VG-Wort Pixel

Sprachlautsprecher Was passiert mit den Daten? Alexa hört zu - und Amazon schweigt

Amazon Echo Alexa
Alexa feiert in Hamburg Pinneberg eine Hip-Hop Party - Sonos zahlt den "Spaß". 
© Britta Pedersen/ / Picture Alliance
Durch die Sprachassistentin Alexa, die Shopping-Daten und seine Cloud-Dienste hat Amazon Unmengen an Informationen über seine Kunden gesammelt. Doch wer hat darauf Zugriff? Der Konzern gibt sich noch schweigsamer als seine Konkurrenten.

Es ist eine viel geäußerte Sorge: Wer hat Zugriff auf Amazons Nutzerdaten? Immerhin sammelt der Konzern Unmengen von Informationen, vom Online-Handel bis zum Cloud-Geschäft. Vor allem werden sämtliche Aufnahmen des Sprachlautsprechers Amazon Echo online gespeichert. In seinem halbjährlichen Transparenzreport hat der Internet-Riese nun spärliche Einblicke in die staatlichen Anfragen gegeben.

Der Bericht fällt extrem knapp aus. Auf gerade mal zweieinhalb Seiten werden die staatlichen Anfragen von Januar bis Juni 2017 zusammengefasst, mehr als eine Seite davon geht für Begriffsklärungen drauf. Am Ende folgen die knappen Statistiken. Viel schlauer ist man nach der Lektüre nicht. 2011 staatliche Anfragen hat Amazon demnach aus unterschiedlichen Gründen über sämtliche Dienste bekommen, 1467 davon wurden ganz oder teilweise beantwortet. Wie viele Nutzer betroffen waren, was angefragt wurde und warum, bleibt unbeantwortet. 

Neugierige US-Behörden

Ein paar zusätzliche Informationen gibt es aber. Auf Anfrage von "ZDNet" erklärte Amazon zwar nicht, ob man Sprach-Aufzeichnungen eines Echos übergibt. Immerhin verriet der Konzern aber, dass sich die Anfragen auf sämtliche Bereiche des Konzerns beziehen. Ältere Berichte hatten sich nur mit der Cloud-Sparte AWS befasst. Die versteckte Aussage hinter der Neuerung: Die Behörden fragen nun auch nach Daten aus den anderen Sparten - also dem Online-Handel und nach Echo-Aufnahmen.

Deutsche Nutzer können trotz des spärlichen Berichts aber wohl erstmal aufatmen. Amazon erhielt fast alle Anfragen aus den USA. Nur 75 Anfragen stammten von anderen Staaten, lediglich zwei wurden teilweise beantwortet. Da ist es unwahrscheinlich, dass eine deutsche Anfrage nach dem eigenen Echo dabei ist. Allerdings bleibt immer die Möglichkeit, dass die US-Behörden auch nach deutschen Nutzerdaten fragen.

Google und Apple verraten mehr

Ein Problem ist Amazons Verschwiegenheit auch deshalb, weil andere Unternehmen wie Google weit transparenter sind. Der als Daten-Krake verschriene Konzern begann als erstes, die Anfragen öffentlich zu machen, um sein Image zu verbessern. Die Berichte listen detailliert auf, aus welchen Ländern die Anfragen kommen und wie viele Nutzer jeweils betroffen sind. Ob die wie bei Amazon online gespeicherten Sprach-Aufnahmen von Googles Assistant abgefragt wurden, verrät der Konzern aber auch nicht.

Apple könnte solche Daten zu Siri gar nicht erst liefern: Weil sämtliche Sprachaufnahmen ohne Hinweis auf den Nutzer gespeichert werden, können sie keiner Person zugeordnet werden. Transparenter als Amazon ist der Konzern allemal. Der aktuelle Transparenz-Bericht listet auf 19 Seiten akribisch auf, wie viele Anfragen es aus welchem Land gab, wie viele Nutzer und Geräte sie betrafen. Dabei unterscheidet Apple Account- und Gerät-Anfragen, bei denen etwa der Besitzer eines iPhones ermittelt werden soll. Zusätzlich wird zwischen Anfragen nach Finanz-Informationen, etwa beim Verdacht von Kreditkarten-Betrug, und strafrechtlichen Anfragen aufgeschlüsselt.

Ein besonders spannendes Detail findet sich in den Anfragen aus Strafverfolgungs-Zwecken. Bei den Rechts-Anfragen der US-Regierung gibt es auch den Punkt "Wiretap" (Abhörmaßnahmen). Dort findet sich bei den Account-Anfragen eine klare Zahl - es gab 0 Anfragen, aus diesem Grund bei Nutzern mitzuhorchen. Bei Finanz- und Geräte-Anfragen steht aber etwas anderes: N/A, was für "Nicht verfügbar" steht. Über diese Anfragen darf Apple also vermutlich schlicht nicht sprechen. Bei Amazon und Google dürfte das kaum anders sein.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker