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Frag' Mutti: Lachs aus der Spülmaschine

Immer dasselbe. Der Sohn ist erwachsen und zieht in die eigene Bude. Der Gedanke, nun selbst ein Hemd zu bügeln, treibt den Ahnungslosen jedoch in die Verzweiflung. Zum Glück gibt es guten Rat aus dem Internet.

Von Lutz Kinkel

Seit zwei Jahren ist www.frag-mutti.de im Netz – und die Resonanz zeigt, dass eine virtuelle Mutti dringend benötigt wird. Gut 7000 Menschen surfen täglich auf die Seite und recherchieren, wie man T-Shirts in drei Sekunden faltet oder Ketchup aus der Flasche portionsgerecht auf den Teller schüttet. Gründer der Seite sind die Studenten Bernhard Finkbeiner, 22, und Hans-Jörg Brekle, 29. Beide sind - wie zu vermuten war - Schwaben.

Herr Finkbeiner, wie sind Sie auf frag-mutti.de gekommen?

Spontan. Hans-Jörg und ich haben im selben Haus in Ludwigsburg gelebt, ich habe Zivildienst gemacht, er gearbeitet. Und mittags wollten wir was kochen. Also sind wir zum Aldi und haben Würstchen, Kartoffeln und Tiefkühlgemüse gekauft. Dann wollten wir die Kartoffeln kochen ... ähem: Mit Salz? Mit wie viel Salz? Wie lang? Mit oder ohne Schale? Und wie kriegt man die Schale runter? Hans-Jörg hat schließlich seine Mutter angerufen. Und nach dem Telefonat aus einer Laune gesagt: "Frag-Mutti.de"

Nun haben Sie diese Webseite tatsächlich realisiert. Wer liefert Ihnen die Haushaltstipps?

Anfangs waren es unsere Eltern. Mittlerweile bekommen wir zehn Tipps pro Tag von Internetsurfern. Ich schaue sie mir an und schalte sie dann frei. Oder auch nicht.

Die Frauen liefern, die Herren lesen?

[lacht] So ist es wohl.

Welche Tipps fanden Sie bislang besonders originell?

Nun ja, ein User schrieb, man könnte Lachs hervorragend in der Spülmaschine zubereiten - vorausgesetzt natürlich, sie ist so oft leer gelaufen, dass kein Spülmittel mehr drin ist. Aber dann: Wenn man den Lachs in Alufolie einpackt, wird er bei 80 Grad Wassertemperatur optimal gegart.

Haben Sie es schon selbst ausprobiert?

Nein. Dafür aber die Idee, mit Cola das Klo zu putzen. Da ist Phosphorsäure drin und die hat einen schönen Reinigungseffekt.

Es gibt auf Ihrer Seite auch Hinweise, wie man Katzen für die Toilettenreinigung einsetzen kann …

Klar: Katzenshampoo rein, Katze rein, und der Waschvorgang startet von alleine. Aber das ist ein Spaß-Tipp, der in einer entsprechenden Kategorie läuft und besonders gekennzeichnet ist. Und jeder hat bekanntlich seinen eigenen Humor.

Soviel geballte Lebensweisheit müsste man sich eigentlich bezahlen lassen. Entwickelt sich Ihr Hobby langsam zu einem Unternehmen?

Nein. Wir nehmen mit unserer Webseite kein Geld ein. Ich finde es einfach charmanter, keine Werbung zu machen. Unser einziges kommerzielles Projekt ist ein Buch mit Haushaltstipps, das nächstes Jahr im Fischer-Verlag erscheint.

Über Ihre Seite gibt es schon einige amüsierte Medienberichte. Zieht der Erfolg nicht Nachahmer an?

Schon. Irgendjemand hat sich frag-mutter.de und frag-mama.de reservieren lassen und betreibt darunter eine Seite mit Rezepten. Aber es gibt so viele großartige Rezepteseiten, wie zum Beispiel chefkoch.de oder marions-kochbuch.de, und unsere Page macht ja noch viel mehr als nur Rezepte. Kurzum: Wir beobachten, was passiert, aber das war’s dann auch.

Sind die Hausfrauenverbände nicht beleidigt, dass Sie Ihnen die Kundschaft wegfischen?

Ach, wir machen das ja nur für Anfänger. Um Profis auszubilden, braucht man bestimmt auch Profis.

Und was sagt ihre eigene Mutti?

Die schaut ab und zu mal rein, und holt sich selbst einen Tipp von der Seite.

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