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Kolumne - Neulich im Netz: Jubiläum: 200 Jahre Schiller tot

Friedrich von Schiller im Glück: In diesem Jahr wird gefeiert. Anders der bekannte Poppoet Jim Morrison, der in diesem Jahr auf ein rundes Fest verzichten muss.

Johannes war in meinem Abiturjahrgang und hatte einen Schlag bei einer bestimmten Sorte Frauen. Er war nicht sonderlich charmant oder originell, sondern laberte sie einfach voll, bis sie sich nicht mehr wehren konnten. Johannes konnte unglaublich labern, dazu brauchte er nicht einmal ein Thema. Luft genügte.

Er laberte immer und immer in diesem monotonen Singsang, halb geflüstert und so einschläfernd wie das 90-Grad-Programm einer Waschmaschine. Von ihm ist bis heute kein Satz bekannt, der auch nur entfernt Sinn ergibt oder ergeben hätte. Böse Zungen behaupten Letzteres auch von Jim Morrison, der zu Lebzeiten Sänger und Textschreiber des Rockquartetts "The Doors" war. Seine Anhänger wiederum zählten ihn zu den bedeutendsten Poeten der Hippieära. Außerdem sah er zunächst recht ansehnlich aus, weswegen es einer bestimmten Sorte Frauen herzlich egal war, was er so den lieben langen Tag sagte.

Milch und Kekse

Der langnasige Musiker Frank Zappa machte sich schließlich lustig über Jim Morrison und schrieb ein Teenagerdrama über einen halbstarken Torfkopf, der in seinem Teenagerzimmer sitzt und grübelt und trotzdem nicht so recht weiß, was er eigentlich wollen soll. Schließlich entschließt er sich, die Tür seines Teenagerzimmers zu öffnen und die Treppen hinunter in die Küche zu gehen, um ein Glas Milch zu trinken. Wenig später hat er Hunger, etwas Grübeln noch, dann geht er wieder die Treppe hinunter, greift zur Keksdose und nimmt seinen Lieblingskeks heraus, den mit der Rosine oben drauf.

Und so verstreicht der Abend mit Gedanken, Milch und Keksen, bis er auf einmal wie von der Tarantel gestochen ins Wohnzimmer stürmt und schreit: "Vater, I will dich töten!" Der aber hat in diesem Moment überhaupt keine Zeit für seinen generationskonfliktentflammten Zögling, sondern etwas zu tun. Daddy "was beating his meat to a Playboy Magazine" und keucht: "Nein, Sohn, nicht jetzt." Was den Teenager so überrascht, dass er erst einmal ratlos guckt und sich dann wieder in sein Zimmer trollt und kleine Tränchen vergießt. Was sehr tragisch für ihn ist, da wieder ein Tag sinnfrei zu Ende geht.

Über Jim Morrison und sein "Doors" genanntes Dilettantenstadel gibt es einen recht aufschlussreichen Film, in dem Morrison keinen vernünftigen Satz sagt. Dabei handelt es sich übrigens nicht um eine Komödie. Morrison starb 1971, weswegen sich sein Todesjahr derzeit nicht für ein Jubiläum eignet.

Wahre Freiheit

Ganz anders Friedrich Schiller, der in diesem Jahr seinen 200. Todestag feiern könnte, wenn er dazu in der Lage wäre. Weil er es jedoch nicht ist, feiern andere für ihn. Die Stadt Jena etwa, über die der Poet und Philosoph zehn Jahre vor seinem Tod schwärmte: "Kein Ort in Deutschland würde mir das sein, was Jena und seine Nachbarschaft mir ist, denn ich bin überzeugt, dass man nirgends eine so wahre und vernünftige Freiheit genießt und in so kleinem Umfang so viele vorzügliche Menschen findet."

So schön sprach Jim Morrison nie über Jena.

Thomas Hirschbiegel