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Cyberkriminalität: Spammer profitieren von Wirtschaftskrise

In ihren Mails ist von lukrativer "Heimarbeit" die Rede, von "Führungspositionen" zur Abwicklung internationaler Geldgeschäfte. Tatsächlich wollen die kriminellen Hintermänner solcher Botschaften Helfer anwerben - immer öfter mit Erfolg.

Von Jordan Robertson

Die sich weltweit verschlechternde Wirtschaftslage kommt Cyber-Kriminellen sehr entgegen. Sie hilft ihnen nämlich bei einer der schwierigsten Aufgaben: Leute zu finden, die bereit sind, gestohlenes Geld oder auch Waren zu waschen.

Die per Spam-Mail angesprochenen Leser sollen angeblich Firmen dabei helfen, Kunden in anderen Ländern zu bezahlen. Dafür sollen sie in ihrem Namen Bankkonten eröffnen und anonymen Zahlungen auf diese Konten zustimmen. Das Geld soll dann per Überweisung weitergeleitet werden, zumeist in Länder in Osteuropa.

Den Helfern winkt ein Anteil an den Transaktionen. Es handelt sich um klassische Geldwäsche, nur eben unter Einsatz des Internets als Werbemedium. Das Geld ist real, seine Herkunft aber illegal. Der Mittelsmann hilft Kriminellen und er ist derjenige, der das größte Risiko hat, ins Gefängnis zu kommen.

Zahl der Geldwäsche-Mails

Derartige Angebote sind keineswegs neu und der geübte Computernutzer erkennt solche Spam-Mails auch sofort. Nach Angaben von Sicherheitsexperten gibt es aber in jüngster Zeit immer mehr Menschen, die bereit sind, das Risiko einzugehen. Zumal auch die Zahl derartiger Geldwäsche-Mails steigt.

"Wenn die Menschen Angst um ihren Job haben oder sich Sorgen machen, weil sie Rechnungen bezahlen müssen, dann sehen sie so etwas in einem ganz anderen Licht, als wenn die Zeiten rosig und toll sind", sagt David Marcus von der IT-Sicherheitsfirma McAfee.

"Einreden, dass es etwas Seriöses ist"

Die Spam-Anzeigen werden zwar auch immer professioneller, aber ein Teil ihres Reizes liegt gewiss darin, dass sie gerade genug Details enthalten, so dass sich der Leser mit etwas gutem Willen auch einreden kann, dass es wohl etwas Seriöses sei. Dafür gibt es dann auch den Titel eines "International Sales Representatives" (Internationalen Handelsvertreters) oder "Shipping Managers" (Versandmanagers).

Laut dem jährlichen "Virtual Criminology Report" von McAfee wurden in der ersten Jahreshälfte in Großbritannien 873 Websites entdeckt, auf denen Geldwäscher geworben werden sollen. Das war ein Anstieg um 33 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007.

Einen weiteren Hinweis auf wachsende Betätigung von Kriminellen liefert eine Studie der spanischen Firma Panda Security. Demnach stieg der Anteil von Job-Werbung in Spam-Mails im Oktober auf 0,31 Prozent. Das waren fast dreimal so viel wie im August. Die Erfolgsquote der Geldwäscher-Mails stieg demnach im Oktober auf 1,8 Prozent nach 0,5 Prozent im August. Die Zahlen kamen den Angaben zufolge durch die Beobachtung von Geldwäsche-Netzen in Nordamerika zustande.

Der Computerkonzern IBM meldete, dass die Zahl der versuchten täglichen Angriffe auf Web-Server und Computernetze in den vergangenen vier Monaten um 30 Prozent zugenommen habe: auf mehr als 2,5 Milliarden weltweit. "Das sind beängstigende Zahlen", sagt Gunter Ollmann von IBMs X-Force Sicherheitsteam.

Die Sicherheitsfirma G Data warnt vor einer Masche, bei der es den Spammern nicht um die Hilfe der User, sondern deren Geld geht. Im deutschsprachigen Raum seien erneut Spam-Mails mit Links auf kostspielige Grußseiten aufgetaucht.

Telefonische Grüße - für 100 Euro

In einigen dieser Mails würden Nutzer auf eine Website gelockt, über die sich an Heiligabend telefonische Grüße übermitteln lassen sollen. Nur wer genau hinsehe, entdecke im Kleingedruckten des Formulars den Hinweis, dass für die telefonischen Weihnachtsgrüße knapp 100 Euro berechnet werden. Das böse Erwachen komme dann nach Weihnachten, wenn das Geld vom Konto abgebucht würde. Internetnutzer sollten deshalb in diesen Tagen besonders vorsichtig sein, rät G Data.

Generell sollten Anwender derartigen Websites, die offensiv per Massen-E-Mail beworben werden und die auch in anderen Bereichen wie Horoskope, Kondomtest, Lebenserwartung und Stellenvermittlung angesiedelt seien, skeptisch gegenübertreten, teilte G Data mit.

McAfee beklagt, dass angesichts der Wirtschaftskrise die Aufmerksamkeit der Politik für das Thema Onlinesicherheit weiter gesunken sei. Es werde zu wenig gegen Cyberkriminelle getan. Die personellen und finanziellen Ressourcen im Kampf gegen kriminelle Machenschaften im Internet müssten aufgestockt und die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet erheblich verbessert werden.

FTD