HOME

Kolumne: Neulich im Netz: Jetzt neu: immer ehrlich

Neulich beim Gemüsehändler. "Nehmen Sie bloß das nicht", sagt er, "schmeckt wie schon mal gegessen und hat null Vitamine". Gut, dann nehme ich eben ... und schon wieder er: "Wenn ich Sie wäre, würde ich die Finger davon lassen."

Neulich beim Gemüsehändler. "Nehmen Sie bloß das nicht", sagt er, "schmeckt wie schon mal gegessen und hat null Vitamine". Gut, dann nehme ich eben ... und schon wieder er: "Wenn ich Sie wäre, würde ich die Finger davon lassen."

Versicherungen im Internet - Vorsicht...

Klingt verrückt, ist auch so niemals passiert. Sollte aber, meint der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., kurz vzbv. Und meint Versicherungen und ihre Angebote im Internet. Diese seien, sagt der vzbv, nämlich nicht ganz so verbraucherfreundlich. Eigentlich seien sie eher das Gegenteil von dem, was man unter "verbraucherfreundlich" verstehe. Eben so wie der Gemüsehändler, den es nicht gibt. Und genau das ist das Problem.

Besuch bei bayrischen Humor-Koryphäen

In seiner trefflichen Kinosatire "Kehraus" brachte es der unvergleichliche Gerhard Polt lange vor dem Internet auf den Punkt, als ein toupettragender Arm-Adel einem nichts ahnenden Gabelstaplerfahrer einen Turm von Versicherungsverträgen unterjubelte. Krönung: Eine Sturm- und Wasserassekuranz fürs Eigenheim, obwohl der Gute hoch oben im Hochhaus wohnte, das obendrein nicht einmal seines war. Womit die Probleme begannen. Wie im richtigen Leben, wie übrigens der Titel der Polt’schen Satirereihe lautet, die vor langer, langer Zeit über die Bildschirme flimmerte und den ganzen Comedy-Hasen von heute links und rechts um die Löffel geschlagen werden sollte. Selbstverständlich nur zur Anschauung.

Fieses Fazit

Zurück zum Thema: Untersucht wurden die Internetauftritte von Versicherungen mit besonders starker Internetpräsenz: Victoria Versicherung AG, DEVK Versicherungen, HUK 24 AG, mamax Lebensversicherung AG, NV-Versicherungen VVaG, DA Deutsche Allgemeine Versicherung AG, Gerling-Konzern, Allianz AG, Gothaer Versicherungen, Ineas BV, ASPECTA Lebensversicherung AG. Fazit: "Bei Hausratversicherungen informiert nur einer der sieben untersuchten Anbieter über den fehlenden Versicherungsschutz bei Elementarschäden wie Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch etc." Und: Bei "Kapital-,Lebens- und fondsgebundenen Versicherungen informiert keiner der Anbieter über die zum Teil erheblichen Abschlusskosten und die daraus resultierende massive Beeinträchtigung der Verfügbarkeit der angesparten Gelder. In der Angebotsberechnung wird nur in einem einzigen Fall die unterstellte Verzinsung genannt, jedoch wurde auch hier keinerlei Aussage dazu gemacht, worauf sich die Verzinsungsannahme gründet".

Schuld hat immer Carsten Spengemann

Das klingt nicht gut. Kann aber eigentlich auch gar nicht sein. Denn nicht zuletzt die Versicherer sind sich immer wieder ziemlich sicher, ihren Kunden alles haarklein zu erklären. Und zwar auf den vielen, vielen eng beschriebenen Blättern mit der hell aufgedruckten Schrift in Mickymaus-Größe, die selbst ausgewiesene Scharfseher nur mit Lupe entziffern können. Was übrigens noch lange nicht heißt, dass dann auch alles verstanden ist. Aber man muss die Typen ja erst gar nicht reinlassen ins virtuelle Wohnzimmer. Denn wenn anschließend der Ring auf dem kistenähnlichen Nachttisch fehlt, soll es wieder mal nur einer gewesen sein: Carsten Spengemann, akkurat sitzendes Brusthaartoupet eines Fernsehtalentschuppens.

Und das kann ja wohl nicht die Absicht des vzbv sein.

Thomas Hirschbiegel