VG-Wort Pixel

Virtuelle Welten "Quasi tabu": Apple will mit Zuckerbergs Metaverse nichts zu tun haben

Apple Tim Cook
Apples CEO Tim Cook, im Archivbild auf einer Proiduktvorstellung, kündigte an, dass sein Unternehmen künftig einen Gesichtsschutz produziert.
© Karl Mondon / Picture Alliance
Fragt man Mark Zuckerberg nach der Zukunft des Internets, hat der eine klare Vision: Die Menschheit zieht es ins Metaverse - die virtuelle Realität. Doch auf einen großen Player muss er da wohl verzichten. Denn ausgerechnet Tech-Gigant Apple scheint von den Plänen wenig zu halten.

Es war eine denkwürdige Präsentation, zu der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Herbst eingeladen hatte. In seinem virtuellen Vortrag enthüllte er, wie sich der Konzern die Zukunft des Internets vorstellte - und lud die Menschen in das neu ausgerufene Metaverse ein. Wie überzeugt er davon ist, zeigt, dass er selbst den Konzern in Meta umbenannte. Doch ausgerechnet Apple will davon nichts wissen. Und setzt auf einen anderen Weg.

Das geht aus einem Bericht des gewöhnlich hervorragend informierten Apple-Journalisten Marc Gurman hervor. Apple lehnt demnach die Idee eines Metaverses, in das die Menschen einen großen Teil ihres Lebens verlagern, klar ab. Darin seien eine zahlreichen Quellen innerhalb des Konzerns sich einig, erklärt Gurman in seinem wöchentlichen Newsletter für "Bloomberg". "Ich wäre schockiert, wenn Apple das Wort Metaverse auf einer Keynote benutzen würde."

Metaverse als Tabu

Die Idee, sich vollständig in einer virtuellen Welt zu verlieren, sei beim iPhone-Hersteller "quasi tabu", betont Gurman. Zwar gibt es schon länger glaubwürdige Berichte, nach denen Apple nicht nur eine, sondern gleich zwei unterschiedliche Datenbrillen entwickelt. Anders als bei Metas Vision gehe es bei ihnen aber um etwas grundlegend anderes. Die für Ende des Jahres erwartete Apple-Brille, die abgeschlossene virtuelle Realität ermöglichen soll, sei im Kern anders gedacht, als Metas Konzept. "Hochrangige Angestellte, etwa der ehemalige Design-Chef Jonathan Ive, haben mit Nachdruck klar gemacht, dass es sich nicht um ein Gerät handelt, das man den ganzen Tag trägt", so Gurman. Stattdessen soll die VR-Brille nur für kurze Zeitspannen konzipiert sein, um etwa zu Spielen oder Medien zu konsumieren. 

+++ Lesen Sie auch: "Das wird das nächste große Ding": Tim Cook verrät, welche Technologie die wichtigste ist" +++

Anders sehe es mit der geplanten Augmented-Reality-Brille aus. Die basiert auf einem anderen Konzept: Während es bei VR darum geht, die Umgebung auszublenden, legt sich AR über das Sichtfeld und erweitert es um Zusatzinformationen. Apple sei erheblich mehr von diesem Ansatz überzeugt, so Gurman. Und lege entsprechend seinen Fokus darauf. Zudem sei diese Art vom Brille auch als Ganztags-Gerät konzipiert. 

Scheideweg zwischen AR und VR

Zu den aktuellen Gerüchten wollte Apple sich auf Anfrage des stern zwar nicht äußern, sie passen allerdings zu Aussagen der Konzernleitung in der Vergangenheit. CEO Tim Cook hatte bereits mehrfach betont, dass man AR als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien betrachte. Auf Produkt- oder Software-Präsentationen des Konzerns spielte die eigene Schnittstelle AR-Kit und ihre Möglichkeiten immer wieder eine prominente Rolle. 

Von der Idee des Metaverses unterscheidet sich Apples Ansatz aber deutlich. Während es Mark Zuckerberg und seinem Konzern darum gehen dürfte, dass die Kunden möglichst viel Zeit in den eigenen Online-Welten verbringen, hat Apple daran wenig Interesse. Das liegt nicht zuletzt an den unterschiedlichen Ausrichtungen des Konzerns: Meta benötigt die Aufmerksamkeit der Kunden, um ihnen Werbung anzeigen zu können. Die wenigen Hardware-Produkte, die der Konzern anbietet - etwa die VR-Brille Oculus Quest - dienen lediglich als einfacher Zugang in die Meta-Welt. Apple hingegen denkt genau von der anderen Seite: Der Konzern lebt von Hardware-Verkäufen und bietet mit eigener Software und Diensten nur das Umfeld für eine möglichst reibungslose Produkterfahrung. 

Dass Apple Ende des Jahres zunächst eine VR-Brille herausbringen soll, dürfte in erster Linie technische Gründe haben. Zwar gibt es bereits gut funktionierende AR-Brillen wie Microsofts Hololens. Sie taugen wegen des klobigen Äußeren aber kaum als Alltagsbrille. Andere smarte Brillen, etwa vom chinesischen Hersteller Oppo, sind zwar dezenter, allerdings technisch erheblich eingeschränkt und bieten nur einfarbige Einblendungen. Entsprechend wird mit Apples AR-Lösung erst in einigen Jahren gerechnet. Die VR-Brille dürfte in erster Linie den Sinn haben, den Markt zu besetzen, bevor ihn andere übernehmen - und nebenbei etwas Erfahrung für die AR-Lösung zu sammeln.

Quelle: Mark Gurman (Twitter)

Lesen Sie auch:

Apple-Chef im stern-Interview: "Programmieren ist für Kinder wichtiger, als eine zweite Sprache zu lernen"

Apple Watch 7 im stern-Test: Da, schau her

Mobiler, smarter, tödlicher: Microsoft und US-Army schließen Megadeal über den Helm der Zukunft ab


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker