Israel brennt große Öllager nahe der iranischen Hauptstadt Teheran mit Bomben nieder, und die Organisation Human Rights Watch klagt Israel an, es verwende Phosphorbomben bei Angriffen auf Ziele im Libanon. Bestätigt sind die Berichte aus dem Libanon nicht. Doch dass Israel seine Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber offenbar mit Phosphorbomben bestückt, ist den Waffenexperten des „Open Source Munitions Portal“ aufgefallen. Das OSMP wertet seit 2023 alle Arten von Bildmaterial zu Waffen, Munition und Waffenwirkungen aus.
Es ist ein harmloses Foto der Israeli Air Force (IAF): Ein israelischer Pilot steht vor seiner F-16C/D „Barak“ und umarmt einen Kameraden. In der Bildunterschrift werden erfolgreiche Einsätze tief im iranischen Territorium erwähnt. Was den Munitionsexperten ins Auge fiel, war die unter der Tragfläche hängende Bombe mit ihren Farbmarkierungen.
Die 2000 lbs schwere Bombe (907 Kilogramm) trägt neben einem gelben Band auch ein rotes Band sowie eine rote Markierung direkt auf der Nase der Bombe. Nach dem US-Standard für Munitionsmarkierungen steht Gelb für hochexplosiven Sprengstoff und Rot für einen entzündlichen Stoff, so das OSMP. Man könne davon ausgehen, es hier mit einer Sprengbombe zu tun zu haben, die als zweiten Zerstörungseffekt das Ziel in Flammen setzt.
Es sei genaugenommen keine Brandbombe, sondern eine Munition, die mit Sprengkraft in geschützte Ziele eindringt und erst dort den zerstörerischen weißen Phosphor freisetzt. Diese Chemikalie entzündet sich beim Kontakt mit Sauerstoff selbst, brennt mit rund 1300 Grad Celsius und ist kaum zu löschen.
Phosphorbomben sind nicht verboten
Phosphorwaffen sind nicht grundsätzlich verboten; ihr Einsatz in bewohnten Gebieten ist jedoch durch die Genfer Konventionen seit 1977 geächtet. Weißer Phosphor verursacht selbst in kleinsten Mengen schreckliche Brandwunden. Die Verbrennungen reichen unter Umständen bis auf den Knochen, da die Substanz so lange brennt, bis sie vollständig aufgebraucht ist.
Nie zuvor sei eine solche Bombe an israelischen Flugzeugen gesehen worden, hieß es. Dabei sei dieser Bombentyp bereits über 20 Jahre alt. Die BLU-119/B CrashPAD wurde von den USA hastig im zweiten Irakkrieg entwickelt. Mit ihr sollten Lager vermuteter chemischer und biologischer Massenvernichtungswaffen bombardiert und restlos verbrannt werden.
In der Bombe befinden sich 66 Kilo PBX-Sprengstoff und 190 Kilo weißer Phosphor. Die BLU-119 gehört zu den JDAM-Bomben, die als steuerbare Gleitbomben weit vor dem Ziel aus großer Höhe abgeworfen werden und dann via GPS auf den Meter genau ins Ziel steuern.
Während des Kriegs gegen die Hamas nach dem Terroranschlag auf Israel am 7. Oktober 2023 setzten die israelischen Streitkräfte auch Phosphorwaffen ein. So ist unter anderem auf einem Bild aus dieser Zeit ein AH-64 Apache-Kampfhubschrauber zu sehen, der rot markierte Hellfire-Raketen trägt. Das Foto sei inzwischen von der israelischen Armee gelöscht und durch ein anderes ersetzt worden, berichtet der Militärblog „The War Zone“ (TWZ).