Neues Netzwerk Ello Mehr Sex, mehr Stil und weniger Mutti


Facebook hat jeder, Ello ist für Digital-Ästheten: Wild, cool und etwas schmutzig. Doch rein dürfen nur geladene Gäste.
Von Kathrin Weßling

Na, noch allein? Dann Willkommen bei Ello, dem neuen Social-Network, das eigentlich gar nicht mehr neu, dafür aber gerade jetzt erst bekannt wird. Ello ist so etwas wie der schüchterne, lässige Kunststudent des Internets, der seit ein paar Wochen und Monaten durch das Netz schlurft und gar nicht so viel Aufmerksamkeit erwartet hatte. Bis ihn die digitale Welt in dieser Woche entdeckt hat - und plötzlich wollen sie alle zu Ello, weg von Facebook, weg von Werbung, weg von Mama und Papa in der Freundesliste.

Wer ist dieser Ello bloß, fragen alle und die Antwort ist kompliziert. So besonders ist das neue Netzwerk nicht. Ein bisschen wie der Student: Keine Lust auf Werbung, "porn-friendly" und deshalb muss ihm auch keiner den eigenen Namen sagen, denn wo Porno ist, bleibt der Klarname besser weg. Nicht jedes Ello-Mitglied muss gleich Pornobilder sammeln, dafür gibt es ja auch Tumblr, aber bei Ello entkommt er der strengen Hausordnung von Facebook. Ello mag außerdem große Bilder und Videos, kümmert sich nicht um Ordnung oder Übersichtlichkeit und ist daher gerne auch mal verwirrend.

Schick und chaotisch

Kurz: Die Beziehung mit Ello ist kompliziert. Aber warum sollte man Ello trotzdem ziemlich dringend kennenlernen wollen? Nun: Das Netzwerk sieht einfach ziemlich gut aus. Ein bisschen wie eine Mischung aus Tumblr, Design-Portfolio und Facebook. So gekonnt, dass es neben Facebook wirkt wie ein schwedisches Design-Hotel neben einer Pension in Sachsen-Anhalt.

Und noch etwas macht die Seite zu einem Ort für Menschen, die es eben nicht funktional wollen, sondern in erster Linie schick: An Ello kommt man nur mit Einladung ran. Im Netz heißt das Invite und diesen Invite bekommt man nur, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der Ello schon ziemlich gut kennt. Sobald man sich angemeldet hat, spendiert die Seite fünf weitere Invites, die man verschicken kann. Das Ganze nennt sich Beta-Phase und es ist vergleichbar mit einer Privatparty, einer geschlossenen Gesellschaft für hippe Digital Natives.

Gegen Facebook wird sich das Netzwerk vermutlich nicht durchsetzen, aber vielleicht will einer wie Ello das auch gar nicht. Der freut sich nämlich auch, wenn alle ihn schön finden, ein bisschen Zeit mit ihm verbringen und dann und wann mal vorbeischauen.


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