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Empfangsschwäche des iPhone 4: iGott gesteht Fehlbarkeit ein

Es war kein leichter Termin für Steve Jobs. Einfachen Kunden sowie Jüngern weltweit musst der Apple-Chef erklären, warum das vermeintliche Wunderding iPhone 4 Macken hat. Jobs gestand, dass selbst Apple nicht perfekt sei - nur um dann zu bestreiten, dass es Konstruktionsfehler gebe.

Von Karsten Lemm, San Francisco

Soll nur keiner sagen, Apple könne nicht über sich lachen, wenn mal etwas schiefgeht. Ehe Vorstandschef Steve Jobs am Freitag in der kalifornischen Firmenzentrale vor die Presse trat, um zu erklären, warum das iPhone 4 sich mit dem Empfang manchmal schwer tut, bekamen die geladenen Gäste ein kleines Video zu sehen: den "iPhone Antenna Song", in dem ein Internet-Barde humorig Apples Probleme mit der jüngsten Version des smarten Telefons besingt. "Das haben wir heute Morgen bei YouTube gefunden", verkündete Jobs mit feinem Lächeln, "und dachten, wir zeigen es Ihnen mal."

Eigentlich sind dies trübe Tage bei dem Elektronikpionier. Das sorgsam gepflegte Image der Edelmarke hat Kratzer abbekommen, seit sich bei Version 4 des iPhones Klagen häufen. Immer mehr Benutzer berichten, dass sie oftmals das Signal verlieren, wenn sie ihr iPhone falsch anfassen. In Blogs und Internetforen schaukelte sich das Thema hoch, Videos kursieren, die zeigen, wie die Datenübertragung in bestimmten Fällen einbricht und die Stärke des Antennensignals zurückgeht. Das Problem, so lassen die Beispiele vermuten, hängt zusammen mit dem komplett neuen Design des iPhone 4, das seit Mitte Juni auf dem Markt ist: Die Entwickler haben die Antenne erstmals zum Teil des Gehäuses gemacht - eigentlich mit der Absicht, den Empfang zu verbessern. Doch wenn die Finger das Metall umgreifen und ungünstig die Antenne berühren, bekommt das iPhone offenbar Daten-Schluckauf.

So muss Jobs nun, wohl oder übel, in einer hastig einberufenen Pressekonferenz versuchen, den Schaden zu begrenzen. "Wir sind nicht perfekt", räumt er gleich als erstes ein; natürlich könne Apple Fehler machen, und nichts liege der Firma mehr am Herzen, als ihre Kunden glücklich zu sehen. Es ist eine symbolische Geste an die aufgebrachte Öffentlichkeit. "Antennagate" haben einige Medien das Drama um die Signalschwankungen sogleich getauft, in reflexhafter Anspielung auf Watergate - nicht zuletzt, weil Apple zunächst versuchte, das Problem totzuschweigen. Einem Kunden, der sich per E-Mail bei ihm beklagte, schrieb Jobs zurück, er solle das iPhone einfach anders halten - so, dass der Empfang nicht gestört wird. Als die Beschwerden weiter zunahmen, erklärte die Firma in einem offenen Brief, die Software sei Schuld: Seit Jahren schon habe ein bisher unbemerkter Fehler dazu geführt, dass die Signalstärke falsch angezeigt wird. Unglücklich, aber das lässt sich per Update beheben - und nein, ein Konstruktionsfehler liege beim iPhone 4 ganz gewiss nicht vor.

"Was ist in der Testphase passiert?"

Bei dieser Botschaft blieb es auch am Freitag: Der manchmal schwächelnde Empfang sei keine iPhone-Eigenheit, argumentierte Jobs, sondern ein Problem, mit dem alle Mobiltelefone zu kämpfen hätten. "Telefone sind nicht perfekt", betonte der 55-Jährige mehrfach und führte Videos vor, die zeigten, wie auch bei Konkurrenzmodellen der Empfang einbrach, sobald die Geräte bei geringem Signal in den Klammergriff genommen wurden. "So ist das Leben in der Welt der Smartphones", erklärte Jobs lakonisch. "Es ist eine Herausforderung für die gesamte Branche, und wir bemühen uns alle, so gut es geht. Jedes Telefon hat Schwachstellen."

Beim iPhone 4 liegt die Schwachstelle durch das neue Antennendesign nun offen zu Tage. Deshalb bietet Apple jedem Käufer kostenlos eine Schutzhülle, die helfen soll, die empfindliche Elektronik vor Störungen zu schützen - sofern die Kunden das tatsächlich möchten. "Ich habe mehr als 5000 E-Mails bekommen, von Nutzern, die mir schreiben, dass ihr iPhone 4 wunderbar funktioniert und die nicht verstehen, was die Aufregung soll", berichtete Jobs bei der Pressekonferenz, räumte dann allerdings doch ein: "Es gibt ein Problem - aber wir glauben, es betrifft lediglich eine kleine Zahl an Nutzern, und ein Teil dieses Problems findet sich in nahezu jedem Smartphone wieder."

Experten halten es durchaus für möglich, dass beim iPhone 4 eine generelle Schwäche moderner Mobiltelefone deutlicher sichtbar wird. "Beim Antennendesign gibt es Schwierigkeiten", erklärt Mike McGuire, Analyst beim Marktforscher Gartner, "besonders bei kleinen Geräten voller Elektronik, die man in den Händen hält. Die Physik spricht bei der Erklärung für Apple." Fragt sich nur, warum die Ingenieure des kalifornischen Computerriesen nicht eher auf den Gedanken gekommen sind, dass ihr neues Antennendesign Ärger machen könnte. "Wie ist es möglich, dass ein solcher Fehler niemandem aufgefallen ist?", rätselt Charles Golvin, Mobilfunkspezialist bei Forrester Research. "Was ist in der Testphase passiert?" Schließlich ist Apple bekannt dafür, peinlich genau auf jedes Detail zu achten. Allerdings steht das bisweilen im Konflikt mit dem Drang zur Geheimhaltung, der Apple über alles geht.

Geheimniskrämerei Teil der Firmenkultur

Als das iPhone 4 erprobt wurde, waren Prototypen, die AT&T und andere Partnerfirmen in die Hände bekamen, in Tarngehäusen verborgen, berichtet das Wall Street Journal. Das bot Schutz vor der Neugierde von Fremden, verhinderte womöglich aber auch, dass die Tester das Antennenproblem bemerkten, weil es nur auftritt, wenn die Finger bei geringer Signalstärke bestimmte Gehäusestellen berühren.

Die Entwickler hätten zwar gewusst, dass sie mit ihrer neuartigen Konstruktion ein Risiko eingehen, schreibt die US-Zeitung. Aber Jobs habe das Design so gut gefallen, dass er dennoch grünes Licht gab. Die Nachrichtenagentur Bloomberg will sogar erfahren haben, dass Apples Chefentwickler für Antennen-Technik ausdrücklich vor Problemen mit der Signalstärke gewarnt hat. Auch ein Telekom-Partner soll Bedenken geäußert haben, doch Jobs habe die Einwände vom Tisch gewischt. Der Bericht sei "völliger Blödsinn", zürnte Jobs, als er bei der Pressekonferenz darauf angesprochen wurde. Für Apple-Kenner spiegelt sich in der Episode vieles wieder, was die Firma so erfolgreich macht - aber auch zur Zielscheibe von Kritikern werden lässt. Die Neigung, eigene Wege zu gehen, sich nicht beirren zu lassen, Design und Bedienerfreundlichkeit in den Vordergrund zu stellen, habe sich "für Apple bezahlt gemacht", erklärt Roger Kay, Präsident der Unternehmensberatung Endpoint Technologies Associates. So ist es dem Computerpionier gelungen, sich mit innovativen Produkten wie iPod, iTunes und iPhone in die erste Liga der Technikwelt zu spielen. Mit dem Erfolg kam Anerkennung, die dem einstigen Nischenhersteller lange verwehrt geblieben war. "Selbstbewusstsein kann sehr inspirierend sein", sagt Kay, "doch Arroganz kann ein Unternehmen in Schwierigkeiten bringen, und hier sehen wir ein Beispiel dafür. Hochmut führt leicht dazu, dass man Dinge übersieht, die sich später rächen."

Typisch auch Apples anfängliche Weigerung, einen möglichen Fehler einzugestehen. Schon öfter zögerten die Kalifornier, unangenehme Wahrheiten zu bestätigen, bis es gar nicht anders ging. Als Steve Jobs 2004 an Krebs erkrankte, hielt das Unternehmen die Information vor der Öffentlichkeit - und seinen Aktionären - so lange geheim, bis der Vorstandschef im Krankenhaus lag und erfolgreich operiert war. Auch vor Jobs' Lebertransplantation im Frühjahr 2009 bestritt Apple lange, dass der charismatische Firmenlenker erneut Gesundheitsprobleme hatte. "Apple tut sich schwer mit Fakten, die nicht ins Bild passen", sagt Kay. "Das gehört zur Firmenkultur."

Kein sympathischer Underdog mehr

Solange Apple noch als sympathischer Underdog galt, der von Microsoft und Intel an den Rand gedrängt wurde, fielen solche Charakterfehler weniger ins Gewicht. Doch inzwischen ist Apple selbst zum Goliath geworden: In nur fünf Jahren hat sich der Umsatz mehr als verdreifacht; 2009 lag er bei 43 Milliarden Dollar (33 Milliarden Euro), schon in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahrs sind mehr als 50 Milliarden Dollar zusammengekommen. Der Aktienkurs knickte zwar etwas ein, seit das iPhone 4 Schwierigkeiten macht, doch mit einem Börsenwert von knapp 230 Milliarden Dollar liegt Apple weiter um etwa 10 Milliarden vor dem Erzrivalen Microsoft. So wird jeder Schritt - und jeder mögliche Fehltritt - der Kalifornier aufmerksam beobachtet. "Als Marktführer wird Apple automatisch zur Zielscheibe für den Rest der Welt", sagt Gartner-Analyst Mark McGuire. Sein Forrester-Kollege Charles Golvin sieht das ähnlich: "Apple gerät leicht ins Visier, weil Apple-Schlagzeilen sich gut verkaufen."

Ob die Aufregung um das iPhone 4 berechtigt ist oder nicht - bleibenden Schaden müssen die Kalifornier wohl nicht befürchten, da sind sich die Experten einig. "Apple hat schon öfter ein paar Schlaglöcher mitgenommen", sagt Golvin. Bei der Einführung des Ur-iPhones etwa brach ein Sturm der Entrüstung los, als Apple nach wenigen Wochen den Preis senkte; auch ein Neudesign des Internetdienstes "MobileMe" sorgte für Verstimmung bei den Anhängern des erfolgsverwöhnten Computerherstellers. In beiden Fällen gelang es Apple schnell, die Fangemeinde mit Preisnachlässen zu beruhigen - eine ähnliche Taktik wie nun mit den kostenlosen iPhone-Hüllen. "Die Konsequenzen werden gering sein", glaubt auch Roger Kay, zumindest was den Zorn loyaler Kunden angeht. Durchaus denkbar allerdings, spekuliert der Analyst, "dass das nächste iPhone etwas schneller auf den Markt kommt".

Dann hoffentlich gründlich getestet. Andernfalls fällt der nächste iPhone-Song womöglich weniger freundlich aus als das Lied, das Jobs seinen Gästen vorspielte. "So viel Wirbel um die Antenne", singt da der bekennende Apple-Fanboy Jonathan Mann, "nur weil mal ein Gespräch verloren geht." Für die Medien "spielen Fakten keine Rolle", solange der Wirbel Kohle bringt. Und "wenn das iPhone 4 dir nicht gefällt, dann kauf es eben nicht. Oder falls du es schon hast und magst es nicht, dann bring es einfach wieder zurück." Das ist Steve Jobs wie aus der Seele gesungen - kein Wunder, dass der Apple-Chef gut Lachen hatte, als er den Tag mit dem Lied begann.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Hülle gratis: Bumper Case fürs Apple iPhone 4 - warum Steve Jobs mit seinem Auftritt für Verwirrung sorgte"

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.