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Riesendeal für Palantir: Mit dieser 800-Millionen-Software will die US-Army das Schlachtfeld revolutionieren

Die US-Army greift tief in die Tasche, um sich mit besonders smarter Software die Übermacht auf dem Schlachtfeld zu sichern. Das Besondere: Das US-Heer nutzt dazu erstmals Software von der Stange.

Granatwerfer von Heckler & Koch:

Beim digitalen Krieg kommt es längst nicht mehr auf die Feuerkraft an

Kriege wurden schon immer nicht nur mit Waffen gewonnen, sondern auch mit Informationen. Im digitalen Zeitalter gilt das ganz besonders. Die US-Army will deshalb nun ihr System aktualisieren, mit dem die Soldaten im Kampf mit Informationen über das Schlachtfeld versorgt werden. Und setzt dazu erstmals auf eine Lösung aus der Privatwirtschaft.

Die Anforderungen des US-Heeres sind hoch. Die Software muss nicht nur extrem zuverlässig sein, sondern live einlaufende Daten wie Truppenpositionen, das Gelände, die Wetterverhältnisse und vieles weitere berechnen, um dann in Sekundenschnelle Entscheidungs-Hilfe zu geben. Dabei muss das System auch in hitzigen Gefechten einfach zu lesen und zu bedienen sein.

Stangenware statt Spezial-System

Bisher ließ sich die Army wie andere US-Militäreinheiten immer eine auf sie zugeschnittene Lösung entwickeln, berichtet die "Washington Post". Diesmal geht der auf ein Volumen von 800 Millionen Dollar geschätzte Deal an Palantir, eine umstrittene Sicherheits-Firma, hinter der Paypal-Gründer und Trump-Berater Peter Thiel steht. Deren Datenanalyse-Programme werden schon heute von vielen Firmen und Behörden eingesetzt. Sie gelten manchen Kritikern als Vorstufe zum Überwachungsstaat, trotzdem zählen auch deutsche Behörden wie der Frankfurter Polizei zu den Kunden.

Auch die Army scheint Palantir überzeugt zu haben. Nach einem Bietstreit mit dem US-Rüstungskonzern Raytheon hatte sich das US-Heer 2016 zunächst für letzteren entschieden. Nach einer erfolgreichen Klage gegen die Entscheidung war Palantir wieder im Rennen. Anders als bei früheren Vergabe-Verfahren entschied sich die Army dann, beide Systeme im Einsatz testen zu lassen. Dabei sollen sie unter anderem in speziellen Gefechtslaptops bei Fallschirmeinheiten genutzt worden sein.

Palantir gibt sich selbstbewusst

"Die Army hat hier ihren Ansatz zur Ausschreibung geändert", erklärte Doug Philippone der Zeitung. Er war vorher bei einer Eliteeinheit der Army, jetzt leitet er Palantirs Verteidigungsgeschäft. Durch die Testphase erhielten die Anbietern die Möglichkeit, ihre Programme durch Feedback aus den Tests an die konkreten Bedürfnisse der Soldaten anzupassen. Und genau hier konnte der Verteidigungsneuling wohl kräftig punkten. Palantir sei sich immer sicher gewesen, nach Rückmeldungen von Soldaten die beste Lösung anbieten zu können, so Philippone. Raytheon bezeichnete den Deal gegenüber "Defense One" als "enttäuschend" und versucht, ihn herunterzuspielen. "Es handelt sich nur um eine recht kleine Anzahl an Systemen", so ein Sprecher.

Nicht nur für die Army ist der Wechsel zu Palantirs kommerzieller Lösung eine Zäsur. Auch für das Unternehmen ist es ein wichtiger Schritt. Mit der Army hat es einen seiner bislang größten Aufträge eingefahren. Es einer der Höhepunkte einer zunächst gewagten Strategie: Während die meisten Unternehmen aus dem Silicon Valley auf private und Firmenkunden setzen, konzentrierte sich Palantir seit der Gründung 2004 voll auf Behörden. Während der Ansatz von Investoren zunächst skeptisch betrachtet worden war, ist das längst gekippt. Palantir wird mit gut 20 Milliarden US-Dollar bewertet.

Tatsächlich hat das Silicon Valley längst das Militär als Kunde erkannt. Auch Microsoft und Google schlossen im letzten Jahr hochdotierte Verträge mit dem Pentagon ab. Viele Angestellte gingen deshalb auf die Barrikaden, Google machte am Ende einen Rückzieher. Palantir muss solche internen Konflikte wohl nicht befürchten.

Quellen: Washington Post, Defense One 

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