Demnach sollen beide Streamer zwischen August 2019 und September 2021 jeweils über zwei Millionen Dollar verdient haben, wie unter anderem das Onlineportal Heise berichtet.

Twitch: Weitere Hacks sind zu erwarten

Vor allem könnte aber die Entblößung der kompletten technischen Plattform gefährliche Folgen haben. "Da auch Quelltexte geleakt wurden, ist davon auszugehen, dass diese nun von weiteren Cyberkriminellen nach weiteren Schwachstellen durchsucht werden", sagte Rüdiger Trost von der IT-Sicherheitsfirma F-Secure. "Es ist zu erwarten, dass wahrscheinlich weitere Hacks der Plattform folgen werden", warnte er deshalb. 

Der veröffentlichte Programmiercode enthielt auch Hinweise auf einen noch unveröffentlichten Konkurrenz-Dienst für die populäre Spieleplattform Steam und sogar interne Software-Werkzeuge, mit denen bei Twitch Hacker-Angriffe simuliert werden. "Jeff Bezos hat 970 Millionen Dollar dafür bezahlt", schrieb die Person hinter dem Leak auf der Plattform 4Chan mit einem Seitenhieb gegen den Amazon-Chef. "Bei uns gibt es das kostenlos."

Das Blog "Platformer" befragte nach dem Leak frühere Twitch-Entwickler. Sie berichteten unter anderem, dass es bei der Plattform intern kaum Vorkehrungen gegen das Herunterladen großer Mengen Software-Code durch Mitarbeiter gegeben habe. Obwohl Amazon, das für starke IT-Sicherheit bekannt ist, Twitch bereits 2014 gekauft habe, sei die Plattform noch mit ihren eigenen Sicherheitsvorkehrungen betrieben worden, hieß es auch.

cl DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker