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Twitter-Held "Das ist grundlegender Respekt!" – 17-Jähriger geht mit seiner Transgender-Etikette viral

Twitter-Post von Martin
Mit seiner Etikette ging Martin auf Social Media viral
© Screenshot Twitter: @unsolvedtwt
Martin aus Kanada wollte nach dem Coming-out von Elliot Page zur Aufklärung beitragen und erklärte die "Dos" und "Don'ts" im Umgang mit Trans-Menschen. Dafür erhielt er eine wahre Welle an Reaktionen.

"Angesichts des Coming-outs von Elliot Page möchte ich in diesem Beitrag an die grundlegende, absolut grundlegende Trans-Etikette erinnern", schrieb der 17-jährige Martin aus Kanada am Dienstag auf Twitter. Sein Leitfaden für die korrekte Ansprache und den respektvollen Umgang mit Trans-Menschen ging durch die Decke: Der Tweet wurde mittlerweile mehr als 75.000 Mal geteilt, hat mehr als 220.000 "Gefällt mir"-Angaben und viele Tausend Kommentare erhalten. Auch auf Instagram kursieren bereits Screenshots des Tweets und werden geteilt.

Der britischen "Daily Mail" schrieb Martin via Instagram-Direktnachricht, warum er die Etikette veröffentlicht hat: "Ich wusste, dass es Reaktionen auf Elliots Coming-out geben würde, die unbeabsichtigt verletzend sein würden." Anschließend erklärte er, dass das beispielsweise die Verwendung seines Geburtsnamens oder das Stellen aufdringlicher Fragen sein könnte. "Ich hielt es für wichtig, eine Liste zusammenzustellen, über die neue CIS-Verbündete Bescheid wissen sollten."

Die Transgender-Etikette nach Martin

Nach seiner Einführung begann er, die wichtigsten Punkte aufzulisten. Hierbei konnte Martin aus seiner eigenen Erfahrung schöpfen und sorgte so für realitätsnahe Hinweise:

  • "Verwende niemals den Geburtsnamen. Niemals. Der Name ist tot. Vergiss, dass es ihn jemals gab."
  • "'Sie ist jetzt ein Er' ist der schlimmste Satz. Sagt das nicht."
  • "Korrigiere Leute, wenn sie die falschen Pronomen verwenden!!!"
  • "Frage verdammt noch mal nicht nach, welche Operationen die Person hatte oder geplant hat."
  • "'OMG, ich wusste gar nicht, dass du trans bist' ist nicht das Kompliment, für das man es halten könnte."
  • "Wenn dir der falsche Name oder das falsche Pronomen rausrutscht, ist das okay. Korrigiere dich einfach schnell und rede weiter. Mach da keine große Sache draus – um Himmels willen mach da keine große Sache draus!"
  • "Strenge dich bei den Pronomen an."
  • "'Er, sie, es, was auch immer' ist nicht der lustige Kommentar, für den du ihn halten magst."
  • "Frage nach, was du tun kannst, um die Person zu unterstützen."
  • "Du kriegst keinen besonderen Preis, weil du den richtigen Namen oder die richtigen Pronomen verwendet hast. Das ist grundlegender Respekt. Tu nicht so, als tätest du der Person einen Gefallen."
  • "Jeder entwickelt sich auf seine eigene Art und Weise und in seinem eigenen Tempo. Es ist nicht deine Aufgabe, das zu kontrollieren."
  • "Frage nicht nach, ob sich die sexuelle Ausrichtung der Person geändert hat. Darüber wird sie von sich aus sprechen."
  • "Seid verdammt noch mal einfach respektvoll, Leute. Das ist nicht schwer."

Zuvor hatte Martin auf das Coming-out des "Juno"-Stars reagiert und geschrieben: "Hey Elliot Page: Willkommen in der Gemeinschaft, Bruder. Wir sind für dich da." Ans Ende dieses Tweets setzte er zusätzlich die blau-rosa-weiße Transgender-Flagge. 

Reaktionen auf den Tweet

"Die Antworten waren sehr unterschiedlich, obwohl es in den meisten Fällen wirklich Leute angezogen hat, die etwas über die 'Dos' und 'Don'ts' lernen wollten", schreibt Martin der "Daily Mail". Er habe viel Zeit darauf verwendet, auf die Kommentare und Fragen zu antworten, denn die Intention hinter dem Beitrag sei ja gewesen, zur Aufklärung beizutragen. "Leider haben auch einige transphobe Menschen reagiert, denen ich zuerst auch geantwortet habe", beschreibt er. Er habe dann aber bemerkt, dass das bei uneinsichtigen Menschen reine Zeitverschwendung ist..

Wie Martin in einem Youtube-Video erzählt, konnte er zunächst nicht glauben, dass sein Tweet in der Instagram-Story von Emma Portner, der Ehefrau von Elliot Page, aufgegriffen worden war. Als Martin sich die Story der Schauspielerin angesehen hat, bestand sie lediglich aus dem Coming-out ihres Mannes und aus Martins Tweet inklusive eines Swipe-up-Links zum vollen Beitrag. So richtig glauben konnte der 17-Jährige das Ganze selbst noch nicht, als er in seinem Video darüber spricht. 

Martin erklärte auf Twitter, dass er den Tweet stumm schalten musste, weil sein Smartphone "absolut explodiert sei". Mittlerweile schaut er ab und an wieder in die Kommentare. Es freue ihn, dass die Aufklärung und das Lernen in den Kommentaren weitergehe und Twitter-User sich gegenseitig helfen würden. "Wir sind auch nur Menschen. Es gibt keinen Grund für 20 verschiedene Fragen und eine Million unangenehmer Gespräche, nachdem wir unser Coming-out hatten", schrieb er der "Daily Mail" und fügte hinzu, dass er hoffe, dass die Dinge, die er in seiner Etikette aufgelistet habe, irgendwann zum Allgemeinwissen gehören werden, sodass die queere Gemeinschaft Außenstehende nicht immer wieder an diese Dinge erinnern müsse.

Quelle: "Daily Mail"


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