Kolumne - Neulich im Netz Sex am Arbeitsplatz: Priesterschüler und balearische Lüstlinge


Die alte Geschichte vom priesterlichen Doppelkinn geht weiter. Anscheinend haben in Österreich die Diener Gottes sich im großen Stil gegenseitig bedient und die Kutte feste unter dem Kinn eingeklemmt. Sex am Arbeitsplatz - online und hinter geweihten Mauern.

Von den Ausnüchterungszellen für irakische Sittenstrolche unter US-amerikanischer Aufsicht soll hier nicht die Rede sein, das geschieht schließlich weit weg und trifft die Bösen. Da ist die Welt noch in Ordnung. Gar nicht in Ordnung ist sie hingegen dort, wo sie gemeinhin als ordentlich empfunden wird. Doch nun: Das österreichische St. Pölten, ein Sündenbabel sondergleichen. In einem Priesterseminar wurden Zehntausende mehr oder minder eindeutige Fotografien gefunden, akkurat digitalisiert auf katholischen Computern. Der zuständige Bischof spricht von "Bubenstreichen", wenn sich Gottbefohlene innig küssen und einander ans "Gemächt" packen - schließlich gebe es ersteres auch in England unterm Mistelzweig.

Grenzüberschreitende Weltlichkeit

Dem Bischof brennt - im übertragenen Sinne - ganz schön die Kutte. Dass derlei Praktiken hinter hohen Mauern nicht gar so ungewöhnlich sein könnten, legt die Berichterstattung des österreichischen Weltblatts Kurier nahe - Verschwörungstheoretiker und Spekulanten aufgepasst, zur Verdeutlichung sind jene Passagen hervorgehoben, die codiert sein könnten: "Man wisse sich den kirchlichen Ausbildungsnormen verpflichtet, die einen besonderen Schwerpunkt auf die menschliche Reifung der künftigen Priester legen. Dies werde gewährleistet durch ein strenges AUFNAHMEverfahren, ein EINFÜHRUNGsjahr für alle Neueintretenden sowie eine intensive geistliche und menschliche BeGLEITUNG während der Seminarzeit." Vermutlich ist diese Wortwahl aber Zufall gewesen. Ach ja: Ein beschlagnahmter PC war wohl mit polnischen Pornoseiten verstopft. Was eine geradezu grenzüberschreitende Weltlichkeit der jungen Alpenbuben nahe legt.

Nahe gelegt hat auch Juan Carlos Alia, der Jetzt-Ex-Leiter des balearischen Tourismusinstituts, so einiges. Ihm war versehentlich der Eintritt in einen Moskauer Vergnügungstempel (120 Euro) in die Spesenabrechnung gerutscht. Ein Glas mit Freunden habe er trinken wollen, und jetzt kommt's: "Regierungschef Jaume Matas und Tourismusminister Joan Flaquer seien nicht unter den Anwesenden gewesen, sondern zuvor in ihr Hotel zurückgekehrt", schreibt das Touristik-Fachblatt Travel One. Vermutlich gab Herr Alia bereits sein Ehrenwort.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Guido Augustin</a> DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker