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Neue Gruppen-Funktionen: Lauter kleine Facebooks

Fast wie im richtigen Leben: Facebook-Nutzer können nun getrennte Freundes- und Bekanntenkreise pflegen. Dafür wurde das Gruppen-Feature komplett überarbeitet.

Auf einer groß angekündigten Presseveranstaltung hat Facebook drei neue Funktionen vorgestellt, die Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten geben. Die Experten-Reaktionen auf die Updates sind verhalten. Sie seien sinnvoll, rechtfertigten aber nicht das Brimborium, das das Unternehmen deswegen gemacht habe. Die neuen Funktionen sollen in den kommenden Wochen weltweit aktiviert werden.

Mini-Facebooks für einzelne Freundeskreise

Facebook-Nutzer können künftig auch mehrere Freundeskreise haben. Mit dem neuen Dienst "Groups" können mehrere parallele Netzwerke gebildet werden, beispielsweise getrennt nach Familie, Freunden und Arbeitskollegen. Bisher mussten Facebook-Nutzer für jeden in ihrer Freundesliste extra einstellen, ob dieser private Informationen, Fotos und Videos sehen darf. Das soll auch künftig gelten, allerdings können diese Einstellungen für Freundeskreise auch vorher zusammenfasst werden. Eine Gruppen-Funktion gab es bereits vorher in Facebook, sie wurde komplett umgebaut und überarbeitet.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte, das "größte Problem" bei sozialen Netzwerken sei, dass die Menschen dazu neigten, ihre Bekannten in mehrere Freundeskreise aufzugliedern. Die Nutzer hätten sich mehr Möglichkeiten gewünscht, beim Teilen ihrer Informationen den Empfängerkreis genauer einzugrenzen, räumte Zuckerberg ein. "Ich würde etwas ja online mit anderen teilen, aber ich möchte das nicht gleich 250 Leuten zeigen. Oder meiner Oma. Oder meinem Chef", umschrieb der Facebook-Gründer die Gedankengänge der Nutzer. Facebook erlaube nun, dieses Verhalten in der Realität auch im Internet abzubilden. In den einzelnen Freundeskreis-Gruppen können die Nutzer künftig separat kommunizieren, unter anderem auch über E-Mails und Chats. Es soll sogar ein einfaches Dokumentenverwaltungssystem für die Gruppenmitglieder geben.

Mit dem Umbau macht Zuckerberg einen Schritt zurück, was die Offenheit der Informationen angeht: Vor wenigen Monaten hatte er noch betont, der Trend sei nach seiner Ansicht, dass die Nutzer ihre Daten frei zugänglich machen wollten.

Download eigener Inhalte

Außerdem stellte Facebook ein neues Tool vor, mit dem Informationen, Bilder, Kommentare oder Videos, die Nutzer auf ihr Facebook-Profil geladen haben, wieder heruntergeladen werden können. Vor dem Empfang der Daten muss der Nutzer allerdings eine Reihe von Bestätigungen durchgehen. Neben der Passwortabfrage können das auch Kontrollfragen zu dem gewünschten Material sein. Woher die Informationen zur Wiedererkennung jedoch kommen, ist bisher nicht ganz klar. Auch Zuckerbergs Eintrag im Firmenblog bleibt in diesem Zusammenhang schwammig.

Welche App will was?

Ein weiteres Instrument namens "Dashboard" soll eine Zusammenfassung darüber bieten, welche der zahlreichen Facebook-Apps Zugriffe auf das eigene Profil getätigt haben und welche Freigaben man den Apps erteilt hat. Besonders beliebte Apps sind die Spiele "Farmville" und "Mafia Wars". Die Apps waren Datenschützern immer ein Dorn im Auge gewesen, weil sie Zugriff auf die Profile der Nutzer verlangen. Mit dem neuen Dashboard verspricht Facebook mehr Kontrolle über die datenhungrigen Programme. "Ihre Information gehört Ihnen. Sie sollten diese kontrollieren können. Sie sollten damit machen können, was immer Sie damit machen wollen", sagte Zuckerberg.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf Kritik von Datenschützern reagiert"

DPA/AFP/san / DPA
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