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Youtube: Huch, da gibt's ja doch Gutes

Youtube hat sich selbst gefeiert und seine besten Videos des Jahres 2006 wählen lassen. Die Preisträger rufen ins Gedächtnis zurück, dass das Videoportal mehr drauf hat als gefilmte Unfälle und Urheberrechtsverletzungen: nämlich kurze Kunst.

Von Ralf Sander

Youtube? Das war doch dieser Platz im Internet, wo jedermann Videoclips veröffentlicht, an denen er keine Rechte besitzt? Wo Humor im Wesentlichen durch hinfallende Babys und nicht-einparken-könnende Frauen definiert wird. Tatsächlich trat Youtube in der jüngeren Vergangenheit mit nur zwei Themen in Erscheinung. Erstens: welche weitere TV-Station eine Millionenklage wegen Urheberrechtsverletzungen anstrengt. Und zweitens: welche weitere TV-Station mit eigenen Inhalten bei Youtube oder einem eigenen Konkurrenzportal ins Internet geht.

Im Wust dieser Meldungen ist verloren gegangen, was Youtube auch ist: ein Tummelplatz kreativer Köpfe. Die am Wochenende abgeschlossene Wahl der Videos des Jahres 2006 hat diese vielleicht schönste Eigenschaft Youtubes wieder ins Gedächtnis zurückgerufen. Natürlich war die Abstimmung eine PR-Aktion für das inzwischen zu Google gehörende Produkt. Natürlich war sie eine Maßnahme, um die Community bei Laune zu halten. Und die Nominierungen kamen von Youtube selbst und nicht aus der Community.

Such den Gehirnschmalz!

Doch am Ende stand nicht nur die Firma gut da. Die Beiträge – die am Ende siegreichen, aber auch alle nominierten – zeigten, wie viel Gehirnschmalz, Leidenschaft und auch chaotische Kreativität zwischen den Abermillionen Privatvideos, Fernsehmitschnitten und Pleiten-Pech-und-Pannen-Sammlungen versteckt ist. Und die Community zeigte, dass sie durchaus in der Lage ist, Perlen zu erkennen und zu würdigen.

Zum Beispiel die beiden musikalischen Preisträger: die Band OK Go mit ihrem bizarren Tanz auf Fitness-Laufbändern (ausgezeichnet als Kreativstes Video) und die Singer-Songwriterin Terra Naomi (Bestes Musikvideo), die Gitarre spielend ganz nah an der Kamera sitzt und ein herzzerreißendes Liedchen schmettert. Die Nachwuchssängerin hat inzwischen einen Plattenvertrag, und das Video der kalifornischen Band lief nach Millionen von Internetabrufen auch im Musikfernsehen hoch und runter.

Oder nehmen wir das als "most adorable", als hinreißendstes Video gepriesene "Kiwi!", die kurze Geschichte eines flugunfähigen Vogels, der alles versucht, einmal im Leben durch die Luft zu segeln - koste es, was es wolle. Der computeranimierte Kurzfilm ist die Abschlussarbeit des Kunststudenten Dony Permedi. Solche kleinen Meisterstücke entdeckt man sonst nur auf Festivals oder speziellen Websites der Animationsszene.

Kunst kommt von Können, nicht von Wollen

Die genannten sowie drei weitere ausgezeichnete Beiträge (von Smosh, The Wine Kone und "Ask a Ninja") haben eines gemeinsam: Sie haben den reinen Amateurstatus längst verlassen. Sie wissen, was sie tun. Sie verbinden Talent mit dem Wissen um die Anforderungen eines neuen Mediums, was Bildsprache und vor allem Länge angeht. Die Kunst des Kurzen findet im Mainstream, zum Beispiel im Fernsehen, gar nicht statt. Wer will, kann sich über Youtube & Co. sein eigenes Kurzfilmfestival zusammenstellen. Diese verschüttete Möglichkeit hat die Preisverleihung der Youtube-Awards wieder offenbart. Zwar fand die New York Times, die Abstimmung sei reine Selbstbeweihräucherung und Verehrung eines bestimmten, inzwischen einheitlich und langweilig gewordenen Youtube-Stils. Vielleicht hat sie Recht. Auf jeden Fall ist da etwas Eigenständiges, das es sich zu entdecken lohnt. Schnell. Bevor die TV-Sender alles zupflastern mit Stoffen, die zwar ihnen gehören, aber doch nur Fernsehen sind.

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