HOME

Umstrittener Internetunternehmer: Kim Dotcom darf in die USA ausgeliefert werden

Niederlage für Kim Dotcom: Ein Gericht in Neuseeland hat die Auslieferung des deutschen Internetunternehmers an die USA erlaubt. Doch der Gründer der Tauschplattform Megaupload gibt sich noch nicht geschlagen.

Kim Dotcom

Kim Dotcom darf in die USA ausgeliefert werden. "Es ist ein politisches Urteil", beklagte sich der gebürtige Kieler nach der Entscheidung (Archivbild)

Das oberste Gericht in Neuseeland hat die Auslieferung von Kim Dotcom an die USA genehmigt. Richter Murray Gilbert bestätigte am Montag die Entscheidung einer unteren Instanz, die der Auslieferung des umstrittenen deutschen Internetunternehmers und dreier Mitangeklagter bereits zugestimmt hatte.

"Es ist ein politisches Urteil"

Dotcoms Anwälte kündigten umgehend an, vor den Berufungsgerichtshof zu ziehen. "Wir sind weit davon entfernt, geschlagen zu sein", erklärte Verteidiger Ron Mansfield. Die Entscheidung bezeichnete er als "äußerst enttäuschend".

Auch Dotcom selbst äußerte sich: "Es ist ein politischer Fall. Es ist ein politisches Urteil", schrieb der gebürtige Kieler auf Twitter. "Das neuseeländische Copyright-Gesetz (92b) macht deutlich, das ein ISP nicht für Aktionen ihrer User strafrechtlich haftbar gemacht werden kann. Es sei denn du bist Kim Dotcom?" ISP steht für Internetdienstleister.

Kim Dotcom sieht sich als Opfer der Filmindustrie

Die US-Behörden werfen Dotcom massive Urheberrechtsverletzung, Betrug und Geldwäsche vor, ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Der 43-Jährige weist die Anschuldigungen zurück und wirft den US-Behörden seinerseits vor, im Namen der einflussreichen Hollywood-Filmindustrie einen Rachefeldzug gegen ihn zu führen.

Dotcom hatte im Jahr 2005 die Onlineplattform Megaupload gegründet, auf der Internetnutzer Dateien kostenlos hoch- und herunterladen konnten. Das US-Justizministerium beschuldigt ihn und die drei weiteren Betreiber Mathias Ortman, Bram van der Kolk und Finn Batato, die Seite ausdrücklich als Tauschbörse für urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme, Fernsehprogramme und andere Dateien eingerichtet zu haben.

Nach Berechnungen des Ministeriums soll Megaupload mit Urheberrechtsverletzungen einen Gewinn von 175 Millionen Dollar (165 Millionen Euro) gemacht haben, der Schaden soll sich auf mindestens 500 Millionen Dollar belaufen. Das FBI stuft Dotcoms Aktivitäten als größten Fall von Urheberrechtsverletzung in der US-Geschichte ein.

2002 in München wegen Insiderhandels verurteilt

Dotcom wurde 1974 als Kim Schmitz in Kiel geboren, seine Karriere begann er als Computer-Hacker. In den 90er-Jahren war er eine schillernde Figur der New Economy. Nach dem Platzen der Internetblase wurde er 2002 vom Amtsgericht München wegen Insiderhandels mit Aktien zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - er selbst sah sich schon damals als Opfer einer "Hexenjagd".

2005, als er Megaupload startete, änderte er seinen Namen in Dotcom. Im Januar 2012 wurde Megaupload von den US-Behörden abgeschaltet, neuseeländische Polizisten durchsuchten auf US-Antrag Dotcoms Anwesen in Auckland, beschlagnahmten Kunstwerke und mehrere Luxus-Autos und nahmen Dotcom fest. Seitdem wehrt er sich bereits gegen seine Auslieferung. Er besitzt in Neuseeland eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung.

mod / DPA
Themen in diesem Artikel