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Internet: Diktatur am Netz

Ein Berliner Unternehmer wird Nordkorea ans Internet anschließen. Warum macht er das eigentlich?

Es gibt Menschen, die schwer sind und doch angenehm leicht wirken. Versierte Plauderer mit verbindlichem Händedruck und Beziehungen Überallhin, die an der Hotelbar nie alleine sind und denen jeder Verein seine Kasse anvertrauen würde. Jan Holtermann ist so einer. "Ein halbwegs seriöser Geschäftsmann", wie er sich selbst beschreibt. Und so muss man wohl sein, um das durchzuboxen, was nun kurz vor der Vollendung steht: das Internet nach Nordkorea zu bringen - mit Rechenzentren in Berlin und Pjöngjang, per Satellit, als Geschenk zum Geburtstag von Staatschef Kim Jong Il am 16. Februar.

Es ist ein Netz für wenige Auserwählte, aber es kommt in eine Diktatur, die isoliert ist wie kein anderer Staat. Ein Land, in dem Radio und Fernseher nur den Staatsrundfunk empfangen können und dessen Bürger eine Genehmigung brauchen, wenn sie ins Ausland telefonieren wollen.

Auf so eine Idee kommen nur Menschen wie Jan Holtermann. Charmant und hartnäckig. Banker gewesen. Berater gewesen. Oft die richtigen Leute kennen gelernt. So sitzt er, gerade 50 geworden, im Chefzimmer seiner KCC Europe GmbH inmitten von Büroware, die schon schlechtere Zeiten gesehen hat. "Alles Konkursmasse", sagt er und klopft auf Holz: "Alleine so ein Schreibtisch kostet 1500 Euro. Ich habe alles komplett für 4500 bekommen." Holtermann mag, was Holtermann macht. Und dann beginnt er zu plaudern: Darüber, wie er vor drei Jahren zum ersten Mal nach Nordkorea kam, weil er ein Cello-Ensemble begleitet hat - und dann plötzlich die Idee da war mit dem Netz. Wie er verhandelt hat, bis es endlich klappte. Mit Dolmetschern und seinen drei Brocken Koreanisch: "Guten Tag, Danke schön und Prost. Damit kommt man erstaunlich weit."

Draußen, nebenan, weht die Flagge der nordkoreanischen Botschaft. Und Jan Holtermann spricht über das, was er wirklich will: "In diesem Land sitzen 6000 hochtalentierte Programmierer" - und die sollen durch ihn die Möglichkeit bekommen, per Internet für den Westen zu arbeiten. Sein Angebot: 6000-mal die Elite der nordkoreanischen Computerindustrie, im Schnitt 27 Jahre jung. Und billig - für kleine Firmen vielleicht oder Kommunen: "Die haben die Wahl", sagt er, "entweder sie bestellen sich hier einen Entwickler, der kostet sie bis 1000 Euro am Tag. Oder sie nehmen sich einen Inder, der will 1000 in der Woche. Wir machen das für einen Tausender im Monat."

Holtermann freut sich, dass er nicht nur ein kleines Stück vom Kuchen abbekommt, sondern gleich selbst backen darf. Auch dank Freunden, die ihm Geld geliehen haben. "Kredite, die konnten wir vergessen", sagt er lachend. "Bei uns stimmt doch nichts: Wir sind ein neues Unternehmen, wir arbeiten mit einem Land zusammen, das alles andere als kreditwürdig ist, und das in einer Industrie, die mit Glanz und Gloria den Bach runtergegangen ist."

Sein Rechenzentrum

liegt an einem geheimen Ort. Denn nichts ist Pjöngjang wichtiger als Sicherheit. Wichtiger sogar als die Inhalte, die auf ihren Bildschirmen flimmern werden. "Ich habe dort schon mal aus Spaß die Website der CIA aufgerufen", sagt Jan Holtermann, "das hat nur Heiterkeit verursacht. Nur Pornografie, das wollen sie nicht so gerne haben." Die Nordkoreaner filtern nicht das Netz selbst, sondern diejenigen, die es nutzen dürfen - neben den Programmierern wohl staatliche Stellen, Ministerien zum Beispiel, die bislang keinen Anschluss haben.

Trotzdem ist das Internet ein Glücksfall für viele. Vor allem für ausländische Organisationen, die bislang ein Ferngespräch nach China bezahlen müssen, um ins Netz zu kommen. Bei einer Veranstaltung zugunsten eines Kinderheims hat gerade die nigerianische Botschaft einen kostenlosen Zugang für Holtermanns Netz ersteigert. Keine Bauchschmerzen bei der Zusammenarbeit mit einer Diktatur? "Ich kenne keinen Staat, der das Internet zur Unterdrückung einsetzt", sagt Holtermann und muss los - schließlich soll bald alles funktionieren: "Ich kann ja nicht beim kleinsten Problem einen Techniker mit Ölkännchen hinschicken."

Sven Stillich
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.