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Facebook-Angriff auf die NPD: Daumen hoch statt Deutschem Gruß

Die NPD wird auf Facebook attackiert: Hunderte User versuchen, die Partei-Seite mit Anti-Nazi-Kommentaren zu "überfremden". Statt brauner Parolen posten sie bunten Protest - und der zeigt Wirkung.

Die Facebook-Verantwortlichen der NPD dürften gerade ein paar mehr "Gefällt mir"-Angaben und Kommentare auf der Parteiseite verzeichnen als sonst. Freuen werden sie sich darüber aber wahrscheinlich nicht. Denn hinter dem Zuwachs steckt keine plötzliche Massenbegeisterung für die Parolen der Rechten, sondern die sogenannte "Like Attack".

Unter diesem Motto hat die Initiative "Laut gegen Nazis" am Montag, dem Gedenkentag für die Opfer des Nationalsozialismus, zum digitalen Protest aufgerufen. Seitdem haben Hunderte User den Like-Button auf der NPD-Seite gedrückt und Kommentare geschrieben. Doch statt kameradschaftlichen Grüßen hinterließen sie eines der antirassisitischen Protestbildchen von "Laut gegen Nazis": Einen regenbogenfarbenen Reichsadler mit Peace-Zeichen statt Hakenkreuz etwa, eine deutsche Flagge inklusive türkischem Halbmond oder eine Zigarettenschachtel, auf der Skinheads abgebildet sind. Darunter der obligatorische Warnhinweis: "Rassismus tötet".

Ziel des Ganzen: die Facebookseite der NPD - ganz in deren eigenem Duktus - zu "überfremden". Denn je mehr bunte Anti-Nazi-Kommentare dort gepostet werden, desto eher gehen die Botschaften der tatsächlichen Anhänger unter. Flower Power statt White Power - Daumen hoch statt Deutschem Gruß. Denn um auf der NPD-Seite überhaupt etwas posten zu können, muss man vorher leider auf "Gefällt mir" klicken. Damit Freunde und Verwandte nicht vollends verstört sind, rät "Laut gegen Nazis" aber: "Nach der Aktion Entliken nicht vergessen!"

Und die Rechten selbst? Sind natürlich so richtig sauer. "Links radikalen Volliditoten", schäumt Florian Schmidt grammatikalisch wacklig in den Kommentaren und Patrick Zillner ätzt: "Sucht euch mal anständige Hobbys oder geht arbeiten!" Der NPD selbst mangelt es jedenfalls derzeit nicht an Beschäftigung, scheinbar versucht sie, all die unliebsamen Kommentare wieder zu löschen. Eine andere Strategie gegen die "Like Attack" hat die Partei derzeit nicht, ein Sprecher sagte dem "Handelsblatt": "Wir sind ratlos."

Timo Brücken
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