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Spitzel-Software Pegasus-Hack: Israel ermittelt gegen NSO Group und durchsucht ihre Büros

Spitzel-Software: Das Hauptquartier der NSO Group in Herzliya, Israel wurde von den Behörden durchsucht
Das Hauptquartier der NSO Group in Herzliya, Israel wurde von den Behörden durchsucht
© Daniella Cheslow/ / Picture Alliance
Mit ihrer Schadsoftware Pegasus sorgte die NSO Group für weltweite Aufmerksamkeit. Nun mischt sich auch die israelische Regierung ein. Die Spitzel-Firma reagiert darauf überraschend.

Die Nachricht ging rasant um die Welt: Mit der Spitzelsoftware Pegasus konnten Kunden des Unternehmens NSO Group Smartphones rund um den Globus knacken und ohne Wissen der Besitzer auf intimste Daten wie Chats, die Kamera oder das Mikrofon zugreifen. Unter den Opfern: Politiker, Journalisten und Aktivisten. Nun untersucht auch die israelische Justiz den Fall.

Das bestätigte das Verteidigungsministerium des Landes in einem in hebräischer Sprache abgesetzten Tweet. Demnach hätten Vertreter verschiedener staatlicher Stellen am Mittwoch die Büros der NSO Group aufgesucht, um die gegen das Unternehmen vorgebrachten Vorwürfe zu untersuchen. Welche Behörden genau involviert sind, wurde nicht genannt. Laut israelischen Medienberichten sollen sich aber auch das Außenministerium, das Justizministerium, der Geheimdienst Mossad und der Militärgeheimdienst mit dem Vorfall befassen.

NSO Group reagiert überraschend

Der Besuch der Behörden wurde mittlerweile auch von der NSO Group selbst bestätigt - und überraschend kommentiert. Gegenüber der "MIT Technology Review" gab sich Shalev Hulio, der CEO des Unternehmens, sogar dankbar. "Ich glaube, es ist sehr gut, dass sie das prüfen", erklärte er. "Dann wird nämlich die Wahrheit herauskommen: Die Liste existierte nie und sie hat nichts mit NSO zu tun." Statt einer Durchsuchung sprach die Firma von einem "Besuch" oder einer "Inspektion" durch die Behörden.

Die angesprochene Liste ist einer der Kernvorwürfe gegen das Unternehmen. Unter Mithilfe von Amnesty International hatten Journalisten auf dem der NSO Group zugeordneten Dokument 50.000 Telefonnummern ausgemacht, die von Kunden des Unternehmens seit 2016 zur Überwachung angegeben worden sein sollen. Auf der Liste fanden sich neben Spitzenpolitikern auch zahlreiche Journalisten und Aktivisten. Mindestens zwei der gelisteten Personen kamen mittlerweile gewaltsam zu Tode, einer von ihnen ist der saudische Journalist und US-Bürger Jamal Kashoggi, dessen brutale Ermordung für Schlagzeilen sorgte. Amnesty bleibt bei der Darstellung, die Liste sei klar der NSO Group zuzuordnen. 

Warum sich die israelischen Behörden genau mit dem Fall beschäftigen und welche Vorwürfe im Detail untersucht wurden, ist offiziell nicht bekannt. Die internationalen Verwerfungen gegenüber dem Heimatstaat des Unternehmens dürften aber sehr sicher eine Rolle spielen. Selbst beim engen Verbündeten USA riefen Kongressabgeordnete der regieredenden Demokraten dazu auf, die Vorwürfe zu untersuchen und Maßnahmen gegen die NSO Group zu ergreifen. 

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Diplomatische Verwerfungen

Vor allem das Verhältnis zu Frankreich hat erheblich gelitten. Der französische Präsident Emmanuel Macron ist eine der Personen auf der Liste, entsprechend säuerlich reagierte der Staat auf die Enthüllungen. Nun versuchte der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz bei einem Treffen mit seiner französischen Amtskollegin Florence Parly, die Wogen zu glätten. "Israel begutachtet die Vorwürfe mit höchster Ernsthaftigkeit", erklärte Gantz Parly bei einem Besuch in Paris, bei dem unter anderem die Erkenntnisse der beiden Staaten zur Spionage-Affäre ausgetauscht werden sollen, berichtete "Reuters". 

Im Falle eines Missbrauchs sei man auch bereit, die Möglichkeit der NSO Group zu nutzen, die Software für den gegen Regeln verstoßenden Kunden einfach abzuschalten, sagte ein Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums der Agentur.

Quellen: Technology Review, The RecordReuters


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