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Kolumne - Neulich im Netz: Städte im Web - Ran an den Bürger

Gold für Bad Lippspringe. Souverän gewann die weltbekannte Kurstadt im Niemandsland zwischen Paderborn und Detmold Edelmetall und liegt nun gleichauf mit der osteuropäischen Goethemetropole Weimar.

Das deshalb, weil beide Städte am bundesweiten Aufhübschungswettbewerb Entente florale teilnahmen, die Jury verzauberten und sich nun blühender als Bad Sassendorf, Ebers- und Fürstenwalde, Lampertheim, Magdeburg, Traunstein, Stadthagen, Winterberg oder Wunsiedel nennen dürfen, da all diese Gemeinden nur Silber holten. Von den Bronzegewinnern ganz zu schweigen.

Städte und Gemeinden mit virtueller Kompetenz

Ob das idyllisch in grüner Umgebung zwischen den Höhen des Naturparks Egge auf der einen und dem künftigen Nationalpark Senne auf der anderen Seite gelegene Bad Lippspringe allerdings ähnlich gut abschneiden würde, wenn es um virtuelle Bürgernähe geht, darf bezweifelt werden. Online kann man zwar die Briefwahlunterlagen für die kommende Kommunalwahl anfordern, aber damit hat es sich auch schon weitgehend.

Doch es soll sie geben, die Städte und Gemeinden mit virtueller Kompetenz, weswegen Hessen nun zur Wahl der bürgerfreundlichsten Internet-Kommune 2004 bittet. Surfer dürfen Noten verteilen und die Qualität öffentlicher Onlineangebote bewerten. Welche Kommune unter die Lupe genommen wird, ist egal. Einzige Bedingung: Sie muss hessisch sein.

Deutsche Angebote sind lediglich Mittelmaß

Dass hier noch viel Aufholpotenzial besteht, ist offensichtlich. Im internationalen Vergleich sind deutsche Angebote lediglich Mittelmaß. Zum einen, weil viele Städte bis heute noch nicht einmal eine Ahnung davon haben, welche Möglichkeiten das Internet bietet, sei es als touristische Werbeplattform oder als Instrument für mehr Bürgernähe. Zum anderen, weil es die Bürokratie ist, die sich nach wie vor erfolgreich gegen die Entbürokratisierung wehrt.

Es wird also noch etwas Zeit ins Land ziehen, bis auch die letzte der rund 13.000 deutschen Kommunen im Web freundlich zu ihren Bürgern ist. Bis dahin kann man sich immerhin an Blütenpracht und Floralkunst an Lippe und anderswo erfreuen.

Thomas Hirschbiegel