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Internetportal "Statista": Zahlen, bitte!

Das Hamburger Internet-Start-up Statista sammelt jede Statistik, die es bekommen kann. Die Site präsentiert bereits über eine Million Statistiken kostenlos im Web. Ein "Normalo-Test" liefert zudem darüber Auskunft, wie man selbst im Vergleich zum deutschen Durchschnitt dasteht.

Einen einfachen und unterhaltsamen Zugang zu Statistiken für den privaten und geschäftlichen Gebrauch bietet ein junges Hamburger Unternehmen auf seinem neuen Internetportal an. Zum Start umfasst das kostenlose Angebot von "statista.org" Informationen auf der Basis von über einer Million Statistiken aus allen Lebensbereichen. "Unser Ziel ist es, die umfassendste und aktuellste statistische Internet-Datenbank zur freien Nutzung zu etablieren", sagt Friedrich Schwandt, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Firma Statista.

Die thematische Bandbreite der Statistiken scheint grenzenlos: Von soziodemografischen Erhebungen über Markenverbundenheit bis zu speziellen Fragen wie "Sollten sich Frauen und Männer die Achseln rasieren?" ist alles dabei. Um die gewaltige Menge an gesammelten Daten zugänglich zu machen, bietet die übersichtlich gestaltete Website mehrere Funktionen. Eine Suchmaschine liefert passend zu einem oder mehreren Begriffen entsprechende Ergebnisse. So gibt es zu "Drogen" drei Suchtreffer: Zwei beschäftigen sich mit Daten zu Konsumenten harter Drogen. Die dritte gibt Antworten auf die Frage "Was bereitet Ihnen besonders große Sorgen?", bei dieser Umfrage war "Drogen" eine der Antwortmöglichkeiten.

"Die Menschen vergleichen sich gern"

Des Weiteren bietet Statista Begriffslisten sowie Rankings nach Aktualität und Beliebtheit. Was sind die populärsten Statistiken zurzeit? Solche, die sich mit dem durchschnittlichen Nettoeinkommen beschäftigen, belegen die ersten drei Plätze. "Der Mensch vergleicht sich halt gerne mit anderen", sagt Statista-Gründer Schwandt. Um diesem Bedürfnis zu genügen, haben Schwandt und sein Co-Geschäftsführer Tim Kröger ein spielerisches Element eingebaut: den Normalo-Test. Nach dem Motto "Wie durchschnittlich bin ich?" kann man bei vielen Statistiken seinen eigenen Wert zum Vergleich eingeben und sich dann in das deutsche Gesamtgefüge einsortieren lassen. Wer beispielsweise sein Gewicht mit 80 Kilogramm angibt, erfährt, dass rund 21,7 Millionen Deutsche - 32,2 Prozent - der Deutschen schwerer sind als man selbst.

Für den Aufbau ihrer Datenbank hat das 2007 gegründete Unternehmen bereits namhafte Partner versammelt, darunter das Institut für Demoskopie Allensbach, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und das Zentralarchiv für empirische Sozialforschung. Die Suche nach weiteren Datenlieferanten geht ständig weiter. "Seit wir die ersten drei großen und seriösen Insitute mit an Bord haben, ist es viel einfacher, weitere Partner zu überzeugen, uns ihre Datensätze zur Verfügung zu stellen", sagt Schwandt. Mit diesen Primärdaten lassen sich direkt auf der Website weitere Berechnungen anstellen .

Verschiedene Filter können interessante Erkenntnisse bringen. Noch ein Beispiel: eine Statistik zum Thema "Lesen Sie Bücher?". Ohne weitere Filterung zeigt das Diagramm, dass das Verhältnis zwischen Deutschen, die intensiv, gelegentlich, selten oder überhaupt nicht Bücher lesen ungefähr gleich ist, jeweils ein Viertel. Trennt man diese Ergebnisse mit wenigen Mausklicks aber nach Geschlechtern auf, zeigt sich, dass unter Frauen das Lesen von Büchern viel verbreiteter ist als unter Männern.

Neben den Primärdaten sammelt Statista auch noch einzelne Statistiken, wie sie in Zeitschriften veröffentlicht werden. Weil in diesen Fällen die Primärdaten nicht zur Verfügung stehen, kann man mit ihnen aber keine weiteren Berechnungen durchführen.

Über die Grenzen blicken

Bis Ende 2008 versprechen die Statista-Macher, die Menge der erfassten Statistiken auf zwei Millionen zu erhöhen. Der Fokus solle in diesem Jahr, so Kröger, auf Daten zu Deutschland liegen, eine Ausweitung auf internationale Statistiken sei aber fest eingeplant. Das von derzeit zehn Mitarbeitern der Statista GmbH gepflegte Angebot soll sich über Werbeplatzierungen finanzieren. Es sei bislang einmalig, so Schwandt. "Selbst in den USA gibt es keine Webseite, die den Besuchern statistische Daten einfach und ansprechend vermittelt."

san mit DPA
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