VG-Wort Pixel

Schulnoten der Kinder manipuliert Wie "Hacker-Mom" die Behörden narrte


Jahrelang ging Catherine Venusto auf Schulservern ein und aus und verbesserte die Noten ihrer Kinder. Nun steht "Hacker-Mom" vor Gericht, ihr droht eine lange Haftstrafe.
Von Christoph Fröhlich

Klar, Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder, besonders wenn es um deren Schulnoten geht. Doch Catherine Venusto war wohl etwas zu ehrgeizig: Die 45-jährige Mutter zweier Kinder aus New Tripoli im US-Bundesstaat Pennsylvania hat sich mehr als tausend Mal unerlaubt Zugang zu den Computersystemen der Schulbehörde verschafft und die Noten ihrer Kinder verändert, berichtet die Nachrichtenseite ABC. Über ein Jahr konnte sie demnach in den Servern der Schule ein- und ausgehen, E-Mails der Lehrer lesen und auf interne Daten zugreifen.

98 Prozent sind nicht genug

Am 16. Juni 2010 trieb sie es auf die Spitze: Vernusto loggte sich in das zentrale Notenbuch des Schulbezirks ein und machte aus einem "Ungenügend" (Note 5) ihrer Tochter eine Entschuldigung aus "gesundheitlichen Gründen". Das Unglaubliche: Niemanden schien der Betrug aufzufallen, und ihre Tochter war in dem Fach nicht durchgefallen.

Etwa ein Dreivierteljahr später, am 3. Februar 2011, loggte sie sich erneut in das Schulnotenregister: Sie schraubte die ohnehin sehr gute Bewertung ihres Sohnes von beeindruckenden 98 Prozent auf imposante 99 Prozent. "Uns wurde versichert, dass nur diese beiden Bewertungen verändert wurden", versicherte Mary Ann Wright, Leiterin des Northwestern Lehigh Schulbezirks, gegenüber der Nachrichtenseite timesleader.com.

Doch wie konnte sich Catherine Vernusto überhaupt jahrelang Zugang in die Systeme der Schulbehörde verschaffen? Obwohl sie in den USA bereits "Hacker Mom"genannt wird, kann von Hacken keine Rede sein. Im Gegenteil: Die digitalen Einbrüche wurden ihr sehr leicht gemacht. Vernusto arbeitete von 2008 bis April 2011 als Sekretärin in der Behörde und kannte so die Zugänge der Mitarbeiter. Diese blieben nach ihrer Kündigung unverändert, auch die Sicherheitsvorkehrungen wurden nicht erhöht. So konnte sich Venusto allein mit dem Kennwort der Bezirksschulleiterin in nur anderthalb Jahren mehr als 110 Mal einloggen. Auch von neun weiteren Mitarbeitern, viele waren in leitenden Positionen mit Zugang zum Computersystem tätig, soll sie die Kennwörter gekannt haben.

Aus Neugier und Langeweile

Aufgeflogen ist sie nur durch einen Zufall: Einem Rektor fiel eines Tages auf, dass die Bezirksschulleiterin Wright im Computersystem der Schule eingeloggt war und sich am Notenbuch zu schaffen machte. Er fragte nach den Gründen, wobei sich herausstellte, dass sie sich gar nicht angemeldet hatte. Jemand anderes hatte sich also mit ihren Zugangsdaten eingeloggt.

Die Schulbehörde reagierte sofort und schaltete die Server ab und informierte die Polizei. Schnell wurden die Behörden auf die 45-jährige Mutter aufmerksam und konfrontierten die Frau mit den Vorwürfen. Sie gestand, sich Zugang zu den Servern der Schulbehörde verschafft und auch die Noten ihrer Kinder manipuliert zu haben. Vor Gericht gab sie später an, dies aus "Langeweile" und "Neugier" getan zu haben.

Sie entschuldigte sich für das Verhalten und räumte ein, sich "unethisch" verhalten zu haben, aber auf keinen Fall strafbar. Die Behörden sehen das anders: Venusto wird nun vorgeworfen, sich unerlaubt Zugang zu geschützten Computersystemen verschafft zu haben, was in den USA als schwere Straftat eingestuft wird. Sie wurde vergangene Woche gegen eine Kaution von 30.000 Dollar freigelassen, die sie aber nur bezahlen muss, wenn sie nicht zu ihrer Anhörung an diesem Donnerstag vor Gericht erscheint.

Bis zu 90.000 Dollar Strafe

Wird sie schuldig gesprochen, drohen der Frau bis zu 42 Jahre Haft oder ein Bußgeld von 90.000 Dollar, verkündete die Bezirksstaatsanwältin Debbie Garlicki gegenüber dem Radiosender ABC News. In wenigenTagen werden die Richter entscheiden, ob Venusto nur unethisch gehandelt hat - oder illegal.

Der Schulbehörde sollte der Fall auf jeden Fall zu denken geben: Zwar reagierte sie nach Bekanntwerden des Einbruchs schnell und nahm die Server vom Netz, allerdings waren die Computersysteme kaum gesichert. Auch dass die Sekretärin die Zugangsdaten ihrer Chefin kannte und diese nach ihrem Ausscheiden aus der Behörde nicht geändert wurden, sorgt derzeit in den USA für Diskussionen.

Hier können Sie dem Verfasser auch auf Twitter folgen


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker