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Xbox Series S und Series X Die neuen Xboxen im Test: Das teure Modell kann man sich sparen

Xbox Series S und Series X: Die neue Xbox Series S (links) und die Series X unterscheiden sich nicht nur optisch voneinander
Die neue Xbox Series S (links) und die Series X unterscheiden sich nicht nur optisch voneinander
© Malte Mansholt / stern.de
Mit der Xbox Series S und der Xbox Series X geht Microsoft gleich mit zwei neuen Konsolen ins Weihnachtsgeschäft. Wir haben beide schon testen können. Der Abstand zu den Vorgängern ist vor allem im Detail zu finden.

Jahrelang war es bei der Auswahl der Konsole sehr einfach: Man musste entscheiden, welche Spiele man wollte – und entschied sich dann für das Modell von Sony, Nintendo oder Microsoft, auf dem es diese Spiele gab. Bei der neuesten Generation gibt es aber nun auch zwischen den Konsolen der einzelnen Hersteller echte Unterschiede. Wir haben die neuen Microsoft-Konsolen Series S und Series X getestet.

Zwei unterschiedliche Geschwister

Die beiden neuen Konsolen wirken ein wenig wie Tag und Nacht. Obwohl in beiden grundsätzlich ähnliche Technik steckt, unterscheiden sie sich doch gewaltig voneinander. Das fängt schon beim Design an. Während die schlanke weiße Series S auch als Dekor im schicken Skandi-Wohnzimmer durchgeht, kommt die schwarze Series X als wuchtiger Monolith daher. "Wieso versteckst du denn das schicke Teil?", fragte meine Frau ganz enttäuscht, als das S-Modell hinter der Blende der TV-Bank landete. Bei keiner anderen Konsole war der Wife-Acceptance-Faktor bisher so groß. Rein optisch macht die kleine S einfach deutlich mehr her. 

Das liegt sicher auch daran, dass es sich an ein anderes Publikum richtet als das X-Model. Die Series S ist dieses Mal nicht die Einsteiger-, sondern die Mainstream-Konsole. Schick, etwas günstiger, dafür aber auch etwas weniger potent. Die Series X ist dagegen das Performance-Monster und richtet sich mit mehr Prozessor- und Grafikleistung und 16GB statt 10 GB Arbeitsspeicher sowie ihrem spürbar höheren Preis an Hardecore-Zocker. Das Mehr an Leistung darf sie auch mit einem wuchtigeren Äußeren nach Außen tragen. So wie bei der Sportvariante eines Autos. 

Xbox Series S und Series X: Die schicke Series S macht sich auch als Deko-Gegenstand gut
Die schicke Series S macht sich auch als Deko-Gegenstand gut
© Malte Mansholt / stern.de

Der Sprung wird kleiner

Bei den Games selbst müssen sich viele Spieler eventuell auf eine kleinere Enttäuschung gefasst machen: Der optische Sprung bei den Spielen ist zum Start deutlich kleiner, als man es bisher bei der Einführung einer neuen Generation gewohnt ist. Klar, die Spiele sehen toll aus, die Kinnlade fiel mir aber, anders als das früher bei einem Konsolensprung der Fall war, eben nicht mehr herunter. Man sollte also schlicht nicht zu viel erwarten.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen gab es noch nie zuvor eine Art Zwischengeneration: Die Xbox One X hatte bereits deutlich mehr Power zu bieten als das Basis-Modell, ermöglichte dadurch bereits höhere Auflösungen und Bildwiederholraten. Der technische Unterschied ist schlicht nicht so groß wie bei früheren Konsolengenerationen. 

Neuerungen im Detail

Viele der nun möglichen Neuerungen liegen zudem eher im Detail. Die neuen Konsolen stellen Bilder dank der höheren Rechenleistung in höherer Auflösung dar, weil mehr und zudem schnellerer Arbeitsspeicher verfügbar ist, steigt die Sichtweite. Die durch die hohe Rechenleistung mögliche, eigentlich wirklich spektakulär aussehende Technologie Ray Tracing, wird aktuell noch nicht im vollen Ausmaß genutzt. Bei der Technik kann jeder Lichtstrahl einzeln und in Bewegung der Objekte berechnet werden, sie lässt Spiele dadurch erheblich realistischer aussehen. Das erfordert allerdings, dass die Spiele auch um die Effekte herum aufgebaut werden müssen, um eine entsprechende Wirkung erzeugen zu können.

Für die Konsolen optimierte Spiele wie "Gears 5" sehen zwar auch minimal besser aus, der größte Unterschied sind aber die höhere Auflösung und die flüssigere Bildrate
Für die Konsolen optimierte Spiele wie "Gears 5" sehen zwar auch minimal besser aus, der größte Unterschied sind aber die höhere Auflösung und die flüssigere Bildrate
© Screenshot / stern.de

Das ist aktuell noch nicht der Fall: Microsoft hat zum Start seiner neuen Konsolen keine Spiele parat, die speziell für die neue Generation entwickelt wurden. Stattdessen kommen zum Verkaufstermin Spiele heraus, die auch auf den alten Konsolen erscheinen oder sogar schon erschienen sind und für die neuen Modelle nur speziell optimiert wurden. Zum Start unterstützen nur einige wenige Spiele überhaupt Raytracing, sie müssen zudem auch ohne die Lichtbrechung gut aussehen, weil sie auch auf den alten Konsolen laufen müssen. Games, die speziell um die Effekte gebaut wurden und sie voll nutzen, werden erst im Rahmen der nächsten Jahre erscheinen.

Flüssig wie nie

Der größte Unterschied zu den alten Games ist subtiler. Musste man in der letzten Generation noch oft zwischen vielen Details, der ultrahohen 4K-Auflösung und flüssigen 60 Bildern die Sekunde entscheiden, kann die Xbox Series X nun in mehr Spielen alles auf einmal. Andere erlauben es, sich für stabile 60 Bilder zu entscheiden oder lieber ein paar mehr Details zu sehen, dafür ab und an aber Einbrüche in der Bildrate zu riskieren. Ähnliche Optionen gab es bei den alten Konsolen zwar auch, da lag die Deckelung mit 30 Bildern die Sekunde aber nur halb so hoch. Und: Wer den entsprechenden Fernseher hat, kann in manchen Spielen sogar 120 Hertz abrufen.

Der Effekt ist schon bei 60 Hertz deutlich spürbar, wenn man darauf achtet: Die Spiele laufen merkbar flüssiger über den Bildschirm, Ruckler konnte ich auch nach stundenlangem Spielen nur in noch nicht fertig optimierten Spielen von Drittanbietern entdecken und auch dort blieben sie die Ausnahme. Als ich eine der älteren Konsolen startete, wirkte die niedrigere Framerate fast wie ein Daumenkino. Auch wenn sich die neue Generation beim Zocken gar nicht so neu anfühlt: Die aktuellen Konsolen empfand ich plötzlich als ziemlich alt.

Damit die Bildrate auch bei der etwas schwächeren Series S erreicht werden kann, muss man einen Kompromiss eingehen: Sie erlaubt bei Spielen eine Auflösung von "nur" 1440p darzustellen. Das ist allerdings immer noch mehr, als die aktuelle Konsolengeneration schafft. Wenn man ein Stück weiter vom Fernseher weg sitzt oder dieser gar kein 4K unterstützt, ist der Unterschied ohnehin nicht zu sehen. Aber auch sonst bemerkt man das Mehr an Details der 4K-Version in erster Linie im direkten Vergleich. Den meisten dürfte die Leistung der Series S daher aktuell noch völlig ausreichen. In Zukunft ist aber durchaus denkbar, dass die Unterschiede größer werden, wenn Entwickler das Potential der Series X voll auszuschöpfen beginnen.

Xbox Series S und Series X: Die neuen Xboxen im Test: Das teure Modell kann man sich sparen
© Screenshot / stern.de

Schneller Wechsel

Eine Neuerung, die man sofort spürt, ist die deutlich höhere Geschwindigkeit in der Benutzung der Konsole selbst. Die rasend schnelle SSD-Festplatte sorgt nicht nur für eine sehr angenehm schnelle Installation. Sie lässt auch das Starten und den Wechsel zwischen Spielen fast wie das Umschalten beim Fernsehen oder der Wahl einer anderen Serie bei Netflix und Co. wirken. Öffnete ich ein irgendwann schon mal begonnenes Spiel, war ich dank der schnellen Wiederaufnahme nach wenigen Sekunden in der Action. Das funktioniert auch beim Wechsel durch mehrere Games hinweg: Aus der Renn- in die Balleraction dauert es kürzer, als man früher auf das Laden eines Speicherstands warten musste. In fünf bis zehn Sekunden spiele ich schon das nächste Spiel. Das macht wirklich enorm Spaß.

Hundertprozentig klappte das in der Testversion aber leider nicht. Ab und an stürzte ein so gewechseltes Spiel kommentarlos ab, musste dann komplett neu geladen werden. Das wird vermutlich an der noch nicht in jedem Spiel umgesetzten Optimierung liegen und dürfte bald der Vergangenheit angehören. Die Fehler traten ohnehin nur sehr selten auf. 

Medien-Monster gegen Wohnzimmer-Schmeichler

Neben Leistung und Design ist ein wichtiges Unterscheidungs-Merkmal der beiden Konsolen auch, dass die Series S anders als ihr großes Geschwistermodell ohne Blu-ray-Laufwerk kommt. Erst dadurch wird zwar die enorm schlanke Bauform möglich. Trotzdem benachteiligt es die Gelegenheitszocker gleich zweifach: Zum einen lässt sich die Konsole so nicht als Ersatz für den Blu-ray-Player nutzen, was im Zeitalter des Streamings aber noch verkraftbar ist. Zum anderen lassen sich aber auch keine Spiele auf Disk mehr nutzen, geschenkte oder gebrauchte Games fallen also aus. 

Beides dürfte in Zukunft aber ohnehin eine immer kleinere Rolle spielen. Gerade Microsoft setzt mit seinem im Herbst vorgestellten Game Pass Ultimate so stark auf digitale Games wie nie. Das Abo-Modell ist eine Art Netflix für Spiele: Für die monatliche Gebühr ab 12,99 Euro (Langzeitabos sind günstiger) bekommen die Nutzer Zugang zu Tausenden Spielen für Xbox und PC. Die kann man nicht nur auf der Konsole selbst spielen, sondern auch direkt aus der Cloud auf (Android-) Smartphone und Tablet streamen. Die Konsole wird dann sozusagen nur noch zu einem Medium von mehreren.

Die Gamepass-Spiele werden als Teil des normalen Dash-Boards dargestellt
Die Gamepass-Spiele werden als Teil des normalen Dash-Boards dargestellt

Im Test funktionierte das Abo hervorragend. Die aus einer riesigen Auswahl an Spielen für Xbox One und Xbox 360 gewählten Games ließen sich ohne Probleme installieren und dann wie gekaufte Spiele nutzen. In Zukunft soll die Auswahl an Spielen noch deutlich wachsen: Jeder von Microsofts Exklusiv-Titeln ist sofort zum Release im Rahmen des Abos ohne Extrakosten verfügbar. Und selbst EA, der Publisher hinter Spielehits wie FIFA oder "Die SIMS", stellt seine Games als Teil des Abos zur Verfügung. 

Das macht die Xbox enorm attraktiv für Gelegenheitszocker. Statt immer neue Spiele kaufen zu müssen, können sie einfach das Abo laufen lassen und haben stets Zugriff auf eine Unmenge an alten und neuen Titeln. Schon wer zwei Titel im Jahr kaufen würde, kann durch das Abo Geld sparen. In den USA bietet Microsoft sogar eine Variante des Deals an, bei der man eine Konsole in zwei Jahren auf Raten abbezahlt, wie man es von einem Handyvertrag kennt. Niedriger war die Einstiegshürde für eine neue Konsole noch nie. Ob das Modell auch nach Deutschland kommt, will der Konzern aber nicht sagen.

Fazit: Es muss nicht die teure sein

Mit den beiden neuen Konsolen ist Microsoft ein Coup gelungen. Die beiden Xbox-Modelle sprechen sehr unterschiedliche Käufergruppen an – und dürften die Wahl für die meisten Menschen entsprechend leichter machen. Wer gelegentlich zockt und nicht zwangsläufig die höchste Performance braucht, kauft sich die schicke Series S und spart damit Geld und Platz. Wer auf das Mehr an Performance nicht verzichten will oder das Beste vom Besten sucht, legt den Mehrpreis für die Xbox Series X auf den Tisch.

Ein Must-Have sind die Konsolen wegen des bisher noch nicht vollständig ausgenutzten technischen Potenzials aktuell noch nicht. Wer sich aber einmal an die schnellen Ladezeiten, den quasi nahtlosen Wechsel zwischen Spielen und die durch die hohe Bildrate deutlich flüssigere Darstellung gewöhnt hat, wird trotzdem nicht zurück wollen.

Die Xbox Series S und die Xbox Series X sind ab dem 10. November im Handel, die ersten Modelle werden aber an Vorbesteller verschickt. Die Preise sind mit 299 Euro für die Series S und 499 Euro für die Series X absolut angemessen.

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