Youtube & Co. Die virtuelle Trauerstätte


Auf Videoplattformen wie Youtube drücken immer mehr Menschen ihre Gefühle nach den letzten Morden an englischen Kindern und Jugendlichen aus - mit selbst produzierten, oft rührenden Videos.
Von Ralf Klassen

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Mordes an dem 11-jährigen Liverpooler Schüler Rhys Jones begannen Freunde und Mitschüler, aber auch nicht unmittelbar Betroffene, durch selbst produzierte Clips ihre Gefühle in die virtuelle Welt hinaus zu senden.

Die mit Musik unterlegten Collagen aus Fotos, TV-Bildern und Zeitungsschlagszeilen sind authentischer Ausdruck von Trauer, Wut und Hilflosigkeit. Sentimental, mitunter naiv und rührselig - aber immer auch berührend. Wie etwa das Video "Gun Crime...R.I.P Rhys Jones" vom Youtube-User "bean4spurs", das gerade in seiner Einfachheit einen Beleg dafür gibt, mit welcher Ohnmacht viele Menschen die Mord-Nachrichten aus ihrer Nachbarschaft aufnehmen.

Auch die "Petition of hope for Rhys" von ChristopherYnot berührt - weil sie schlicht und einfach in viereinhalb Minuten all die Menschen auflistet, die ihren Sohn, Freund und Fußballkumpel Rhys durch die Schüsse eines durchgedrehten Gangmitgliedes verloren haben.

Aber auch an andere Kinder und Teenager, die durch die Gewaltwelle unter Großbritanniens Jugendlichen zu Tode kamen, wird auf Youtube erinnert - oft auch verbunden mit dem Appell, endlich mit dem Töten aufzuhören. Wie etwa in dem Video "Lifey - No more gun crime, no more knife crime in London".

Mit Rap-Musik unterlegt, listet es all jene Opfer der ungehemmten Brutalität auf, die sich in den Vorstädten der englischen Metropolen immer mehr ausbreitet. Botschaft: "Steck dein Messer weg, bevor es jemand in Dich steckt!"

Ob und wie diese Botschaften diejenigen erreichen, die den Grund für Trauer und Wut erst ausgelöst haben, mag dahin gestellt sein. Als Beweis dafür, dass die Netz-Community nicht eben doch nur cool bis ans Herz ist, taugen sie allemal.


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