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Microsoft erneuert E-Maildienst: Aus Hotmail wird Outlook.com

Microsoft verwandelt das alte Hotmail in Outlook.com und attackiert die Konkurrenz von Google mit mächtigen Features und einem Datenschutzversprechen.

Von Gernot Kramper

Mehr Sein als Schein, ist das Motto des neuen Freemailers von Microsoft. Die Oberfläche von Outlook.com - so der Name des Hotmail-Nachfolgers - wirkt geradezu puristisch aufgeräumt. Dabei lockt Microsoft mit spannenden technischen Features und verspricht deutlich mehr Datenschutz und Privatsphäre als wichtige Wettbewerber. Die Veränderungen betreffen immerhin 350 Millionen Hotmailnutzer. Seit dem Start von Outlock.com haben sich eine Million neuer Nutzer eingetragen. Konkurrent Gmail kommt heute auf etwa 425 Millionen Nutzer.

Im um den Datenschutz besorgten Deutschland dürfte vor allem diese Ankündigung von Microsoft-Manager Chris Jones im Firmen-Blog gut ankommen. "Wir scannen Ihre E-Mail-Inhalte oder Anhänge nicht und verkaufen sie nicht an Werbetreibende oder andere Firmen", verspricht Jones. Das ist ein deutlicher Seitenhieb auf Google, dessen Systeme das Gmail-Postfach automatisch durchforsten, um passende Textwerbung einzublenden. Außerdem soll das neue Outlook mehr Mitsprache ermöglichen. "Wir lassen Sie entscheiden, ob Sie ihren E-Mail-Account mit Sozialen Netzwerken verknüpfen wollen und welches Sie dann nutzen möchten", so Jones weiter. Gmail dagegen ist fest mit dem Sozialen Netzwerk Google+ verzahnt.

Cloudcomputing leicht gemacht

Beachtlich sind auch die Features, die Microsoft dem Programm mitgibt: Der neue Dienst lässt sich mit Sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook oder LinkedIn verknüpfen. Per E-Mail zugesandte Dokumente lassen sich direkt anschauen und bearbeiten. Microsoft hat Outlook.com dafür Online-Versionen seiner Büroprogramme Word, Excel und PowerPoint spendiert.

Die leichte Verfügbarkeit der Office-Programme dürfte die beherrschende Stellung von Microsoft bei der Bürosoftware absichern. Gleichzeitig können die User ihre Daten in Microsofts Online-Speicher Skydrive ablegen. "Wir denken, es ist an der Zeit, die persönliche E-Mail neu zu erfinden", schreibt Microsoft-Manager Jones.

Das klingt selbstbewusst, ist aber noch eine Untertreibung. Tatsächlich dürfte Outlook.com für Privatpersonen der denkbar einfachste Einstieg ins Zeitalter des Cloud-Computing sein. Das neue Outlook.com kann den Schreibtisch und die eigene Festplatte ersetzen. Die Versprechen von Microsoft in Sachen Datenschutz könnten auch vorsichtige User bewegen, ihre Daten dem neuen Dienst anzuvertrauen.

Der Schreibtisch wandert ins Netz

Outlook.com wird auch in Zukunft kostenlos bleiben, verfügt - so Microsoft - über nahezu unbegrenzten Speicher, einen Spamschutz und wird in weiten Teilen werbefrei bleiben. Noch sind allerdings nicht alle Funktionen verfügbar. So wird der von Microsoft übernommene Internettelefonie-Dienst Skype erst später integriert.

Der neue Dienst löst auf Dauer das bekannte Hotmail ab. Bestehende User können mit wenigen Klicks ins neue Programm wechseln und sich - wenn gewünscht - eine Mail-Adresse mit der Domain outlook.com sichern. Hotmail war 1996 gegründet worden. Konkurrent Gmail kam 2004 heraus. Der Google-Dienst punktete mit einem damals unglaublichen Speicherplatz von einem Gigabyte. Andere Dienste hatten wesentlich weniger Speicher oder kosteten Geld. Auch die Suchfunktion für E-Mails stach bei Googles Dienst heraus. Nun werden die E-Mails mit hotmail.com nach und nach verschwinden. Das E-Mail-Marketing-Blog "Emailblog.eu" schrieb bereits: "RIP Hotmail 1996 - 2012: Es hat Spaß gemacht."

Gernot Kramper mit DPA