NEULICH IM NETZ Platz für alle: zwei riesen Dinger


Internet, soll Dieter Bohlen einmal gesagt haben, sei irgendwie voll doof. Deshalb macht er irgendwie auch nichts Gescheites im Web. Aber immer noch besser als das, was die Verwandtschaft zum Besten gibt.

Internet, soll Dieter Bohlen einmal gesagt haben, sei irgendwie voll doof. Deshalb macht er irgendwie auch nichts Gescheites im Web. Aber immer noch besser als das, was die Verwandtschaft zum Besten gibt.

Zum einen wäre das der Onkel oder sonst wer, der unter bohlen.de Versicherungen, Sprengtechnik und Gemakels feil bietet. Zum Zweiten Cousin Dieter wahrscheinlich, der unter dieter.de »Innovation in Stick- und Drucktechnik« präsentiert. Alles recht blass und öde - wie Bohlens schönes Lied zum Verarbeiten des 11. Septembers, das Bohlen sehr einfühlsam »When The Sky Rained Fire« nannte. Dieses etwas zu lang geratene Stück ist eines der vielen Highlights der viel zu früh erschienenen CD »Victory«, deren Titel sich allerdings auf die Formel 1 beziehen soll. Das Cover des Albums ist übrigens zugleich eines von drei wesentlichen Elementen, die die ganz in der Familientradition gestaltete Website der Bohlen-Combo Modern Talking zieren.

Irgendwie Anders

Element zwei: Der Hinweis auf den Umstand, dass der Zweite in der Bohlen-Band nicht auch Dieter Bohlen, sondern ein gewisser Thomas Anders sei, der ebenfalls eine eigene Website besitzt. Element drei: Eine steigende Benzinstandsanzeige in Form von Bohlen und Anders, die von links nach rechts über einen Stein schwuppt, kurz verbleibt, dann verschwindend, aber nur, um sofort wieder hochzuschwuppen. So geht das die ganze Zeit. Internet kann so langweilig sein. Muss es aber nicht, denn Dieter Bohlen hat jetzt seine Biographie geschrieben. Sagt er jedenfalls.

Unheimlich lieb und mit Riesen...

Sie heißt »Nichts als die Wahrheit«, ist auch nicht wirklich im Netz, aber dort vielerorts Thema. Womit sich immerhin bewahrheitet, dass im Web Platz für alle ist. Irgendwie. Außerdem muss das Ding ja auch verkauft werden. Weswegen sich alle amüsieren über Dieter, der so schreibt wie er spricht: »Ich kriegte einen Anruf von meiner Plattenfirma.« Im gekriegten Anruf war die Rede von Brigitte Nielsen, der drüsenstarken Meduse, seinerzeit Gemahlin des Muskeldarstellers Sylvester Stallone. Was Bohlen auch beeindruckte: »Sie war unheimlich lieb und hatte zwei riesen Dinger.«

Der Wahnsinn lauert im Chat

Wie dem auch sei. Der »Pop-Titan« (Bild) flog zur Ansicht nach Los Angeles, sein übliches Lied im Koffer und wenig später mit einem »Fuck me« aus Brigittes Lippenstift auf der Stirn. Kurz darauf wieder Zuhause in Tötensen, jenem Ort, in dem das Haus steht, von dessen Balkon aus Dieter Bohlen mitunter seine Herzensdame splitterfasernackt durch die Nacht schickt und selbst mit T-Shirt und Flinte bekleidet auf die Exekutive trifft. Und warum? Weil irgendein Wichtigtuer im Chat ein Fräulein verwirrt, das daraufhin schwerbewaffnete Polizei Haustüren niederrennen lässt. Irgendwie scheint Dieter Bohlen doch Recht zu haben: Internet ist irgendwie voll doof. Oder so.

Thomas Hirschbiegel


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