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Internet in China: Kinder und Staatsfeinde müssen draußen bleiben

Wer in China im Internet-Café sitzt, sollte aufpassen, was er schreibt und liest. Regierungskritiker landen vor Gericht, Jugendliche müssen draußen bleiben und einige Websites gibt es einfach nicht.

Kritik an der Regierung wird in China trotz zunehmender Lockerheit und Öffnung gen Westen nicht gern gesehen. Dass auf ein schwer kontrollierbares und vorlautes Medium wie das Internet daher von oben ein besonders scharfes Auge geworfen wird, ist nicht erstaunlich. Erst diese Woche ist erneut ein chinesischer Internet-Aktivist vor Gericht gestellt worden - Yan Jun wird "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" vorgeworfen, berichtete die Menschenrechtsorganisation 'Human Rights in China'. Anklage: Er habe Kritik an der chinesischen Regierung ins Internet gestellt.

Die neuesten Zügel für die Branche hat die Regierung bereits fest in der Hand, so die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua: Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen die rund 110.000 Internet-Cafés des Landes von wenigen, staatlich kontrollierten Unternehmen betrieben werden. Standardisierung durch große Ketten ist das Zauberwort - nicht mehr als 100 Unternehmen sollen sich den Wirtschaftszweig teilen, freie Internet-Cafés die Ausnahme werden.

Beliebtestes Begründung: die Sicherheit. Im Juni 2002 waren in einem Pekinger Internet-Café bei einem Brand 25 Menschen getötet und weitere 13 verletzt worden. Danach wurden die Vernetzungsplätze, die in China auch gerne mal in kleinen Kellerbars liegen, systematisch kontrolliert und viele von ihnen geschlossen. Von ehemals 200.000 blieb nur knapp mehr als die Hälfte.

Strenge Regeln

Doch nicht nur die Sicherheit der Besucher spielt eine Rolle - auch die Regierung möchte sicher gehen. Unterhalb von 18 Jahren kommt niemand in ein Internet-Café hinein. Die Bars dürfen nicht im Umkreis von 200 Metern von Grund- und Mittelschulen sein und müssen nachts schließen. Im Herbst letzten Jahres wurden außerdem Vorschriften erlassen, nach denen Café-Betreiber es zur Anzeige bringen müssen, wenn ihre Kunden "staatsfeindliche" und "die Gesellschaft zersetzende" Inhalte auf ihre Rechner holen.

Immer im Visier: Bürgerrechtler. Sie können mit wenig Sympathie der Regierung rechnen. Erst im Mai waren vier solcher "Dissidenten" zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Und damit nicht noch weitere Bürger auf dumme Gedanken kommen, werden Webseiten verschiedener ausländischer und taiwanesischer Medien sowie Seiten von Menschenrechtsorganisationen von vornherein blockiert.

Wichtigste Informationsquelle

Dennoch lassen sich die Chinesen vom Gebrauch des weltweiten Netzes nicht abschrecken: Eine im August veröffentlichte Studie der Horizon Group belegte, dass 76,4 Prozent der Befragten das Internet als Haupt-Informationsquelle angeben. Mit knapp 12 Prozent hinkte das Fernsehen mächtig hinterher. Nur ein Viertel der befragten Nutzer hielten Informationen aus dem Internet für vertrauenswürdig - kritischer Abstand zum gefilterten Netz oder generelle Skepsis gegenüber dem wilden Web? Dem Fernsehen glaubten der Studie zufolge jedenfalls fast 50 Prozent der Befragten.

Claudia Fudeus
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