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JEDI-Vertrag: "Sch*** auf Amazon": Wie Trump das Pentagon nutzt, um sich an Jeff Bezos zu rächen

Mit einem Volumen von 10 Milliarden Dollar hat Microsoft gerade einen der größten IT-Deals der US-Militärgeschichte eingefahren. Präsident Donald Trump soll direkt eingegriffen haben – um sicher zu gehen, dass sein Intimfeind Jeff Bezos leer ausgeht.

Amazon Chef Jeff Bezos im Visier von Donald Trump

Donald Trump hat an Amazon-Chef Jeff Bezos einen Narren gefressen. Nun soll er Amazon Milliarden gekostet haben

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Es war ein gigantischer Bietstreit. Über anderthalb Jahre kämpfte das Silicon Valley darum, für zehn Milliarden Dollar die US-Streitkräfte ins neue Jahrtausend zu holen. Nachdem nur Amazon und Microsoft übrig geblieben waren, bekam am Ende der Windows-Konzern den Zuschlag. Jetzt kam heraus: Donald Trump persönlich wollte Amazon als Verlierer sehen. Der Grund dürfte seine Intimfeindschaft mit Gründer und CEO Jeff Bezos sein.

Die Enthüllung kommt aus einem Buch über Trumps ehemaligen Verteidigungsminister James "Mad Dog" Mattis. Trump soll demnach klar gemacht haben, dass er Amazon nicht als Gewinner des Vertrags akzeptiert. "Screw Amazon" soll er Mattis klar gesagt haben. Die in englisch sehr ambivalent benutzte Phrase kann sowohl bedeuten, dass man jemanden fertig machen oder über den Tisch ziehen will, aber auch auf vulgäre Art extreme Abneigung ausdrücken. 

Mattis wollte nicht mitmachen

Doch Mattis sei Trump nicht gefolgt, berichtet sein Redenschreiber Guy Snodgrass, aus dessen kommenden Buch die Anekdote stammt. "Das werden wir nicht tun. Wir machen das genau nach den Regeln und den ethischen Maßstäben" zitiert Snodgrass die Reaktion des angesehen Karriere-Militärs Mattis.

Ganz einfach war das aber wohl nicht: Obwohl der Vertrag bereits Ende 2018 vergeben werden sollte, brauchte es noch ein weiteres Jahr bis zur Entscheidung. Mattis war bereits im Februar von seinem Amt zurückgetreten.

Alle sahen Amazon als Sieger

Die Entscheidung für Microsoft kam überraschend. Im Rahmen des als "Joint Enterprise Defense Infrastructure" (kurz: JEDI) genannten Vertrages sollen die gesamten Kommunikations- und Organisation-Werkzeuge des US-Militärs über die verschiedenen Streitkräfte hinweg in einem gigantischen Cloud-Projekt bündeln. Obwohl der Windows-Konzern in den letzten Jahren dank seines Dienstes Azure zu einem der wichtigsten Player im Cloud-Geschäft gemausert hatte, galt Amazon lange als natürlicher Kandidat für den Deal. Konkurrent Oracle hatte sogar geklagt, weil die Ausschreibung den Internet-Giganten unfair bevorzugt hätte.

Jens König im Interview

Doch kurz bevor im Sommer 2019 endlich eine Entscheidung anstand, mischte sich Donald Trump wieder ein. Man werde die Vergabe an Amazon genau prüfen, kündigte er im August an. "Ich habe noch nie so viele Beschwerden gehört", erklärte der US-Präsident. "Einige der großartigsten Firmen der Welt beschweren sich darüber."

Bezos der Intimfeind

Tatsächlich dürfte auch Trumps jahrelange Feindschaft mit Amazon-Gründer und - CEO Jeff Bezos eine große Rolle spielen. Neben Amazon betreibt Bezos auch die extrem Trump-kritische Zeitung "Washington Post".

In beiden Positionen wird er immer wieder von Trump attackiert. Bei jeder Gelegenheit schießt der Präsident gegen vermeintliche Fake News, wirft Amazon Monopol-Verhalten oder eine zu geringe Zahlung an die US-Post vor. Auch als Bezos im Frühjahr mit Nacktfotos erpresst wurde, führte die Spur zu Trump.

Lachender Dritter

Microsoft dürfte die Situation gerade recht kommen. Zum einen bringt der Milliarden-Deal selbst natürlich jede Menge Geld in die Kassen. Wie viel genau Microsofts Cloud-Plattform Azure einnimmt, ist zwar nicht bekannt, die Einnahmen über Cloud-Geschäfte insgesamt brachten aber im letzten Quartal 10 Milliarden ein. Die zusätzlichen Einnahmen dürften also durchaus bemerkbar sein. Hinzu kommt der indirekte Effekt: Mit dem Vertrag würde Azure mit Amazons Angebot AWS gleichwertig gestellt, erklärten gleich mehrere Marktbeobachter. Analyst Dan Ives gab sich gegenüber "CNBC" sicher: "Das wird das Cloud-Geschäft noch Jahre befeuern."

Quellen: CNBC, Washington Post, CNN, Business Insider