Rechtsstreit Wikipedia.de funktioniert wieder


Im Streit über die deutsche Domain des Internet-Lexikons Wikipedia haben die Betreiber einen Teilsieg vor Gericht erzielt. Eine einstweilige Verfügung ist außer Kraft gesetzt worden. Der zugrunde liegende Streit wurde noch nicht beigelegt.

Das freie Online-Lexikon Wikipedia ist wieder unter der deutschen Adresse Wikipedia.de erreichbar. Die Anfang der Woche verhängte einstweilige Verfügung wegen der Namensnennung des verstorbenen Hackers "Tron" sei vorläufig ausgesetzt worden, teilte die Wikimedia Deutschland am Freitag mit. Durch eine Verfügung des Amtsgerichts Charlottenburg vom 17. Januar war der Gesellschaft zunächst untersagt worden, von der Internet-Adresse Wikipedia.de auf die deutschsprachige Seite der Enzyklopädie weiterzuleiten.

Die einstweilige Verfügung war nach Angaben eines englischsprachigen Wikipedia-Eintrags von der Familie des unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommenen Hackers "Tron" erwirkt worden. Der Name des Sohnes sei allerdings in der einstweiligen Verfügung nicht genannt worden, berichtet Wikimedia Deutschland. "Lediglich aus dem Nachnamen eines der zwei Antragsteller ließ sich vermuten, warum uns die Weiterleitung untersagt wurde", hieß es.

Zweifel an Trons Selbsttötung

Hintergrund des Streits ist ein Eintrag unter anderem in der deutschsprachigen Lexikon-Ausgabe, in der der bürgerliche Name des Hackers genannt wird. "Tron" war im Oktober 1998 in einem Berliner Park erhängt aufgefunden worden. Die Ermittlungsbehörden kamen zu dem Schluss, dass der Hacker Selbstmord begangen habe. Die offizielle Todesursache wird allerdings bis heute vielfach bezweifelt.

Eine der Theorien um die mysteriösen Todesumstände geht davon aus, dass "Tron" Mordopfer des Geheimdienstes oder der organisierten Kriminalität geworden ist. Der hoch intelligente "Hacker" hatte sich auf die Entschlüsselung zum Beispiel von Pay-TV-Karten spezialisiert und entwickelte ein Telefon, dass die Sprachsignale verschlüsselt übermittelt.

Einstellung der Zwangsvollstreckung erwirkt

Formaljuristisch habe die einstweilige Verfügung dennoch weiter Bestand, teilt die Gesellschaft mit. "Bis endgültig über die Rechtmäßigkeit des Beschlusses entschieden ist, entfaltet der Beschluss aber keine Wirkung mehr für uns", hieß es auf der Website. Die Rechtsanwälte des Vereins hätten jedoch mit einem Eilantrag die Einstellung der Zwangsvollstreckung erwirkt. Über den Widerspruch werde das Gericht voraussichtlich in der fünften Kalenderwoche entscheiden.

Wikipedia.de dient eigentlich nur der Weiterleitung auf das internationale Wikipedia-Angebot, wo die deutschsprachige Ausgabe mit derzeit mehr als 343.000 Einträgen zu den zehn größten gehört. Insgesamt gibt es laut wikipedia.org Ausgaben in 212 Sprachen.

DPA/AP AP DPA

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