VG-Wort Pixel

Hololens Mobiler, smarter, tödlicher: Microsoft und US-Army schließen Megadeal über den Helm der Zukunft ab

Hololens: Die für die US-Army angepasste Augmented-Reality-Brille Hololens soll einen Vorteil im Kampf liefern
Die für die US-Army angepasste Augmented-Reality-Brille Hololens soll einen Vorteil im Kampf liefern
© Microsoft / PR
Alle wichtigen Daten direkt im Sichtfeld - das ist der Ansatz von Microsofts AR-Brille Hololens. Nun hat der Konzern einen besonders großen Deal an Land geholt: Eine speziell für die US-Army angepasste Version soll das Schlachtfeld revolutionieren. Doch nicht jeder ist darüber begeistert.

Animierte Schlachtpläne immer vor dem Auge, die Stellung von Kameraden und von Drohnen ausgespähten Feinden auch durch Wände gezeigt bekommen: Augmented Reality (AR) hat in modernen Kriegen ein gigantisches Potenzial. Das scheint die US-Army nun ausschöpfen zu wollen und hat 120.000 Augmented-Reality-Systeme bei Microsoft bestellt. Doch der gigantische Deal ist auch im Konzern umstritten.

Die Pläne sind an sich nicht neu: Microsoft und die US-Streitkräfte hatten schon vor zwei Jahren angekündigt, eine Zusammenarbeit auf Basis von Microsofts AR-Brille Hololens zu prüfen. Nun scheint man mit den Ergebnissen zufrieden zu sein: "Wir kündigen heute an, mit Microsoft für ein Integrated Visual Augmentation System (IVAS) zu entwicklen", heißt es von Seiten der US-Army. "CNBC" zufolge soll der Deal über 10 Jahre laufen und könnte dadurch bis zu 21,88 Milliarden Dollar in Microsofts Kassen spülen.

Moderner Blick auf das Schlachtfeld

Hinter der Abkürzung IVAS versteckt sich nicht weniger, als das moderne Interface für den Hightech-Soldaten. Nachdem die beiden Partner zunächst mit einer separaten Brille experimentiert hatten, ist die neue Version nun direkt auf dem Helm platziert. Und bietet den Soldaten völlig neue Optionen in Ausbildung und Einsatz.

Die Kerntechnologie ist Microsofts Datenbrille Hololens, die durch die Rechenpower von Microsofts Cloud-Dienst Azure befeuert wird. Die Brille blendet nahtlos Daten und 3D-Objekte ins Sichtfeld des Trägers ein. Die bislang vor allem an Geschäftskunden gerichtete Brille kann etwa Ingenieuren 3D-Modelle großer Geräte zugänglich machen, dem Chirurgen während der OP die Daten medizinischer Scans vor Auge führen. Sie kann aber eben auch einen Kampf simulieren oder im echten Kampf mit Daten unterstützen.

Mobiler, smarter, tödlicher

Das versprechen sich offenbar auch Microsoft und die Army. "Das Programm bietet in einer ganzen Reihe von Szenarien eine verbesserte situative Aufmerksamkeit, ermöglicht es, Informationen zu teilen und schnelle Entscheidungen zu treffen", schreibt Microsoft. Bei der Army wird es konkreter: Man wolle "Tödlichkeit, Mobilität und die Situations-Einschätzung" verbessern. Zudem erwarteten sich die Streitkräfte von der Brille die nötigen Verbesserungen bei der Situationsbewertung, der Entscheidungsfähigkeit und dem bewaffneten Kampfgeschehen, "die im Konflikt mit heutigen und zukünftigen Gegnern den entscheidenden Vorteil bringen", heißt es in der Ankündigung.

Hololens: Mobiler, smarter, tödlicher: Microsoft und US-Army schließen Megadeal über den Helm der Zukunft ab

Die Brille solle auch zum Training bestimmter Kampf-Situationen eingesetzt werden. Dazu könnte man etwa die Gegner virtuell in den Trainingsparkour einbinden, was eine realistischere Simulation des Kampfgeschehens ermöglicht, ohne Menschen beim Training mit scharfen Waffen in Gefahr zu bringen.

Umstrittener Megadeal

Dafür scheinen die US-Streitkräfte mehr ausgeben zu wollen als zunächst geplant: Schon die ursprünglich vereinbarten 478 Millionen Dollar für 100.000 Datenbrillen lagen etwas über dem Marktpreis von 3500 Dollar, die Microsoft sonst für seine Hololens verlangt. Das sich der Preis bei nur 20.000 zusätzlich bestellten Brillen mehr als vervierzigfacht, dürfte daran liegen, dass Microsofts Unterstützung durch die intelligente Cloud-Lösung Azure deutlich größer ausfällt als zunächst geplant. Wie genau die Army die Cloud-Lösung und ihre KI-betriebenen Analyse-Fähigkeiten nutzt, ist allerdings nicht bekannt.

Der Vertrag ist nicht unumstritten. Der letzte Deal mit dem Pentagon, der sogenannte JEDI-Vertrag, wurde von Klagen durch den Konkurrenten Amazon verzögert. Der Konzern hatte sich ebenfalls auf die Modernisierung der US-Streitkräfte beworben, der Vertrag sei aus persönlicher Abneigung des damaligen Präsidenten Donald Trump gegen Amazon-Gründer Jeff Bezos nicht zustande gekommen, argumentierte der Konzern. 

Auch bei Microsoft selbst gibt es immer wieder Widerstände gegen die enge Zusammenarbeit mit dem Militär. Eine Gruppe von Mitarbeitern, die sich "Microsoft Workers 4 Good" nannten, forderte den Konzern bereits 2019 auf, Hololens nicht für den Kampfeinsatz anzubieten. Der Konzernchef sieht das aber anders. "Wir werden Technologie nicht von demokratisch gewählten Institutionen zurückhalten, die unsere Freiheit verteidigen" stellte er sich damals hinter die Streitkräfte. 

Allerdings ist die Ausstattung des US-Militärs auch schlicht ein gewaltiges Geschäft. Während im öffentlichen Bildungssektor oder anderen Bereichen immer wieder der Rotstift angesetzt wird, wächst das Verteidigungsbudget der USA in den letzten Jahren konstant: Mit 750 Milliarden Dollar für das laufende Jahr ist es das höchste aller Zeiten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker