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"Shadowbanning" Tiktok versteckt Videos mit LGBTQ-Hashtags in mindestens acht Sprachen

Tiktok
Die Videoplattform Tiktok stand bereits letzten Jahr aufgrund von verborgenen Inhalten in der Kritik
© Jens Kalaene / dpa-Zentralbild / DPA
Wie das Australian Strategic Policy Institute herausfand, versteckt Tiktok Videos mit LGBTQ-Hashtags unter anderem in arabischer und russischer Sprache – über etwaige Ländergrenzen hinaus.

Die Videoplattform Tiktok erfeut sich an wachsender Beliebtheit: Über 700 Millionen Nutzer weltweit soll die App bereits im Juli 2020 gehabt haben, trotz etwaiger Kontroversen um das Thema Zensur. Bereits im letzten Jahr wurde der Plattform vorgeworfen, unter anderem Videos von behinderten Menschen versteckt zu haben. Nun kam das Australian Strategic Policy Institute zu dem Schluss: Tiktok verbirgt in der Suche LGBTQ-Hashtags in mindstens acht Sprachen, darunter russische und arabische Schlagwörter. Auch über entsprechende Ländergrenzen hinaus werden die Hashtags offenbar verborgen. Darüber berichtete zunächst "Netzpolitik.org". 

Beim "Shadowbanning" werden entsprechende Videos nicht von der Plattform gelöscht, aber in der Suche unauffindbar gemacht: Statt der Clips zeigt die App dann eine Fehlermeldung an. Das sei beispielsweise bei den Hashtags #GayArab oder #ягей (russisch für "ich bin schwul") der Fall.

Tiktok: Man müsse sich an lokale Gesetze halten

Tiktok erklärt das Vorgehen gegenüber dem Institut damit, dass einige Hashtags aufgrund von lokalen Gesetzen unterdrückt werden müssten. So gilt etwa in Russland ein Verbot für "Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen" – das würde allerdings nicht erklären, warum die Hashtags weltweit veborgen werden und nicht nur innerhalb der betroffenen Länder.

Das Unternehmen sagte dazu weiterhin, einige der Schlagwörter würden zum Suchen von pornografischen Inhalten genutzt und daher blockiert werden. Bei den restlichen unauffindbaren Hashtags handele es sich um Fehler, die nun behoben seien.

Politische Hashtags ebenfalls betroffen

Dem Australian Strategic Policy Institute zufolge sollen auch politische Hashtags wie #acab ("all cops are bastards") in der Suche verschwunden sein, das User vermehrt im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Protesten nutzten. Zwei Mal sei das Schlagwort in der Suche längerfristig verborgen gewesen, was Tiktok ebenfalls mit technischen Fehlern begründete.

Tiktok hatte sich gerade erst dazu bekannt, den freiwiligen Verhaltenskodex gegen Hassbotschaften der EU-Kommission unterzeichnen zu wollen. Damit verpflichtet sich das Unternehmen dazu, wirksam gegen illegale Hassrede auf der eigenen Plattform vorzugehen.

Quellen: Australian Strategic Policy Institute, "Netzpolitik.org"

meh

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